Monatsarchiv: Januar 2026

Freudenfunke der Woche (05/2026): Kommen und Gehen

Manchmal muss man sich mit dem kleinsten Fünkchen Freude zufrieden geben…

Über das Kommen mancher Leute tröstet uns nichts als die Hoffnung auf ihr Gehen.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Freudenfunke der Woche (04/2026): Der Lindenbaum

Seit vielen Jahren lese ich einmal im Monat im Seniorenheim vor. Zu meiner Vorlesestunde kommen um die 20 Leute, ganz überwiegend Frauen. Neben kurzen Geschichten und Märchen lese ich immer auch Gedichte. Bei manchen Gedichten sprechen einige der Zuhörerinnen ein paar Verse auswendig mit. Das ist immer ein Augenblick besonderer Freude für mich. Heute haben einige Damen beim Lindenbaum mitgesprochen und mir damit einen Glücksmoment bereitet.

Der Lindenbaum

Am Brunnen vor dem Tore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst du deine Ruh!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad ins Angesicht,
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör ich´s rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

Wilhelm Müller (1794-1827)

Freudenfunke der Woche (03/2026): Amüsiere Dich recht gut

Bettina von Arnim und Catharina Elisabeth Goethe (Johann Wolfgangs Mutter) standen in regem Briefwechsel. Am Schluss eines Briefes schreibt Goethes Mutter an Bettina:

Amüsiere Dich recht gut und sei lustig, denn wer lacht, kann keine Todsünd‘ tun.

Ein freudiger Rat einer mütterlichen Freundin, der zum unbedingten Befolgen einlädt!

Freudenfunke der Woche (02/2026)

Musik und Poesie sind für mich zwei der stärksten Quellen für Freudenfunken. Wenn sie die richtigen sind, treffen sie mich direkt ins Herz. Klassische Musik und lange, pathetische Gedichte gehören normalerweise nicht dazu, es gibt aber Ausnahmen. Eine davon vereint beides und ist zugleich die Inspiration für den Namen dieser Wochenkategorie: Schillers Ode an die Freude, in Teilen von Beethoven im Schlusssatz seiner Neunten Sinfonie vertont.

1972 erklärte der Europarat das Hauptthema dieses Satzes zur Hymne; seit 1985 ist es die offizielle Europahymne. Auch das trägt für mich wesentlich zum Funken bei, denn trotz aller Schwierigkeiten glaube ich weiterhin an Europa als Zusammenschluss freiheitlicher Staaten.

Der Funke springt über, wenn ich erst die eingängige Melodie und dann den mächtigen Chor höre:

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum!
Deine Zauber binden wieder
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.