Vor kurzem gelangte ein Buch mit Werbeanzeigen aus den 1970ern in meinen Besitz. Darin finden sich Beweise, dass früher wesentlich entspanntere Vibes in den USA verbreitet waren als heutzutage… U.S. Bongs, schwule Anziehpuppen und Männer in Socken.
Jedoch enthält das Buch auch Hinweise, dass die Amerikaner schon damals merkwürdige Auffassungen von gutem Geschmack hatten… beispielsweise German Pizza mit Knackwurst und Sauerkraut.
To write is to bring an inner voice into the outer world, to believe that our thoughts are worth entering the thinking of others, and to make real what has never existed in quite the same way before. What could be a better path to self-value than that? Gloria Steinem
If I had to define the engine, the motor of my life, I would say it has been curiosity. And the fuel for this motor was laughter, fun. Isabella Rossellini zu Beginn ihrer Dankesrede beim Europäischen Filmpreis im Dezember 2024 für den Award „European Achievement in World Cinema“
Wenn man wie ich in den 1980ern als Kind in Westdeutschland ferngesehen hat, kennt man die Quizsendung „Dalli Dalli“ und deren Showmaster Hans Rosenthal. Prominente traten in Zweierteams gegeneinander an und mussten bei Wort- und Aktionsspielen möglichst viele Punkte sammeln. Alle erspielten Punkte wurden am Ende mit D-Mark gleichgesetzt und an eine in Not geratene Familie gespendet. Besonders im Gedächtnis ist mir natürlich der Ausruf „Sie sind der Meinung, das war Spitze!“ geblieben und wie Rosenthal dabei immer so freudig und unbekümmert in die Luft gesprungen ist.
Einmal, als wir gerade gemeinsam schauten, erwähnte meine Mutter, dass sie es bewundernswert findet, dass Hans Rosenthal eine so fröhliche Sendung im deutschen Fernsehen moderiert, wo er doch als Jude während der Nazizeit verfolgt wurde. Tatsächlich musste sich Rosenthal von März 1943 bis Kriegsende in einer Berliner Schrebergartenkolonie verstecken.
Diese Information hat meinen Blick auf diesen so sympathischen Mann verändert. Hochachtung und Verehrung kamen hinzu. Und die Frage tauchte auf: Wie schafft man das? Wie schafft man es, so heiter und lebensfroh Deutsche im deutschen Fernsehen zu unterhalten – nach all dem Grauen? Hans Rosenthal beantwortet diese Frage mit wenigen Sätzen in seiner erstmals 1980 erschienenen Autobiografie:
Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke, so waren es diese drei Frauen aus der Kolonie „Dreieinigkeit“ – Frau Jauch, Frau Schönebeck und Frau Harndt -, deren Hilfe es mir bis heute möglich gemacht hat, nach dieser für uns jüdische Menschen so furchtbaren Zeit unbefangen in Deutschland zu leben, mich als Deutscher zu fühlen, ohne Hass ein Bürger dieses Landes zu sein. Denn diese Frauen hatten ihr Leben für mich gewagt. Ich war nicht mit ihnen verwandt. Sie hatten mich gar nicht oder nur flüchtig gekannt. Ich hätte ihnen gleichgültig sein können. Aber sie waren gute und gerechte Menschen, sie waren Deutsche, wie ich es einmal war. Und wie ich es wieder sein würde, nachdem der Albtraum des Nationalsozialismus von unserem Heimatland gewichen war. Hans Rosenthal, Zwei Leben in Deutschland, Neuausgabe 2025, Seite 98
Heute bin ich auf eine alternative Wendung des Schneewittchen-Motivs gestoßen – eine verknappte Emanzipation. Ich bin begeistert.
Mein Schatten
Ich will nicht in der Hocke leben um zu essen und zu trinken von euren Becherchen und Tellerchen auf Kindsgröße schrumpfen um in euren Betten zu schlafen Mir Streicheleinheiten erschleichen
Ich richte mich auf Die Arme wachsen aus den Fenstern Mein Kopf hebt das Dach ab Vögel nisten in meinem Haar Ich bin die Solitärin mein Schatten fällt wo er fällt
Trotz aller Unbill in der Welt, lasst uns nicht die Hoffnung aufgeben, denn:
Hoffnung gießt in Sturmnacht Morgenröte. Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Quelle: Goethe, Proserpina. Uraufführung als Einlage in das Drama: Der Triumph der Empfindsamkeit in Weimar am 30. Januar 1778. Proserpina zu den Parzen; aus https://www.aphorismen.de/zitat/125
Es gibt ein Wort, das für mich ausdrückt: Jetzt ist er wirklich da, der Frühling. Vorbei die winterliche Düsternis. Die Sonne hell und warm. Leuchtende Blüten, frischgrüne Blätter. Vogelzwitschern von früh bis spät. Leicht das Herz, froh das Gemüt. Frische Energie, Lebenslust, Genuss! Hach! Das eine Wort, das für mich all dies ausdrückt: Erdbeeren.
Heute die ersten beiden Schalen des Jahres gekauft und fast schon die Hälfte schnabuliert. 🙂
Die Verknappung: Weniger als 7 % der Menschen leben in vollwertigen Demokratien („full democracies“). Das ist leider nicht die Statistik von vor dreihundert Jahren – sondern von 2024. Quelle: EIU Democracy Index 2024
Der Hintergrund dazu: Der „Democracy Index“ bewertet die Regierungsform jedes Landes nach fünf Kategorien: electoral process and pluralism, functioning of government, political participation, political culture, civil liberties.
Der tabellarische Überblick sieht 2024 so aus:
Type of Regime
No. of Countries
Share of Countries
Share of World Population
Full Democracy
25
15.0%
6.6%
Flawed Democracy
46
27.5%
38.4%
Hybrid Regime
36
21.6%
15.7%
Authoritarian
60
35.9%
39.2%
In den letzten Jahren befindet sich Demokratie auf dem Rückzug, hybride und autoritäre Regime nehmen zu. Aufgrund von politischen Turbulenzen und schwindendem Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung wurden 2024 z.B. Südkorea und Frankreich von „full democracies“ zu „flawed democracies“ herabgestuft. Deutschland wird als „full democracy“ eingestuft.
Als Gründe für diese Entwicklung werden genannt: Gridlock, dysfunction, corruption, insufficient transparency and a lack of accountability have undermined public confidence in governments, political parties and politicians. In many countries, powerful interest groups and the wealthy exert significant influence. Governments outsource decision-making to non-elected bodies, including central banks and courts. Citizens increasingly feel that they do not have control over their governments. As a result, popular trust in democratic institutions has been in decline for many years and has reached the stage where many question whether democracy is able to deliver good results.
Nachvollziehbar und beängstigend zugleich. Ich bin überzeugt, dass Demokratie die beste Staatsform ist, wenn man sich als Individuum oder Gruppe frei entfalten und selbstbestimmt leben möchte. Deswegen will ich weiterhin in einer Demokratie leben. Wir können alle zum Erhalt der Demokratie beitragen: Wir können uns beteiligen, wir können mitgestalten, wir können Einfluss nehmen. In unserer Nachbarschaft, unserer Stadt oder Gemeinde, bei der Arbeit, in unserem Freundeskreis. In unserem direkten Umfeld macht unser Handeln immer einen Unterschied. Auf geht’s!
Das Kürzel „OK“ ist wahrscheinlich die weltweit am häufigsten verwendete Verknappung: – OK, ich verstehe. – Ist alles OK? – Wäre es für dich OK, wenn … – Was fällt dir ein? Das ist nicht OK! usw.
Lange Zeit dachte ich, O.K. waren die Initialen eines in die USA eingewanderten deutschen Arbeiters (Otto Kessler, Oskar Krause, …), der mit den beiden Buchstaben Bauteile als von ihm persönlich qualitätsgeprüft gekennzeichnet hat. Dies ist jedoch eine von vielen unbelegten Legenden zur Etymologie, die heute von Sprachwissenschaftlern nicht mehr anerkannt wird.
Tatsächlich wurde o.k. zum ersten Mal am 23. März 1839 in der Boston Morning Post als Sprachwitz verwendet. Als absichtlich falsch geschriebene Abkürzung von „all correct“, „oll korrekt“. Solche Falschschreibungen waren damals anscheinend in Mode; so auch KY für „know yuse“ (no use, zwecklos) oder KG für „know go“ (no go, geht nicht).
Tja… Sprache ist lebendig und wandelbar und der spielerische Umgang mit ihr führt zu bereichernden Ergebnissen.