Verknappung der Woche (29/2025): Apotropäische Handlungen

Im Südtirol-Urlaub habe ich ein neues Wort gelernt: apotropäisch – altgriechisch: abwendend, abwehrend. Der Völser Morgenbote, das tägliche Infoblättchen des örtlichen Tourismusvereins, erklärte unter der Rubrik „Wussten Sie, dass …“: Wetterläuten oder Sturmläuten war eine  apotropäische Handlung, die dazu diente, Unwetter von Ortschaften wegzutreiben. Der Aberglaube ergab sich aus der Ansicht, dass die Glocken eine Kirche geweiht seien und daher das Unwetter durch Läuten vertrieben werden konnte.

Das fand ich sehr interessant; hatte ich doch bis dahin angenommen, dass das Glockengeläut Bauern auf dem Feld vor einem heranziehenden Unwetter warnen sollte, damit sie Unterschlupf finden konnten. Ich dachte: Wie konnten die Leute nur so einem quatschigen Aberglauben anhängen?

Dann fiel mir ein: Wenn in Unterhaltungen die Sprache auf bisher gute Gesundheit kommt (z.B.: „Ich bin nur sehr selten krank.“) oder es darum geht, dass man von Unglück verschont geblieben ist („Ich hatte noch nie einen Verkehrsunfall.“), dann sage ich schnell „Klopf auf Holz“ und klopfe mir dabei dreimal leicht auf den Kopf. Ich mache das immer. Immer. Ich habe das sogar gerade eben beim Schreiben dieser Worte gemacht! Wenn das mal keine apotropäische Handlung ist…

Die verknappte Lektion für mich: Fälle nicht vorschnell ein Urteil über die Handlungen anderer.

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