Aufmunterung der Woche (26/2023)

Letztes Wochenende war ich bei der Schreibwerkstatt. Das ist für mich immer eine Aufmunterung! Eine der Schreibanregungen war das Gedicht „Der Ort“ von Bernd Jentzsch. Jentzsch schildert darin den Ort einer glücklichen Kindheit, die meisten Zeilen beginnen mit „wo ich“. Aufgabe war, einen eigenen persönlich bedeutsamen Ort zu beschreiben und dabei Jentzsch formal locker zu folgen. Für mich war schnell klar, über welchen Ort ich schreiben will!

Welchen Ort möchtest du lyrisch zum Leben erwecken?


Der Ort
Wo ich mich im ersten Jahr sehr stolz und zugleich wieder klein gefühlt habe.
Wo ich entdeckt habe, dass mir das Lernen auch hier leicht fällt.
Wo ich mich beim Unterstufenfasching in den DJ aus der Kollegstufe verknallt habe.
Wo mir von Jahr zu Jahr bewusster wurde, dass die englische Sprache eine meiner Leidenschaften ist;
Dafür aber der Sportunterricht immer schrecklicher und quälender wurde.
Wo ich in Erdkunde heimlich Kartoffelchips aus der Tüte unter der Bank gefuttert habe.
Wo ich Freundschaften geschlossen habe, von denen zwei bis heute halten.
Wo ich mich mit meiner ersten großen Liebe von einer Schulfeier davongestohlen und im dunklen Gang vor den Physiksälen gelacht, geknutscht, geschwiegen habe.
Wo ich in Geometrie manchmal den Vordermann mit dem Zirkel in den Rücken gepikst habe, wenn der beim Stuhlkippeln nahe genug kam.
Wo ich auf der Schulbühne nach der Theaterpremiere gespürt habe, wie wunderbar sich Applaus anfühlt.
Wo mir bei der Übergabe des Abiturzeugnisses bewusst wurde, dass mir jetzt die Welt offen steht.
Wo ich 30 Jahre nach dem Abitur während der Schulführung in drei Klassenzimmern ein kleines Kreideherz an die Tafel gemalt habe.

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