Malerei der Woche (31/2022)

Herkules und Omphale sind ein weiteres mythologisches Paar, das Bartholomäus Spranger in erotischer Pose zeigt. Herkules war als Strafe von den Göttern aufgetragen worden, ein Jahr lang der lydischen Königin Omphale zu dienen. Einer Sagenversion zufolge verweichlichte der Held, nach einer anderen unterwarf er sich aus Liebe seiner neuen Herrin, jedenfalls tauschten beide ihre Kleidung. So sehen wir Herkules in einem Frauengewand am Spinnrocken und Omphale im übergeworfenen Löwenfell eine große Keule schwingend.

Malerei der Woche (30/2022)

Um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert bildete der Prager Hof Rudolfs II. eines der bedeutendsten Kunstzentren Europas. Der Kaiser sammelte nicht nur alle Arten von Kunstwerken, sondern zog mit eigenen Aufträgen Maler wie Arcimboldo oder Bartholomäus Spranger an seinen Hof. Spranger erwarb sich in Prag Ruhm durch Gemälde sinnlich-erotischer Götterliebschaften in einem unverwechselbaren Stil. Eines davon zeigt Maja, eine altitalische Frühlingsgöttin, mit ihrem Gefährten Vulkan, dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Maja schmiegt sich lasziv räkelnd an ihren Geliebten. Das Engelchen in der rechten oberen Ecke wendet diskret den Blick ab.

Bartholomäus Spranger, Vulkan und Maja

Malerei der Woche (29/2022)

Die Königstochter Psyche war von solcher Schönheit, dass Liebesgott Amor sich unsterblich in sie verliebte. Er nähert sich ihr jede Nacht in menschlicher Gestalt und nimmt ihr das Versprechen ab, nicht weiter nach seiner Identität zu forschen. Psyche erwidert seine Liebe, wird aber von ihren neidischen Schwestern überredet, das wahre Wesen des geheimnisvollen Liebhabers herauszufinden, der womöglich eine verwandelte Schlange sei. Mit einem Dolch bewaffnet überrascht sie ihn daher im Schlaf und erkennt verzückt die schöne Gestalt des geflügelten Gottes. Diesen Moment hat Jacopo Zucchi für seine Darstellung gewählt und bereits den weiteren Verlauf der Ereignisse vorweggenommen: Ein Tropfen des heißen Öls aus der Lampe, die Psyche hochhält, fällt auf Amors Schulter, so dass dieser erwachen und Psyches Verrat bemerken wird.

Jacopo Zucchi, Amor und Psyche

Malerei der Woche (28/2022)

Laut griechischer Mythologie war Göttervater Zeus (Jupiter bei den Römern) sehr umtriebig und einfallsreich darin, sich schönen jungen Frauen anzubieten oder aufzudrängen. Der Königstochter Leda näherte er sich in Gestalt eines Schwanes und schwängerte sie. Allerdings schlief Leda in derselben Nacht auch mit ihrem Ehemann Tyndareos. In der Folge gebar Leda vier Kinder: Kastor, Polydeukes (Pollux) und Helena gelten als Kinder des Zeus, Klytaimnestra als Tochter des Tyndareos. Viele Darstellungen zeigen, dass die Kinder aus zwei Eiern schlüpfen, die Leda gelegt hat – so auch das Bild, das Francesco Melzi aus Leonardos Werkstatt zugeschrieben wird. In Mythen ist eben alles möglich.

Leda mit dem Schwan, um 1510

Malerei der Woche (27/2022)

Judith und Holofernes sind ein weiteres Paar, das in der Renaissance-Kunst oft dargestellt wird. Wobei Holofernes zumeist nur in Teilen zu sehen ist – im Bild von Andrea Mantegna ist es ein Fuß und der abgeschlagene Kopf. Judith, eine junge Witwe aus dem belagerten jüdischen Volk erbittet Zugang zum Zelt des feindlichen Generals Holofernes. Dieser ist von ihrem Liebreiz und ihrer Weisheit betört und wähnt sich in Erwartung einer Liebesnacht. Judith jedoch enthauptet ihn gemeinsam mit ihrer Magd, um ihr Volk zu befreien. Die Episode aus dem Alten Testament gilt als Symbol für den Sieg der Rechtschaffenheit gegen die Unterdrückung und gleichzeitig für die Gefahren der weiblichen List.

Andrea Mantegna, Judith und Holofernes (um 1495)

Malerei der Woche (26/2022)

Thema für die kommenden Wochen: in der (Renaissance-)Malerei häufig dargestellte Paare. Wir beginnen – selbstverständlich – mit Adam und Eva, hier in einer Darstellung von Jan Gossaert (um 1508).

Jan Gossaert, Adam und Eva (um 1508)

Malerei der Woche (25/2022)

Im späteren 16. und im 17. Jahrhundert waren sogenannte „Markt- und Küchenstücke“ weit verbreitet. Eines der frühesten Beispiele ist „Der Fleischerladen“ (1551) von Pieter Aertsen. Selbst Vegetarier werden den vielfältigen Detailreichtum und die realitätsnahe Ausdruckskraft anerkennen können. Doch gerade die Freude an den dargestellten Genüsslichkeiten und der künstlerischen Leistung sollten damals beim Betrachter zu der Einsicht führen, dass ein Überfluss an Sinnesfreuden der geistigen Gesundheit und christlichen Religiosität zuwider läuft.

Diese Botschaft wird durch die Darstellung im Hintergrund unterstrichen: Die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten, Maria gibt einem Bettler ein Almosen. Eine äußerlich bescheidene Gabe im Kontrast zum überbordenden Verkaufsstand im Vordergrund. Doch Mariens Gabe meint die „geistige Nahrung“ der christlichen Botschaft und Erlösung, die ewiges Leben verheißt.

Pieter Aertsen: Der Fleischerladen

Dîner bei Erbonkel Karl – die äußere und die innere Stimme

Oh, wie charmant. Guten Abend, Herr Brückner. Herzlichen Dank für die Einladung. Oh ja, gerne, danke für die Einladung, Onkel Karl.

Ach du liebe Güte. Was war denn das! Ein Handkuss, kein gehauchter, ein nasser! Und hat er mir dabei tatsächlich in den Ausschnitt geschaut? Philipp hatte ja gesagt, dass sein Onkel Karl „vom alten Schlag“ sei, aber das. Na ja, reich ist er jedenfalls. Was für ein Haus! Riesig! Und all diese Möbel, Teppiche, Ölgemälde. Wie im Museum…

Ja, danke, Herr Brückner, äh, Onkel Karl, ja, so sitze ich gut. Vielen Dank, wie aufmerksam.

Ach je, ich kann meinen Stuhl wirklich sehr gut alleine zurecht rücken. Hm… Hat Erbonkel Karl mir schon wieder ins Dekolleté geglotzt? Philipp sagt nichts, na gut.

Champagner? Äh… Vom eigenen Weingut? Oh, dann natürlich gerne.

Sprudelige Getränke bekommen mir meistens nicht gut, aber versuchen kann ich’s. Muss halt langsam trinken. Ich will ja nicht rülpsen und lallen, bevor der erste Gang serviert wird. Philipp scheint den Jahrgang zu mögen… So kenne ich ihn gar nicht. Ah, da kommt der erste Gang. Was es wohl ist… Oh nein!

Ja, Foie Gras ist mir ein Begriff, Onkel Karl. Ja, ich weiß, eine echte Delikatesse.

Foie Gras? Der Mann hat wohl noch nichts von Tierschutz gehört! Entenstopfleber ist das, klingt gleich weniger chic. Lächeln, lächeln, schlucken, schlucken, schnell schlucken, nicht kauen. Schlucken! Und nachspülen…

Oh, ja, ich nehme gerne noch ein Glas Champagner. Danke, Onkel Karl. Was ich studiere? Germanistik. Oh, damit kann ich später in verschiedene Richtungen, zum Beispiel…

Was? Ist eh nicht wichtig, wenn eine junge Dame so aussieht wie ich? Und Philipp nickt und grinst nur. Ich glaub’s nicht!

Verzeihung? Weißwein? Ja, gerne, unbedingt.

Was für eine Unverschämtheit! Wenn er nicht der Erbonkel wäre… Na, immerhin, der Wein ist süffig.

Ja, wirklich, sehr elegant im Abgang. Ja, gerne noch ein Glas.

Der zweite Gang. Ach du schöne… Austern. Wie eklig!

Nein, Austern habe ich noch nie gegessen. Aber ich versuche gerne Neues.

Oh nein, wie bekomme ich das Glibberzeug nur runter?

Ah, ja, gerne noch vom Wein, sehr köstlich ist der.

Okay. Jetzt einfach konzentrieren. Nicht so genau hinsehen und einfach runter damit. Onkel Karl schenkt mir seine volle Aufmerksamkeit. Mir und meinen Brüsten… Jetzt runter damit. Oh Gott, Igitt.. Uah… Ein großer Schluck Wein, ah, das ist besser.

Äh, kann ich bitte noch vom Wein?

Philipp scheint sich sehr gut mit Onkel Karl zu verstehen. Das war ja Sinn und Zweck dieses Abends. Wie? Philipp soll doch noch mehr Austern essen? Hä? Was? Gut für die Manneskraft? Wir wollen nicht allzu lange warten müssen auf den Stammhalter der Familie Brückner? Was soll das heißen? Jetzt wird Philipp wohl einiges klar stellen! Was? Er lacht nur, will anstoßen auf den baldigen Nachwuchs? Ich fass‘ es nicht. Zum Wohl, die Herren! Mein Glas ist schon wieder leer… Puh, mir schwirrt der Kopf. Und der Magen… Na, ich weiß nicht… O je…

Die Herren mögen mich bitte kurz entschuldigen. Onkel Karl, wo finde ich das Gästebad?

Malerei der Woche (24/2022)

Kalendarisch beginnt er nächste Woche, aber da ist er schon jetzt: Der Sommer.

Jacopo Tintoretto, Der Sommer (um 1555)

Malerei der Woche (23/2022)

Ein ganz anderes Antlitz als das des schönen jungen Mannes zeigt uns Guiseppe Arcimboldo mit „Der Jurist“. Arcimboldo ist bekannt für seine Porträts, die er aus Blumen, Tieren, Früchten und Dingen des Alltags raffiniert zusammenstellt und damit eine verblüffend realistische Wirkung erzielt. Hier bilden Fische, Hühnerschenkel und ein gerupftes Küken das wenig attraktive Gesicht eines Mannes mit schwarzer Kappe. Manuskripte und dicke Bücher bilden den Oberkörper unter einem pelzbesetzen Mantel.
Eine Interpretation des Gemäldes lautet, es handle sich um eine satirische Darstellung Calvins. Eine andere stützt sich auf zwei zeitgenössische Briefe und besagt, hier sei der Jurist Zasius dargestellt, ein Beamter am Hofe Maximilians II, an dem Arcimboldo zu jener Zeit Hofmaler war.