Archiv der Kategorie: Lyrik der Woche

Lyrik der Woche (21/2019)

Im Mai lässt es sich gut verlieben. Doch nicht immer kann eine Liebe glücklich machen. Else Lasker-Schüler hat ein Liebesgedicht voller Melancholie geschrieben.

Maienregen

Du hast deine warme Seele
Um mein verwittertes Herz geschlungen,
Und all seine dunklen Töne
Sind wie ferne Donner verklungen.

Aber es kann nicht mehr jauchzen
Mit seiner wilden Wunde,
Und wunschlos in deinem Arme
Liegt mein Mund auf deinem Munde.

Und ich höre dich leise weinen,
Und es ist – die Nacht bewegt sich kaum –
Als fiele ein Maienregen
Auf meinen greisen Traum.

Lyrik der Woche (20/2019)

Heute Teil 3 der kleinen Mai-Reihe. Offensichtlich ist der Mai sehr gut geeignet, sich zu verlieben und dies auch zu mitzuteilen. Jedenfalls laut Heinrich Heine.

Im wunderschönen Monat Mai

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.

Vertont von Robert Schumann. Diese Version bringt nur die Melodie, für alle, die auf klassische Karaoke stehen:

Lyrik der Woche (19/2019)

Auch Herrn Goethe hat der Mai verzückt. Vermutlich im Mai 1771 schrieb er das „Mailied“. Laut Wikipedia gilt es als Goethes erstes bedeutsames Gedicht. Hier die ersten drei Strophen.

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch

Und Freud‘ und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd‘, o Sonne!
O Glück, o Lust!

Häufig ist das Mailied vertont worden, so von Ludwig van Beethoven.

Lyrik der Woche (18/2019)

Der Mai ist vielbesungen. Auch Rose Ausländer hat ihm ein Gedicht geschrieben.

Mai

Mit Maiglöckchen
läutet das junge Jahr
seinen Duft

Der Flieder erwacht
aus Liebe zur Sonne
Bäume erfinden wieder ihr Laub
und führen Gespräche

Wolken umarmen die Erde
mit silbernem Wasser
da wächst alles besser

Schön ist’s im Heu zu träumen
dem Glück der Vögel zu lauschen

Es ist Zeit sich zu freuen
an atmenden Farben
zu trauen dem blühenden Wunder

Ja es ist Zeit
sich zu öffnen
allen ein Freund zu sein
das Leben zu rühmen

Lyrik der Woche (17/2019)

Wir haben gestern einen ausgiebigen unternommen. Hier Beginn und Ende des Osterspaziergangs aus Goethes Faust.

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein!

Heute ist übrigens Earth Day, diesjähriges Motto: SOS (Save Our Species). Keine ganz abwegige Idee, wenn wir Menschen auf unserem Planeten weiterhin zufrieden jauchzen wollen…

Lyrik der Woche (16/2019)

Zu Ostern kann es nur eines geben: “Always Look on the Bright Side of Life” aus Monty Python’s Life of Brian.

If life seems jolly rotten,
There’s something you’ve forgotten,
And that’s to laugh and smile and dance and sing.

Lyrik der Woche (15/2019)

Der Duden definiert die Ballade als Gedicht, in dem ein handlungsreiches, oft tragisch endendes Geschehen erzählt wird.

Eine der bekanntesten deutschsprachigen Balladen ist „John Maynard“ von Theodor Fontane (Erstveröffentlichung 1886). John Maynard ist Steuermann des Passagierdampfers „Schwalbe“, der auf der Fahrt über den Eriesee von Detroit nach Buffalo in Brand gerät. John Maynard bleibt auf seinem Posten, bis das rettende Ufer von Buffalo erreicht ist, kommt jedoch selbst ums Leben. Die Geschichte hat einen wahren Hintergrund und wurde von Fontane poetisiert. Der Wikipedia-Artikel „John Maynard“ hat mehr Details.

Hier die sechste bzw. siebte Strophe:

„Noch da, John Maynard?“ Und Antwort schallt’s
mit ersterbender Stimme: „Ja, Herr, ich halt’s!“
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
jagt er die „Schwalbe“ mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!

Es gibt verschiedene Vertonungen in Liedform, die mich wenig angesprochen haben. Toll finde ich hingegen die Rezitation von Otto Sander.

P.S.: Liebe Hanna, herzlichen Dank für die Anregung! 🙂