Monatsarchiv: Dezember 2024

Aufmunterung der Woche (52/2024)

Das Jahr geht zu Ende. Die letzte Aufmunterung der Woche ist ein Trost. Von Theodor Fontane.

Trost

Tröste dich, die Stunden eilen,
Und was all dich drücken mag,
Auch das Schlimmste kann nicht weilen,
Und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew’gen Kommen, Schwinden,
Wie der Schmerz liegt auch das Glück,
Und auch heitre Bilder finden
Ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
Zählest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens,
Und – es kommt ein andrer Tag.

Theodor Fontane

Der Ort (2)

Wo ich mich im ersten Jahr sehr stolz und zugleich wieder klein fühle.
Wo ich entdecke, dass mir das Lernen auch hier leichtfällt.
Wo ich mich beim Unterstufenfasching in den DJ aus der Kollegstufe verknalle.
Wo mir von Jahr zu Jahr klarer wird, dass die englische Sprache eine meiner Leidenschaften ist,
Jedoch der Sportunterricht immer schrecklicher und quälender wird.
Wo ich in Erdkunde heimlich Kartoffelchips aus der Tüte unter der Bank futtere.
Wo ich Freundschaften schließe, von denen zwei bis heute halten.
Wo ich mich mit meiner ersten großen Liebe von einer Schulfeier davonstehle und im dunklen Gang vor den Physiksälen lache, knutsche, schweige.
Wo ich in Geometrie manchmal den Vordermann mit dem Zirkel in den Rücken pikse, wenn der beim Stuhlkippeln nahe genug kommt.
Wo ich auf der Schulbühne nach der Theaterpremiere spüre, wie wunderbar sich Applaus anfühlt.
Wo mir bei der Übergabe des Abiturzeugnisses bewusst wird, dass mir jetzt die Welt offensteht.
Wo ich 30 Jahre nach dem Abitur während der Schulführung in drei Klassenzimmern ein kleines Kreideherz an die Tafel male.

inspiriert von „Der Ort“ von Bernd Jentzsch

Der Ort (1)

Wo ich als Kind schon Kaffee mit viel Sahne trinken darf, dazu Zimtrollen, Schwarzwälder Kirsch und Frankfurter Kranz.
Wo ich stundenlang mit den Matchbox-Autos und der Rennbahn meines Onkels spiele.
Wo ich mit meinem Opa in seiner Mittagspause in der Werkskantine roten Presssack vespere.
Wo ich nach Schichtende in die geheimnisvollen Fabrikhallen mitkommen darf, wenn meine Oma und ihre Kolleginnen dort putzen.
Wo ich im Hof vor einem riesigen Glascontainer hinfalle und der Arzt danach mit der Pinzette winzige Scherben aus meinen Handflächen zieht.
Wo meine Großeltern mir ein Puppenhaus mit vielen Zimmern, Teppich und Tapete schenken, das einer der Tischler in der Fabrik gebaut hat.
Wo ich meiner Oma bei einem Besuch einfach so einen Blumenstrauß mitbringe, und es ist ihr Hochzeitstag.
Wo heute niemand mehr arbeitet und lebt, außer in meiner Erinnerung.

inspiriert von „Der Ort“ von Bernd Jentzsch

Aufmunterung der Woche (51/2024)

Heute ist Wintersonnwende, der kürzeste Tag des Jahres. Die Freiwillige Feuerwehr meiner Gemeinde veranstaltet heute ein Winterfeuer, bei dem ich eben war. Ein schönes, besinnliches Erlebnis. Ich habe den Funken und Flammen bei ihrem Tanz in den schwarzen Himmel zugesehen und das Licht begrüßt, das heute wiedergeboren wird.

Aufmunterung der Woche (50/2024)

Ein Gedanke zur Weihnachtszeit…

Wenn du gibst, gebe mit Freude und einem Lächeln.
Joseph Joubert (1754 – 1824), französischer Essayist

Aufmunterung der Woche (49/2024)

Gebete sind eher nicht so mein Ding. Bei diesem mache ich eine Ausnahme.

Dear Goddess,
I pray for the courage
To walk naked
At any age
To wear red and purple,
To be unladylike,
Inappropriate,
Scandalous and incorrect
To the very end.
Gloria Steinem

Julia Louis-Dreyfus rezitiert es in der Wiser Than Me-Podcastfolge mit Gloria Steinem. Wunderbar.

Aufmunterung der Woche (48/2024)

Heute ist der erste Advent. Das bedeutet – unter vielem anderen – dass nun bald wieder diverse Sendungen von und mit Loriot über den TV-Bildschirm flimmern werden. Und wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich sehr gerne die eine oder andere davon ansehen. Ich bin mit Loriots Humor aufgewachsen und finde ihn noch immer großartig. An Loriots Humorverständnis kann man sich ein Beispiel nehmen.

Wer glaubt, Humor bestehe darin, sich über andere Leute lustig zu machen, hat den Humor nicht verstanden. Um komisch zu sein, muss man vor allem sich selber zur Disposition stellen.
Loriot (1923 – 2011)