Archiv der Kategorie: Verknappung der Woche

Verknappung der Woche (42/2025): Im Atemhaus von Rose Ausländer

Im Atemhaus

Unsichtbare Brücken spannen
von dir zu Menschen und Dingen
von der Luft zu deinem Atem

Mit Blumen sprechen
wie mit Menschen
die du liebst

Im Atemhaus wohnen
eine Menschblumenzeit

Rose Ausländer

Verknappung der Woche (41/2025): Edith Stein

Auf den Tag genau vor 134 Jahren wurde Edith Stein geboren. Die deutsche Philosophin, Frauenrechtlerin und Ordensfrau jüdischer Herkunft gilt als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden. Trotz einer ausgezeichneten Promotion durfte sie nicht habilitieren – weil sie eine Frau war. Stein konvertierte 1922 zum Katholizismus, trat in den Karmeliterorden ein und wurde später als Heilige und Märtyrerin verehrt. Sie starb 1942 im Konzentrationslager Auschwitz.
Für folgendes Zitat habe ich keine verlässliche Quelle gefunden, weiß also nicht sicher, ob es wirklich von ihr stammt. Ich schreibe es ihr dennoch gerne zu – als treffende Verknappung eines der wichtigsten Dinge im Leben.

Ich weiß, daß ich jemanden in meiner Nähe habe, dem ich rückhaltlos vertrauen kann, und das ist etwas, was Ruhe und Kraft gibt.
Edith Stein (1891–1942)

Verknappung der Woche (40/2025): Jane Goodalls nächstes Abenteuer

Am Mittwoch ist die Verhaltensforscherin Jane Goodall im Alter von 91 Jahren gestorben. Ihre Beobachtungen von freilebenden Schimpansen in Tansania in den 1960er Jahren revolutionierten den Blick auf Primaten. Goodall wies beispielsweise nach, dass Schimpansen Werkzeuge benutzen und auch Fleisch fressen. Vor einem Jahr war sie Gast im Podcast „Wiser Than Me“ mit Julia Louis-Dreyfus. Gegen Ende erzählt Goodall, was sie drei Jahre zuvor geantwortet hat, als sie bei einem Vortrag mit 10.000 Zuhörern von einer Frau aus dem Publikum gefragt wurde, was ihr nächstes Abenteuer sein wird. Hier die Passage des Transkripts (leicht angepasst):

There was a Q&A and she said: What will your next adventure be? I’d never been asked that before, so I thought. And I said: Well, if it was ten years ago and I was, you know, much physically fitter, I would have said, I want to go to Papua New Guinea, where there are mountains and undiscovered species, and I’d love but I couldn’t do that now.
So I said: Well, I think my next great adventure will be dying. There was a hush and then a few nervous giggles, and I said: Well, when you die, there’s either nothing, in which case, okay, nothing. Or there’s something. And I happen to think there is something because of experiences I’ve had. And if that’s true, what greater adventure can there be than discovering what that something is? And people have come up to me and said, I used to be afraid of dying, but now I’m not afraid anymore.

Verknappung der Woche (39/2025): Louise Glück’s Telescope

Im Jahr 2020 erhielt die amerikanische Lyrikerin Louise Glück den Literaturnobelpreis. Als ich zuerst einige ihrer Gedichte las, war meine Reaktion nicht gerade euphorisch. Ja, Okay, ganz nett. Mehr nicht. Nun sind mir die Gedichte wieder in die Hände gefallen und ich lese sie anders. Sie sprechen zu mir. Wie schön!

Verknappung der Woche (38/2025): Rilkes Herbsttag

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Verknappung der Woche (37/2025): Buchstaben sind die besten Freunde

In Caroline Peters‘ Roman „Ein anderes Leben“, in dem sie humor- und liebevoll eine außergewöhnliche Familienkonstellation porträtiert, habe ich diese Zeilen gefunden (S.163):

Buchstaben sind die besten Freunde, die sicherste Familie. Sechsundzwanzig Bausteine, aus denen alles, wirklich alles erschaffen werden kann.

Verknappung der Woche (36/2025): Ein-Satz-Geschichten

Seit langer Zeit mal wieder eigene Texte: Flash Fiction aus der Schreibwerkstatt Ende 2024. Man sollte stets genau hinhören. 😉

1
Als Tanja in ihrem schlichten Trainingsanzug den Gymnastikraum betritt und vor sich lauter hängende Brüste, wabbelige Bäuche und baumelnde Pimmel sieht, wird ihr schlagartig bewusst, dass sie bei der telefonischen Anmeldung zu diesem Kurs doch zuerst richtig gehört hat: es ist „Yoga für Nudisten“ und nicht „Yoga für Buddhisten“. 

2
Als Hilde zusammen mit Gerd nackt das Restaurant betritt und lauter schick angezogene Menschen an Einzeltischen erblickt, wird ihr schlagartig bewusst, dass sie sich bei der telefonischen Reservierung verhört hat: es ist ein Restaurant für Gäste ohne Begleitung und nicht ohne Bekleidung. 

Verknappung der Woche (35/2025): Eine fehlt

Poetenfest in Erlangen dieses Wochenende. Eine fehlt. Obwohl – Ich denke, sie schaut von oben zu.

Poet*innenfest Erlangen 30.08.2025

Verknappung der Woche (34/2025): Es gibt nichts Gutes

Es gibt nichts Gutes,
außer: Man tut es.
Erich Kästner

Eins meiner liebsten Zitate überhaupt. Und es stimmt: Nicht warten (oder erwarten), dass jemand anderes sich kümmert und tut – selber loslegen!

Verknappung der Woche (33/2025): Wir gleichzeitig Lebenden

In „Der Bademeister ohne Himmel“ erzählt Petra Pellini zärtlich und mit feinem Humor von der Kostbarkeit von Freundschaft und den Schwierigkeiten, sich in der Welt zurechtzufinden. Ein Zitat von Hugo von Hofmannsthal, das mich sehr berührt, kehrt im Roman immer wieder.

Wir gleichzeitig Lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung.
Hugo von Hofmannsthal