Eine Woche Urlaub am Wilden Kaiser liegt hinter mir. Eine Woche Wandern im Alpenidyll, exzellentes Essen und viel Zeit zum Entspannen, Lesen, Gedanken schweifen lassen. Herrlich!

Eine Woche Urlaub am Wilden Kaiser liegt hinter mir. Eine Woche Wandern im Alpenidyll, exzellentes Essen und viel Zeit zum Entspannen, Lesen, Gedanken schweifen lassen. Herrlich!

Veröffentlicht unter Freudenfunke der Woche
In María Ospina Pizanos „Für kurze Zeit nur hier“, aus dem ich schon letzte Woche zitiert habe, steckt eine so knappe wie treffende Beschreibung von Mansplaining, dass ich beim Lesen schmunzeln musste. Bestimmt geht es anderen Frauen ebenso. 🙂
Doch dann wurde sie älter und streifte nicht mehr durch Gärten und Parks, weil sie jetzt Hausaufgaben zu erledigen und Anrufe zu beantworten hatte, später hatte sie Vorlesungen in der Universität und sich lange hinziehende Busfahrten quer durch die Stadt und langweilige Treffen in Cafés, wo sie das Gerede von Männern über sich ergehen lassen musste, die ihr hartnäckig Dinge erklärten, die sie nicht interessierten oder längst wusste.
(S. 104, Ausgabe Büchergilde Gutenberg 2025)
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Die kolumbianische Autorin María Ospina Pizano hat mit „Für kurze Zeit nur hier“ ein poetisches Buch geschrieben, in dem ganz überwiegend die Perspektive von Tieren eingenommen wird: Zwei Hündinnen, Zugvögel, Käfer, ein Stachelschweinweibchen. Dabei wird enorm viel über die Menschen und den Zustand unserer Welt erzählt.
Hier eine Stelle, die mich beim Lesen hat innehalten lassen (S. 84, Ausgabe Büchergilde Gutenberg 2025):
In ihrem Englisch, mit dem sie sich immer ungenau und wenig überzeugend vorkommen wird, wird sie ihrer Geliebten erklären, dass Zugvögel sie so begeistern, weil sie bei ihrem Auf und Ab und Hin und Her den Unterschied zwischen Himmel und Erde verwischen und die unterschiedlichsten Plätze der Welt als Unterschlupf wählen. Zugleich werden sie von ihren Flügeln unermüdlich daran erinnert, dass kein Ort für immer zum Wohnsitz taugt. Als Gäste des Himmels, in dem man sich nirgendwo verstecken kann, kümmern sie sich nicht um Grenzen, die sich die Menschen in ihrer Niedertracht ausgedacht haben, und lachen, wenn dieselben Menschen zornig über Fremde schimpfen. Ihnen kann niemand zurufen: Geh zurück in dein Scheißland! (Wie sie selbst es eines Tage zu hören bekommen wird.) Auch wenn dem Vogel auf seiner Reise Hunger und Durst drohen, gefräßige Raubtiere und alle möglichen menschengemachten Hindernisse, quält ihn keinerlei Heimweh. Über alles Trennende setzt er sich hinweg, sorgt stattdessen aktiv für Vermischung, sein Platz ist weder am Rand noch jenseits davon, sondern mitten im Gewebe der Welt und der Lüfte.
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Direkt nach meiner Rückkehr aus London habe ich Anfang der Woche meine Eltern in meiner Heimatstadt Neustadt an der Aisch besucht. Ich hatte Zeit für einen kleinen Spaziergang: von der katholischen Kirche über den Marktplatz bis zum Bleichweiher. Im Vergleich zu London ein ziemliches Kontrastprogramm.
Neustadt hat etwa 13.000 Einwohner und erschien mir in meiner Jugend zunehmend langweilig und eng. In Wirklichkeit hat mir die Kleinstadt ein behütetes Aufwachsen ermöglicht und zugleich eine gute Infrastruktur geboten: weiterführende Schulen, Kino, Cafés und Kneipen, Schwimmbad und Bücherei.
Wenn ich heute mit Abstand auf Neustadt blicke, finde ich die Stadt tatsächlich recht hübsch, und viele Erinnerungen, die ich mit ihr verbinde, sind mir wichtig und teuer.
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Mit etwas Verspätung kommt hier der Freudenfunke für letzte Woche. Gestern Abend bin ich von einem Kurztrip nach London zurückgekommen. In den 1990er Jahren, während meines Studiums, war ich mehrfach dort und habe mein Herz an die Stadt verloren. Mein letzter Besuch war 2007 – vor knapp zwei Jahrzehnten. Nun also endlich wieder. Zum ersten Mal bin ich mit dem Zug angereist, im Eurostar von Brüssel nach St. Pancras in zwei Stunden.
Es ist ja so eine Sache mit Orten, an die man sein Herz verloren hat. Manchmal kehrt man nach vielen Jahren zurück und fragt sich, was einen damals so verzaubert hat. Die Erinnerung hält der Wirklichkeit nicht immer stand. Ich war gespannt, wie es mir mit London ergehen würde.
Die Überschrift verrät die Antwort schon: Vom ersten Moment an fühlte ich mich wieder heimisch. Seltsam eigentlich, denn ich war in London immer nur zu Besuch. Aber manche Verbundenheit lässt sich mit dem Verstand einfach nicht erklären. Man kehrt zurück und spürt: Das Herz ist immer noch da.
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Eines der beim lyrischen Spaziergang vorgetragenen Gedichte war „erstens will ich fröhlich sein“ von Konrad Bayer. Bayer wurde 1932 in Wien geboren und gehörte mit seiner Literatur zur Wiener Avantgarde. Mit Anfang 30 nahm er sich das Leben.
Ich empfand das Gedicht als spielerisch und augenzwinkernd ironisch. In der zweiten Strophe klingt jedoch auch eine gewisse Melancholie an. Heiterkeit und Schwermut können eben nahe beieinander liegen.
erstens will ich fröhlich sein
erstens will ich fröhlich sein
zweitens mich vergnügen
drittens ist die erde mein
das sollte doch genügen
aber ich
fürchterlich
hab auch noch das weltall
und die zeit
und den raum
sowieso man glaubt es kaum
Konrad Bayer (1932-1964)
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Was für ein Vergnügen! Der lyrische Spaziergang VOMVOMZUMZUM mit Lea Schmocker durch den Erlanger Burgberggarten, gestern bei bestem Spätsommersonnenschein. Vierzehn Stationen an den Skulpturen von Heinrich Kirchner mit klug ausgewählten und eindrucksvoll vorgetragenen Gedichten von Mascha Kaléko, Rainer Maria Rilke, Hugo Ball, Ernst Jandl, Bertolt Brecht, Hilde Domin, Hermann Hesse, Erich Fried, Nora Gomringer und anderen. Lyrik zum Schmunzeln und Lachen, zum Nachdenken und Innehalten, zum Hoffen und fürs mutig Sein.
Das für den Spaziergang namensgebende Gedicht von Ernst Jandl entfaltet seine volle Wirkung natürlich erst im Vortrag. Aber auch beim stillen Lesen macht sein Sprachspiel Spaß.
Wanderung
vom vom zum zum
vom zum zum vom
zum vom zum zum
vom vom zum zum
vom zum zum vom
vom zum zum vom
zum vom zum zum
vom vom zum zum
und zurück
Ernst Jandl
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Am 11.09.2006 habe ich meine ersten Texte auf diesem Blog veröffentlicht. Seelenflügel ist gestern also 20 Jahre alt geworden! Die Texte, die ich hier veröffentliche, haben sich in den Jahren gewandelt, ebenso wie mein Leben und die Themen, die mich bewegen.
2006 war Bloggen noch relativ neu, heute ist es vermutlich längst aus der Mode geraten. Für mich ist und bleibt mein Blog ein liebgewonnener Ort, an dem ich meiner Kreativität Ausdruck verleihen kann.
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Das Vorwort im Programmheft des diesjährigen Erlanger Poet*innenfests beginnt so:
Ein Mensch mit Zuversicht sieht und erkennt die Wirklichkeit, wie sie ist, und ist trotzdem oder gerade entschlossen, die Welt oder jedenfalls den kleinen Ausschnitt von ihr, in der er oder sie lebt, so mitzugestalten, dass sie wird, wie sie sein sollte und sein könnte.
Das schreibt die Journalistin und Autorin Gabriele von Arnim in ihrem Buch „Liebe Enkel oder Die Kunst der Zuversicht“. Das Autorinnenporträt am vergangenen Sonntagabend mit ihr habe ich nicht besucht, das Zitat trifft aber genau mein Lebensgefühl. Ich will ein Mensch mit Zuversicht sein, der mitgestaltet in dieser Welt, wie sie ist.
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Glasklar, der Freudenfunke dieser Woche ist das Erlanger Poet*innenfest. Es stehen wenige mir bekannte Namen auf dem Programm der Lesenachmittage im Schlossgarten – das erhöht die Chancen auf eine Neuentdeckung. Ich bin vorfreudig gespannt! 🙂
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