Archiv der Kategorie: Postkarte der Woche

Postkarte der Woche (48/2020)

Am 27. Juli 1830 erhebt sich die Pariser Bevölkerung als Reaktion auf die Politik Karls X., der die Vorherrschaft des Adels durchsetzen und damit die Zustände von vor 1789 wiederherstellen will. Drei Tage dauern die Barrikadenkämpfe, es gibt Tote auf beiden Seiten, in der Folge werden die Bourbonen gestürzt, das Bürgertum übernimmt wieder die Macht in einem liberaleren Königreich.

Eugène Delacroix malt noch im selben Jahr ein monumentales Bild dazu: La Liberté guidant le peuple. Die Freiheit führt das Volk, als Marianne, die Nationalfigur der Französischen Republik, mit der Freiheitsmütze der Jakobiner auf dem Kopf, einem Gewehr in der linken und der Tricolore in der rechten Hand, Busen und Füße bar. Nun denn: Vive la France!

Postkarte der Woche (47/2020)

Diese Woche treffen wir auf Emmy Noether, eine bedeutende Mathematikerin, geboren 1882 in Erlangen. 1919 habilitierte sie als erste Frau in Deutschland in Mathematik – der Weg dahin war steinig, wir können es uns denken. Wikipedia kennt die Fakten.

Vor einem Jahr hatte ich Gelegenheit, mich im E-Werk Erlangen auf Mathematische Spaziergänge mit Emmy Noether zu begeben (Danke, Hanna!), eine Produktion des portraittheater wien. Der Verein portraitiert herausragende Frauen mit kreativen Ausdrucksformen des Schauspiels und Films.

Postkarte der Woche (46/2020)

Von der meistdargestellten Frau zur meistbesuchten Frau in der Kunst: La Gioconda, die Mona Lisa. Um sie vor Vandalismus und Diebstahl zu schützen, ist sie hinter Panzerglas ausgestellt. Das Gemälde ist weniger groß (77 x 53 cm) als ich es mir vorgestellt hatte. Viel Gedrängel herrschte vor der geheimnisvollen Dame, so dass ich mir lieber die anderen fantastischen da Vincis im Louvre angeschaut habe, vor denen keiner stand…

Im Moment gibt es natürlich kein Gedrängel, der Louvre ist wegen Covid-19 geschlossen. Was sich die Portraits wohl einander zuwispern, jetzt, wo sie auch tags ganz unter sich sind?

Postkarte der Woche (45/2020)

Sie ist wahrscheinlich die meistdargestellte Frau in Kunst und Kultur überhaupt: Maria, die heilige Jungfrau und Muttergottes. Zur Feier des Tages gibt es gleich drei Postkarten mit Maria: als nährende Mutter, als Beschützerin und mit dem Einhorn als Symbol der Reinheit und Unschuld.

Mit dem katholischen Glauben habe ich nicht viel am Hut, aber zu Maria pflege ich ein persönlich geprägtes Verhältnis, nachzulesen hier: Glaube und Vertrauen.

Postkarte der Woche (44/2020)

Von der griechischen Mythologie zurück in die reale Welt, allerdings nicht in die Gegenwart, sondern ins Jahr 1913. Aus diesem Jahr stammt August Mackes Gemälde „Promenade“, ein harmonisches Bild mit kräftigen Farben, Männer und Frauen beim Müßiggang festhaltend.

1913 ist auch das Jahr, in dem Emily Davison beim Epsom Derby auf die Rennbahn läuft, vom Pferd des englischen Königs überrannt und schwer verletzt wird und vier Tage später stirbt. Emily Davison kämpfte für das Frauenwahlrecht und es ist zu vermuten, dass sie mit ihrer radikalen Aktion die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Forderungen der Suffragetten lenken wollte. 1918 verabschiedete das britische Parlament (ebenso das deutsche) das Wahlrecht für Frauen.

Wie August Macke zum Frauenwahlrecht stand, weiß ich nicht – erlebt hat er es jedenfalls nicht mehr. Er fiel im September 1914 in der Champagne, mit nur 27 Jahren.

Postkarte der Woche (43/2020)

Heute werfen wir einen Blick in die griechische Mythologie und treffen auf Artemis. Sie ist die Göttin der Jagd, des Waldes, der Geburt und des Mondes sowie die Hüterin der Frauen und Kinder. Sie ist die Tochter der Leto und des Zeus, Apollon ist ihr Zwillingsbruder. Artemis kam als erste auf die Welt und half ihrer Mutter bereits bei Apollos Entbindung. Deshalb beteten die Frauen zu Artemis um eine leichte Geburt.

Artemis wird meist als jungfräuliche Jägerin beschrieben, die allein oder von Nymphen begleitet durch die Wälder streift. In der Ilias wird Artemis die „Herrin der Tiere“ genannt, deren Junge unter ihrem Schutz stehen. Einigen Sagen nach jagt sie in Neumondnächten, während sie in den anderen Nächten den Mondwagen über den Himmel lenkt. Ihre bekanntesten Attribute sind Pfeil und Bogen, der auch die Mondsichel symbolisiert.

Donnerwetter, was für eine Frau!

(Alle oben genannten Infos und noch einige mehr findet ihr auf Wikipedia.)

Postkarte der Woche (42/2020)

Das Bild auf der Postkarte stammt von François Gérard und heißt „Les Trois Âges de l’Homme“. Übersetzen würde ich den Titel mit „Die Drei Lebensalter des Menschen“. „L’homme“ ist im Französischen der Mensch und der Mann. Gleiches im Englischen: „man“ ist der Mensch und der Mann. Die Frau, „woman“, ist der weibliche Mensch. Der Mann also der Standard, die Frau die Abweichung; das andere Geschlecht.

Nun hat Gérard in sein Gemälde doch auch eine Frau hineinplatziert, in die Mitte, mit allen drei Männern in Verbindung. Wer ist sie? Die Behüterin des Lebens? Die Gewährleisterin der Fortpflanzung? Wer weiß.

Frauen werden – in der Kunst und im echten Leben – sehr häufig ausschließlich bewahrende oder sorgende Rollen zugewiesen; enorm bedeutsam zwar, aber meist im Hintergrund, oft gar unsichtbar. Das ist ehrenvoll, keine Frage, aber ich will eine Gesellschaft, in der Frauen ins Rampenlicht treten können, wenn sie wollen. Ich will, dass Frauen erforschen, erschaffen, erobern dürfen – ohne dafür von der Gesellschaft bestraft zu werden.

Postkarte der Woche (41/2020)

In den nächsten Wochen wollen wir uns den Frauen widmen. Welche Frauenfiguren begegnen uns in Kunst und Kultur? Wie werden sie dargestellt? Welche Rollen, welche Bestimmungen haben sie?
Eines kann gesagt werden: Oft wird mit Frauen etwas gemacht, etwas stößt ihnen zu. Sie sind passiv, nicht aktiv. So auch Europa: Sie wird entführt. Von Zeus in Stiergestalt.

Hier dargestellt in einem Mosaik aus dem 1. Jahrhundert n.Chr., zu sehen im Musée Condé in Chantilly: L’Enlèvement d’Europe

Postkarte der Woche (40/2020)

Vor 30 Jahren wurde Deutschland wiedervereinigt. Und bei allem, was dabei schief und ungut gelaufen ist – meist zu Lasten Menschen der (Ex-)DDR – ist dieses Ereignis für mich eines der besten in der jüngeren Weltgeschichte. Der 03.10.1990 hat mich eher weniger berührt, für mich sind die Wochen vor und nach dem Mauerfall diejenigen, die sich emotional eingeprägt haben.

Astrid Melzer hat in ihrem Buch „Einer muss ja hierbleiben“ die Erlebnisse und Erfahrungen von 27 Ex-DDR-BürgerInnen gesammelt und herausgegeben. Sie erzählen von ihrem persönlichen Weg in der Zeit des Umbruchs. Empfehlenswert! Und hier die Postkarte zum Buch:

Postkarte der Woche (39/2020)

Wir beenden unsere Energieversorgungswerbefotoszeitreise mit zwei Bildern, die wir unter den Titel „Behagliche Häuslichkeit“ stellen wollen.

Während auf Bild 1 die traute Kleinfamilie beim gemeinsamen Fernseherlebnis – die Tochter zu Füßen des Familienoberhauptes unter dem wohlwollend-beobachtenden Blick der Frau Mama – noch unvergänglich scheint, so kündigt sich auf Bild 2 ganz zart der aufbegehrende Geist der zweiten Frauenbewegung an: eine Frau, vor Büchern sitzend, zum Schreiben bereit – und völlig unbeaufsichtigt.