Ein Geschenk zu bekommen, ist grundsätzlich etwas Schönes. Aber ganz ehrlich: Nicht alles, was wir geschenkt bekommen, löst echte Begeisterung aus. Für manche Geschenke bedanken wir uns aus reiner Höflichkeit.
Es gibt jedoch auch jene anderen Geschenke. Die schon beim Auspacken einen Freudenfunken auslösen. Die nicht nur deshalb kostbar sind, weil sie hübsch aussehen oder praktisch sind, sondern weil man spürt, wie viel Gedanken und Zuneigung darin stecken.
So ein Geschenk steht seit Kurzem in meinem Küchenschrank. Und wird stets mit einem Lächeln befüllt und anschließend geleert.
Freitagnachmittags scrolle ich vor dem Feierabend manchmal durch meine LinkedIn Timeline. Gestern habe ich darin dieses Bahnerlebnis von Calli Flothmann entdeckt und mich sehr darüber gefreut.
Seit vielen Jahren lese ich einmal im Monat im Seniorenheim vor. Zu meiner Vorlesestunde kommen um die 20 Leute, ganz überwiegend Frauen. Neben kurzen Geschichten und Märchen lese ich immer auch Gedichte. Bei manchen Gedichten sprechen einige der Zuhörerinnen ein paar Verse auswendig mit. Das ist immer ein Augenblick besonderer Freude für mich. Heute haben einige Damen beim Lindenbaum mitgesprochen und mir damit einen Glücksmoment bereitet.
Der Lindenbaum
Am Brunnen vor dem Tore Da steht ein Lindenbaum: Ich träumt in seinem Schatten So manchen süßen Traum.
Ich schnitt in seine Rinde So manches liebe Wort; Es zog in Freud und Leide Zu ihm mich immer fort.
Ich mußt auch heute wandern Vorbei in tiefer Nacht, Da hab ich noch im Dunkel Die Augen zugemacht.
Und seine Zweige rauschten, Als riefen sie mir zu: Komm her zu mir, Geselle, Hier findst du deine Ruh!
Die kalten Winde bliesen Mir grad ins Angesicht, Der Hut flog mir vom Kopfe, Ich wendete mich nicht.
Nun bin ich manche Stunde Entfernt von jenem Ort, Und immer hör ich´s rauschen: Du fändest Ruhe dort!
Bettina von Arnim und Catharina Elisabeth Goethe (Johann Wolfgangs Mutter) standen in regem Briefwechsel. Am Schluss eines Briefes schreibt Goethes Mutter an Bettina:
Amüsiere Dich recht gut und sei lustig, denn wer lacht, kann keine Todsünd‘ tun.
Ein freudiger Rat einer mütterlichen Freundin, der zum unbedingten Befolgen einlädt!
Musik und Poesie sind für mich zwei der stärksten Quellen für Freudenfunken. Wenn sie die richtigen sind, treffen sie mich direkt ins Herz. Klassische Musik und lange, pathetische Gedichte gehören normalerweise nicht dazu, es gibt aber Ausnahmen. Eine davon vereint beides und ist zugleich die Inspiration für den Namen dieser Wochenkategorie: Schillers Ode an die Freude, in Teilen von Beethoven im Schlusssatz seiner Neunten Sinfonie vertont.
1972 erklärte der Europarat das Hauptthema dieses Satzes zur Hymne; seit 1985 ist es die offizielle Europahymne. Auch das trägt für mich wesentlich zum Funken bei, denn trotz aller Schwierigkeiten glaube ich weiterhin an Europa als Zusammenschluss freiheitlicher Staaten.
Der Funke springt über, wenn ich erst die eingängige Melodie und dann den mächtigen Chor höre:
Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium, Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum! Deine Zauber binden wieder Was die Mode streng geteilt; Alle Menschen werden Brüder, Wo dein sanfter Flügel weilt.
Die erste Kalenderwoche 2026 ist da und so starte ich am letzten Tag des Jahres die neue Wochenkategorie. 2026 wird es freudig und funkig!
Manchmal braucht es einen Funken Freude – einen Lichtblick, der Mut macht und das Herz wärmt. In dieser Kategorie teile ich jede Woche einen Beitrag, der inspiriert, aufmuntert oder einfach ein Lächeln schenkt. Mal ein Gedicht oder ein Zitat, mal eine Geschichte oder eine Empfehlung. Lass dich überraschen und nimm dir deinen Freudenfunken für die Woche mit!
Der erste Freudenfunke sprüht Funken im ganz wörtlichen Sinn und erinnert mich an meine geliebte Oma Luise. Als ich Kind war, verbrachten wir den Heiligabend bei ihr und bevor es das traditionelle Weihnachtsessen gab (Schnitzel mit Kartoffelsalat), wurde der bunte Christbaum zusätzlich mit Wunderkerzen geschmückt. Alle wurden angezündet und das Licht ausgemacht. Das ein wenig beengte Wohnzimmer erstrahlte in warmem Glanz – eine meiner schönsten Weihnachtserinnerungen.
Seit einiger Zeit begrüße ich das neue Jahr mit Wunderkerzen und kehre dabei auch immer kurz in das Wohnzimmer meiner Großmutter zurück. So wird es auch diesmal sein – ich freu mich schon drauf.
P.S.: Vor zehn Jahren habe ich die Heiligabend-Szenerie meiner Kindheit lyrisch festgehalten: Zu Weihnachten ein Gedicht. Die Wunderkerzen fehlen dort, aber alle anderen damaligen „Zutaten“ sind dabei.
Die letzte Verknappung gehört einer mutigen Frau. Am 1. Dezember 1955 wurde Rosa Parks in Montgomery, Alabama, verhaftet und zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Ihr Protest löste den Busboykott von Montgomery aus und gilt als ein wichtiger Auslöser der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.
Ihr Widerstand war nicht körperlicher Erschöpfung geschuldet, sondern dem Willen, nicht länger nachzugeben:
People always said that I didn’t give up my seat because I was tired, but that isn’t true. I was not tired physically, or no more tired than I usually was at the end of a working day. I was not old, although some people have an image of me as being old then. I was forty-two. No, the only tired I was, was tired of giving in. Rosa Parks: My Story, p. 116, Rosa Parks and James Haskins (1992)
Rosa Parks hat gezeigt, wie eine Einzelne den Wandel anstoßen kann. Nie dürfen wir Freiheit und Gerechtigkeit als selbstverständlich hinnehmen. Wir alle sind gefragt, in unserem Alltag einen Beitrag zu einer offenen und gerechten Gesellschaft zu leisten.