Archiv der Kategorie: Autorin der Woche

Autorin der Woche (41/2021)

Katherine Mansfield wird 1888 als eines von fünf Kindern in eine wohlhabende Familie in Wellington, Neuseeland geboren. Alle Kinder erhalten eine gute Schulbildung, Katherine studiert am Queen’s College in London Musik. Als die Mutter die schon immer eher ungehorsame Tochter 1909 in London besucht, findet sie diese im fünften Monat schwanger. Die Mutter begleitet die Tochter in den bayerischen Kurort Wörishofen und überlässt sie dort mit einer nur minimalen finanziellen Unterstützung in einer kleinen Pension ihrem Schicksal. Katherine erleidet eine Fehlgeburt, bleibt aber noch einige Monate in der Pension.

Dort trifft sie auf eine eitle, wehleidige und hochgestochene Gesellschaft von Kurgästen. Sie erkennt, dass sie durch die Beobachtung dieser nervösen und lasterhaften Menschen ihren Schmerz über das verlorene Kind betäuben kann und so entsteht ihr erster Kurzgeschichtenband: „In einer deutschen Pension“. Die Stories darin sind bissig und ironisch, mit wenigen Federstrichen treffgenau gezeichnet und höchst unterhaltsam.

Katherine Mansfield führt ein eher rastloses Leben, veröffentlicht weitere Kurzgeschichten, Gedichte und Buchkritiken, auch unter Pseudonym. Mit nur 34 Jahren stirbt sie an Tuberkulose.

Autorin der Woche (40/2021)

Ende 2019 veröffentlichte Andie Arndt ihren Debütroman „Im Schatten der Welle“. Das Veröffentlichungsdatum war bewusst gewählt: der 15. Jahrestag der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean. Die Hauptfigur des Romans, Herlina – Journalistin und Deutsch-Indonesierin – kehrt nach vielen Jahren widerwillig in ihre indonesische Heimat zurück. Der Schmerz über den Verlust der Mutter, die im Tsunami umkam, sitzt tief. Bald kommt Herlina einem Korruptionsskandal auf die Spur, in den auch ihr Bruder verwickelt zu sein scheint. Andie Arndt gibt den Opfern der Katastrophe von 2004 eine Stimme und greift gleichzeitig aktuelle Themen wie ökologische Ausbeutung und Bestechlichkeit auf.

Bald kommt Andie Arndts zweiter Roman auf den Markt, Arbeitstitel „Das Herz des Leoparden“. Darin begleiten wir die Hauptfigur Margo nach Nepal und tauchen mit ihr in eine fesselnde Kriminalgeschichte ein. Ich bin gespannt!

Autorin der Woche (39/2021)

1993 stellten Marta Kauffman und David Crane dem US-Fernsehsender NBC ihr Konzept zu einer neuen Sitcom vor. Ab 1994 wurde „Friends“ ausgestrahlt und war von Anfang an ein Erfolg. Über zehn Jahre hinweg begleiten wir die sechs New Yorker Freunde Rachel, Monica, Phoebe, Chandler, Joey und Ross durch dick und dünn.

Soweit ich mich erinnere, habe ich Friends erst Anfang der 2000er Jahre bewusst wahrgenommen, fand die Serie zunächst ganz unterhaltsam und dann immer, immer besser und lustiger. Und tatsächlich, auch heute noch fühle ich mich in Monicas Apartment und im Central Perk wie zu Hause (und beinahe wieder wie Ende 20).

Danke dafür, Marta Kauffman und David Crane!

Autorin der Woche (38/2021)

2011 habe ich den ersten Teil von Ulla Hahns autofiktionaler Tetralogie gelesen, „Das verborgene Wort“. Schon nach wenigen Seiten war ich mittendrin im Nachkriegskinderleben von Hilla Palm, der Tochter eines ungelernten Arbeiters, die früh ihre große Leidenschaft für Wörter und Sprache entdeckt. In den Folgebänden „Aufbruch“ und „Spiel der Zeit“ begleitete ich Hilla durch Schul- und Studienzeit; bangte, litt und lachte mit ihr und war sehr interessiert an ihrem kritischen Blick auf die 68er. Im letzten Buch der Reihe, „Wir werden erwartet“, durchlebte ich mit Hilla ihren zweiten großen Schicksalsschlag, sah, wie sie mit ihrer Familie nach und nach Frieden schließt und beobachtete, wie ihre Begeisterung für den Kommunismus entflammt und wieder erlischt.

Eine berührende und fesselnde Lebensgeschichte, einfühlsam und spannend erzählt – wenn auch an wenigen Stellen etwas langatmig (vornehmlich im dritten und vierten Band), das verzeiht man jedoch leicht.

Autorin der Woche (37/2021)

Sharon Dodua Otoo wurde 1972 in London geboren, studierte unter anderem Deutsch, lebt seit langem mit ihrer Familie in Berlin und schreibt auch auf Deutsch. Sie gehört zum illustren Kreis der Autorinnen, die den Bachmannpreis nicht nur gewonnen, sondern ihren Siegertext auch beim Erlanger Poetenfest präsentiert haben (2016, „Herr Gröttrup setzt sich hin“).

Dieses Jahr kam Sharon Dodua Otoo wieder, am Abschlusstag, und stellte ihren ersten Roman vor: „Adas Raum“. Ada ist nicht eine, sondern vier Frauen, sie leben in verschiedenen Jahrhunderten, in verschiedenen Ländern. Ihnen begegnen Unterdrückung, Zwang und Rassismus. Sie leisten Widerstand, kämpfen für ihre Unabhängigkeit und ihr Glück. Otoo trennt die Orte und Zeiten der vier Adas nicht streng, sondern verwebt deren Schicksale in eine große Weltgeschichte.

Otoo erzählt mutig: inhaltlich, weil sie kein Leid verschweigt, und schriftstellerisch, weil sie ungewöhnlicher Perspektiven wählt, so beispielsweise die eines Türklopfers oder eines Reisepasses. Und auch das Frühstücksei aus „Herr Gröttrup setzt sich hin“ tritt wieder in Erscheinung.

Autorin der Woche (36/2021)

Meine nächste Station beim Erlanger Poetenfest 2021 war Samstag um 17.00 Uhr die Villa an der Schwabach in der Hindenburgstraße. Dort las Jenny Erpenbeck aus ihrem neuen Roman „Kairos“. Darin begegnen sich eine junge Frau und ein deutlich älterer verheirateter Mann und gehen eine Liebesbeziehung ein, die durch das Beschwören ihrer Schicksalshaftigkeit totalitäre Züge annimmt. Diese Liebe beginnt 1986 in Ostberlin und wir begleiten sie bis Anfang der 1990er Jahre – und so spiegelt diese intensive und aufwühlende Liebe auch die Zeitenwende und den Niedergang der DDR.

Jenny Erpenbeck wurde 1967 in Ostberlin geboren und ist eine kunstvolle Erzählerin mit starker Stimme. Vor einigen Jahren hat mich bereits ihr Roman „Aller Tage Abend“ begeistert. Nun freue ich mich auf Kairos!

Autorin der Woche (35/2021)

Mein Erlanger Poetenfest 2021 begann letzte Woche Samstagnachmittag im Innenhof des Stadtmuseums. Ich saß auf meinem reservierten Platz, die nahe Kirchturmuhr schlug 2 Uhr und die Sonne kam hinter den Wolken hervor. Ein wohliges Glücksgefühl durchströmte mich und da betraten Dana Grigorcea und Dirk Kruse auch schon gut gelaunt die Bühne.

Dana Grigorcea wurde 1979 in Bukarest geboren und lebt seit längerer Zeit in der Schweiz. 2015 hatte ich Grigorcea bereits beim Poetenfest gehört; ihren damals vorgestellten Roman habe ich jedoch nicht gelesen. Das wird beim aktuellen Buch „Die nicht sterben“ anders sein, denn ich habe es direkt im Anschluss an die Lesung am Büchertisch gekauft. Es geht um Vampire und Populismus, um Filterblasen und die Familiengruft und die guten alten Zeiten, denen nachgetrauert wird. Ein Kritiker schrieb, Grigorcea habe ein neues Genre geschaffen: den politischen Schauerroman. Ich bin gespannt!

Autorin der Woche (34/2021)

Das Erlanger Poetenfest 2021 läuft und für heute und morgen habe ich Karten. Hoffentlich meinen es die Wettergötter gut, denn fast alle Veranstaltungen finden im Freien statt, auch bei Regen. Von meinen diesjährigen Eindrücken werde ich natürlich berichten.

Zuvor jedoch zurück ins Jahr 2015, in dem Nora Gomringer den Bachmann-Preis gewonnen und mich mit der Präsentation des Siegertextes begeistert hat. Gomringer schreibt nicht nur eindrücklich und punktgenau, sie ist auch eine hervorragende Performerin. Das beweist sie zum Beispiel in „Du baust einen Tisch“. Ein einfacher Tisch, in dem so viel Wut und Schmerz stecken.

Autorin der Woche (33/2021)

2018 stellte Kristine Bilkau ihren Roman „Eine Liebe, in Gedanken“ beim Poetenfest vor. Von der Lesung begeistert kaufte ich mir im Anschluss das Buch und wurde nicht enttäuscht. Eine bewegende Liebesgeschichte in den 1960er Jahren und eine einfühlsame Spurensuche viele Jahre später haben mich berührt. Wenn ich meinen Kopf ein kleines Stück nach rechts wende, sehe ich das Buch im Regal stehen, übrigens direkt neben Tante Martl. Vielleicht sollte ich es bald für ein zweites Lesen in die Hand nehmen…

Autorin der Woche (32/2021)

Ursula März ist beim Erlanger Poetenfest so etwas wie eine Lokalmatadorin, denn sie wurde 1957 in Herzogenaurach geboren und legte später in Erlangen ihr Abitur ab. Zweimal habe ich sie bereits beim Poetenfest erlebt (2015 und 2019).

2019 stellte sie ihren ersten Roman vor. In „Tante Martl“ erzählt von Ursula März von ihrer Patentante, der Schwester ihrer Mutter, zu der sie eine enge Bindung hatte. In einem kurzen Interview mit dem BR erfahren wir ein wenig mehr von der Familienkonstellation und auch, warum März diesen Roman erst schreiben konnte, als keine der Hauptpersonen mehr am Leben war.