Archiv der Kategorie: Malerei der Woche

Malerei der Woche (48/2022)

Der Begriff Paragone bezeichnet den Wettstreit der Künste untereinander vornehmlich im Italien der Renaissance. Es galt, je nach Standpunkt, Argumente für oder wider die Überlegenheit der einen über die andere Gattung zu finden. Ein Argument für die Überlegenheit der Skulptur über die Malerei war, dass Erstere eine dreidimensionale Darstellung erlaubt, während Letztere auf die Zweidimensionalität der Leinwand beschränkt bleibt. Den Beweis, dass auch in der Malerei eine plastische Darstellung möglich ist, erbrachte das „Bildnis eines Mannes in Rüstung“ von Giovanni Girolamo Savoldo durch all seine anatomisch korrekten Verkürzungen und Spiegelungen. Der Abgebildete neigt sich uns über einen Tisch entgegen, zugleich sehen wir ihn reflektiert in zwei Spiegeln sowie in dem metallisch-glänzenden Rüstungsteil, das auf dem Tisch liegt.

Malerei der Woche (47/2022)

Beim Festmahl der Götter (um 1514) von Giovanni Bellini treffen wir zwei Figuren der letzten Woche wieder: Im Kreis weiterer Gottheiten, in einer grünen Waldszenerie, bedient von Nymphen und Satyrn, sehen wir Jupiter, gekennzeichnet durch sein Attribut, den Adler, und links neben ihm Merkur mit dem Heroldsstab, Reisehut und Flügelschuhen. Bellini (ca. 1430-1516) erhielt den Auftrag für das Gemälde, als er schon über 80 war. Er reagierte bis ins Alter auf Neuerungen in der Malerei, angeregt beispielsweise von jüngeren Künstlern wie Giorgione und Tizian, und blieb so bis zuletzt auf der Höhe der Zeit.

Malerei der Woche (46/2022)

Das Gemälde „Jupiter, Merkur und die Tugend“ (um 1523) von Dosso Dossi illustriert eine Szene aus der Dichtung des Humanisten Leon Battista Alberti. Virtus, die Tugend, dargestellt durch eine blumenbekränzte junge Frau, will sich nach einem Streit mit Fortuna bei Jupiter beklagen. Allerdings wird sie nicht zu Jupiter vorgelassen, denn dieser ist gerade damit beschäftigt, den Schmetterlingen schöne Flügel zu verleihen. Merkur gebietet der Tugend, den Finger auf die Lippen legend, dabei nicht zu stören. Die Darstellung des mächtigsten aller Götter als Maler, versunken in seine Kunst, „beschützt“ von Merkur, dem Patron der Wissenschaften und Künste, bezeugt das neue Selbstbewusstsein der Künstler in der Renaissance.

Malerei der Woche (45/2022)

Am 09. November 1597 unterzeichnete El Greco (um 1541-1614), der spanische Maler griechischer Herkunft, den Vertrag über drei Gemälde für die Kapelle des Heiligen Josef in Toledo. Eines davon zeigt den Heiligen Martin, wie er gerade seinen Mantel teilt und damit einem Bettler Kleidung gibt. Das Bild veranschaulicht die für El Greco charakteristische verlängerte Proportionierung der Figuren und die in seiner „schönfarbigen Periode“ typischen gesättigten Farben, hier Blau und Grün, kontrastierend mit dem Weiß des Pferdes. Die Stadtkulisse im Hintergrund zeigt nicht Amiens, wo sich die Heiligenlegende angeblich zugetragen hat, sondern Toledo. Dort verbrachte El Greco die zweite Hälfte seines Lebens und baute sich einen großen Werkstattbetrieb auf. In diesem wurden auch Repliken seiner Werke angefertigt, die ihre Abnehmer bis in die spanischen Überseekolonien fanden – ein Beweis für die Beliebtheit von El Grecos Kompositionen.

El Greco (Domenikos Theotokopoulos) (Greek, 1541 – 1614 ), Saint Martin and the Beggar, 1597/1599, oil on canvas with wooden strip added at bottom, Widener Collection

Malerei der Woche (44/2022)

Die Donaulandschaft mit Burg von Albrecht Altdorfer ist eines der frühesten Gemälde, das gar keine Menschen zeigt. So können wir Betrachter uns umso leichter in die beinahe magisch wirkende Landschaft hineindenken. Es scheint, als seien wir gerade auf dem gewundenen Weg aus dem dunklen Wald herausgetreten. Nun liegen die blauen Berge und der Fluss vor uns. Der Weg zur Burg ist nicht mehr weit, doch der Himmel ist wolkenverhangen. Werden wir unser Ziel erreichen, bevor sie Sturm und Regen bringen?

Albrecht Altdorfer, Donaulandschaft mit Burg (um 1526-28)

Malerei der Woche (43/2022)

Der flämische Maler Joachim Patinir (um 1480-1524) gilt als Bindeglied zwischen Gotik und Renaissance. Sein Weltbild ist mittelalterlich geprägt: Erde und Menschen sind vollkommen in Gottes Hand. Gleichzeitig bezeugen seine Gemälde einen ausgeprägten Sinn für Raum und Tiefe. Die Landschaft dominiert gegenüber der religiösen oder mythischen Thematik. Patinirs Bilder zeigen vielfältige geographische Beschaffenheiten, die phantastisch anmuten: Berge, Felsen, Wälder, Flüsse, ferne Horizonte – man beschreibt sie mit dem Begriff „Weltlandschaft“.

Joachim Patinir: Überfahrt in die Unterwelt

Malerei der Woche (42/2022)

Mit Charles III besteigt der bislang älteste Thronfolger der Geschichte den englischen Thron. Einer der jüngsten Thronfolger hingegen war 1547 Edward VI, der einzige (legitime) Sohn Heinrichs VIII. Edward war erst neun und regierte umgeben von einem Rat, dessen Mitglieder Heinrich VIII vor seinem Tod benannt hatte, darunter ein Bruder von Jane Seymour, der verstorbenen Königin und Mutter Edwards.
Hans Holbein d. J., englischer Hofmaler, fertigte um 1538 ein Porträt des ein- bis zweijährigen Edward. Trotz der Stupsnase und rosigen Pausbäckchen sehen wir hier kein Kleinkind, sondern einen Prinzen, einen zukünftigen König, in prächtigem Gewand und mit einer goldenen Rassel, die an ein Zepter erinnert. Der erste Teil der Inschrift im unteren Bildbereich lautet: Kleiner, eifere deinem Vater nach und sei der Erbe seiner Tugend. Viel Zeit hatte Edward dafür nicht: er starb am 06. Juli 1553 mit nur 15 Jahren.

Malerei der Woche (41/2022)

Caterina van Hemessen, geboren 1527/28 in Antwerpen, wurde von ihrem Vater in seiner Werkstatt in Malerei unterrichtet. Sie gilt als die erste flämische Künstlerin mit signierten und datierten Gemälden. Dies ist bemerkenswert, denn die in Familienwerkstätten mitwirkenden Kinder arbeiteten nur selten unter ihrem eigenen Namen. 1548 schuf van Hemessen das früheste Bild, auf dem sich ein Maler arbeitend darstellt. Sie signierte ihr Selbstporträt mit EGO CATERINA DE / HEMESSEN ME / PINXI 1548 / AETATIS / SVÆ / 20 – Ich, Caterina van Hemessen, habe mich 1548 selbst gemalt im Alter von 20 Jahren.

Caterina van Hemessen, Selbstbildnis 1548

Malerei der Woche (40/2022)

Eines der Vorbilder von Lavinia Fontana war Sofonisba Anguissola (um 1532-1625) aus Cremona, die als die erfolgreichste Renaissance-Malerin gilt. Sofonisba hatte fünf Schwestern und einen Bruder. Die Eltern ließen allen Kindern eine humanistisch geprägte Bildung sowie eine Ausbildung zukommen. Sofonisba studierte Malerei bei verschiedenen Lehrmeistern und ihr Vater korrespondierte mit hervorragenden Künstlern (unter anderem Michelangelo), um ihr Aufträge zu verschaffen. 1559 wurde Sofonisba als Porträtmalerin an den spanischen Königshof gerufen. Ihr erstes Porträt der Infantin Isabel war so gut, dass Peter Paul Rubens es kopierte. Ein Studium der Anatomie war ihr als Frau nicht möglich und die Arbeit mit großformatigen Leinwänden zu biblischen oder mythologischen Themen galt als unstatthaft, daher wählte sie oft Motive aus der persönlichen Erfahrung und erweiterte so den damaligen Kunstbegriff. Ihr wohl bekanntestes Bild „Drei Schwestern beim Schachspiel“ (1555) gilt als erste Darstellung einer Alltagsszene in der italienischen Malerei. Es zeigt ihre Schwestern Lucia (links), Minerva (rechts) und Europa (Mitte), sowie am rechten Bildrand eine Gouvernante.

Malerei der Woche (39/2022)

Auf Gemälden (nicht nur) der Renaissance sind Frauen häufig nackt oder – wie in den Bildern der letzten beiden Wochen – listig und potenziell gefährlich. Es gab in der Renaissance aber auch Malerinnen, die zu Bekanntheit und Ruhm gelangten. Eine davon ist Lavinia Fontana (1552 – 1614). Die Bologneser Künstlerin erhielt ihre Ausbildung bei ihrem Vater. Das „Selbstporträt am Spinett mit einer Dienerin“ (1577) entstand kurz vor ihrer Hochzeit mit einem anderen Schüler ihres Vaters. Fontana malte nach ihrer Heirat weiter und schuf das umfangreichste Werk, das von einer vor 1700 tätigen Künstlerin produziert wurde. 1603 zog sie nach Rom, wo sie große Triumphe als Malerin feierte und so auch gut für ihren wenig begabten Ehemann sorgte, der als ihr Agent tätig war. Nebenbei fand sie Zeit, elf Kinder zur Welt zu bringen.