Wenn man wie ich in den 1980ern als Kind in Westdeutschland ferngesehen hat, kennt man die Quizsendung „Dalli Dalli“ und deren Showmaster Hans Rosenthal. Prominente traten in Zweierteams gegeneinander an und mussten bei Wort- und Aktionsspielen möglichst viele Punkte sammeln. Alle erspielten Punkte wurden am Ende mit D-Mark gleichgesetzt und an eine in Not geratene Familie gespendet. Besonders im Gedächtnis ist mir natürlich der Ausruf „Sie sind der Meinung, das war Spitze!“ geblieben und wie Rosenthal dabei immer so freudig und unbekümmert in die Luft gesprungen ist.
Einmal, als wir gerade gemeinsam schauten, erwähnte meine Mutter, dass sie es bewundernswert findet, dass Hans Rosenthal eine so fröhliche Sendung im deutschen Fernsehen moderiert, wo er doch als Jude während der Nazizeit verfolgt wurde. Tatsächlich musste sich Rosenthal von März 1943 bis Kriegsende in einer Berliner Schrebergartenkolonie verstecken.
Diese Information hat meinen Blick auf diesen so sympathischen Mann verändert. Hochachtung und Verehrung kamen hinzu. Und die Frage tauchte auf: Wie schafft man das? Wie schafft man es, so heiter und lebensfroh Deutsche im deutschen Fernsehen zu unterhalten – nach all dem Grauen? Hans Rosenthal beantwortet diese Frage mit wenigen Sätzen in seiner erstmals 1980 erschienenen Autobiografie:
Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, so waren es diese drei Frauen aus der Kolonie „Dreieinigkeit“ – Frau Jauch, Frau Schönebeck und Frau Harndt -, deren Hilfe es mir bis heute möglich gemacht hat, nach dieser für uns jüdische Menschen so furchtbaren Zeit unbefangen in Deutschland zu leben, mich als Deutscher zu fühlen, ohne Hass ein Bürger dieses Landes zu sein. Denn diese Frauen hatten ihr Leben für mich gewagt.
Ich war nicht mit ihnen verwandt. Sie hatten mich gar nicht oder nur flüchtig gekannt. Ich hätte ihnen gleichgültig sein können. Aber sie waren gute und gerechte Menschen, sie waren Deutsche, wie ich es einmal war. Und wie ich es wieder sein würde, nachdem der Albtraum des Nationalsozialismus von unserem Heimatland gewichen war.
Hans Rosenthal, Zwei Leben in Deutschland, Neuausgabe 2025, Seite 98