Humor ist eines der besten Kleidungsstücke, die man in Gesellschaft tragen kann. William Shakespeare (1564-1616) *
* oder William Makepeace Thackeray (1811-1863) – im Internet finde ich beide Zuschreibungen, jeweils ohne Quellenangabe. Vielleicht stammt der Aphorismus also auch von einem anderen William oder einem anderen britischen Autoren. Oder jemand ganz anderem. 😉
Vor ein paar Wochen habe ich einen Schatz entdeckt: Prosaische Passionen. Eine Sammlung von 101 Short Stories von Autorinnen der Moderne. Im Nachwort schreibt Herausgeberin Sandra Kegel:
[…] das zentrale Anliegen dieser Anthologie: eigenständige weibliche Stimmen aus der Zeit um und nach 1900 aus mehr als fünfzig Ländern aller Kontinente zu versammeln und diese miteinander korrespondieren zu lassen, um so verschüttete Traditionslinien weiblicher Literaturen freizulegen. Im besten Fall könnte dies nicht nur zu Wiederentdeckungen, sondern auch zu Neubewertungen von Schriftstellerinnen führen, die unter der angloeuropäischen Dominanz innerhalb der traditionellen Weltliteraturgeschichte gleich zweimal übersehen wurden – wegen ihres Geschlechts und wegen ihres vermeintlich an der Peripherie liegenden Kulturkreises. (S. 818 f.)
Damit die 101 Kostbarkeiten in meiner Erinnerung nicht gleich wieder verblassen, will ich eine Minikurzzusammenfassung aller Geschichten notieren. Für die ersten fünf habe ich das schon getan. Hoffentlich halte ich durch bis Nr. 101!
Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, welche dem Leben seinen Wert geben, und je tiefer eingehend sie sind, desto mehr fühlt man, worin doch zuletzt der eigentliche Genuß steckt, die Individualität. Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835)
Quelle: Humboldt, W., Briefe an eine Freundin (gemeint ist Charlotte Diede), 2 Bde., 1847. 21. September 1827 – zitiert nach aphorismen.de
Im Moment genieße ich es sehr, dem wunderschön melodischen Gesang der Amseln zu lauschen. Innerhalb weniger Augenblicke fühle ich mich beruhigt und entspannt. Aber Achtung: nicht jeder, der im Baum sitzt, ist ein Vogel, wie Wilhelm Busch weiß.
Der fliegende Frosch Wenn einer, der mit Mühe kaum, geklettert ist auf einen Baum, schon meint, daß er ein Vöglein wär, so irrt sich der.
Am Dienstag habe ich auf meinem Weg zur Arbeit in Bus und Tram die erste Folge von Season 2 von Wiser Than Me gehört (mit Sally Field). Und gleich zu Beginn, in Julias Intro, ist eine Redewendung haften geblieben: to have agency. Die Bedeutung war aus dem Zusammenhang sofort klar, der Ausdruck war mir jedoch nicht geläufig.
Wikipedia sagt: In social science, agency is the capacity of individuals to have the power and resources to fulfill their potential. […] One’s agency is one’s independent capability or ability to act on one’s will.
Und das Lexikon der Psychologie auf spektrum.de definiert: agency, Wirksamkeit, Überzeugung der eigenen Wirksamkeit oder Tüchtigkeit (Selbstwirksamkeit, Verantwortung).
„To have agency“ bringt eines meiner stärksten Motive im Leben auf den Punkt. Und nun habe ich eine kurze treffende Redewendung dafür: I have agency!
Vor vier Wochen bin ich 50 geworden. Damit ist meine Jugend wohl endgültig vorbei. „Alt“ fühle ich mich jedoch gar nicht… Überhaupt: Was bedeutet heute schon „alt“? Als er mir Ende März zum Geburtstag gratulierte, meinte mein Papa, 50 sei das neue 35. Das gefällt mir.
Fakt ist jedoch, dass Frauen, wenn sie älter werden, zunehmend aus dem Sichtfeld verschwinden, vor allem aus den Medien. Schon letztes Jahr hat eine Freundin mich auf den Podcast „Wiser Than Me“ von Julia Louis-Dreyfus aufmerksam gemacht. Louis-Dreyfus befragt darin bekannte ältere Frauen (meist über 70) zu ihren Erfahrungen und erworbener Weisheit. Darunter sind z.B. Jane Fonda, Isabel Allende und Fran Lebowitz. In der ersten Folge musste ich mich erst ein bisschen an die „amerikanische Art“ gewöhnen, aber schnell wurde ich zum Fan. Die Gespräche sind witzig, tiefgehend und bereichernd. Gerade habe ich entdeckt, dass schon mehrere Folgen der zweiten Season online sind – was für eine Aufmunterung für mich als ältere Frau!
Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest. Und lass dir jeden Tag geschehen so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen sich viele Blüten schenken lässt.
Sie aufzusammeln und zu sparen, das kommt dem Kind nicht in den Sinn. Es löst sie leise aus den Haaren, drin sie so gern gefangen waren, und hält den lieben jungen Jahren nach neuen seine Hände hin.
Hoffentlich kommt Felicitas schnell wieder. Die Sonne geht schon auf und dann werden bald die ersten Leute hier vorbeikommen. Wenn die mich in dieser Gestalt sehen, werden sie in Panik geraten. Werden die Polizei rufen, den Zoo, den Großwildjäger oder wer weiß, wen! Rasende Angst werden sie kriegen. Ein Löwe ist schließlich ein gefährliches wildes Tier!
Ich hätte mich lieber auf mein Hanteltraining verlassen sollen, statt mich auf Felicitas‘ Zeitungsannonce zu melden…
Fee in Ausbildung sucht Probanden. Eine Wunscherfüllung kostenlos. Bei Nicht-Gefallen Rückgängigmachung garantiert. Achtung: Wunder nicht möglich. Terminvereinbarung unter Chiffre 38572.
Einen seriösen Eindruck macht sie an sich, Felicitas. Sie meinte ja auch, mein Wunsch wäre absolut erfüllbar. Vielleicht hätte ich es anders formulieren müssen. Hätte nicht „stark wie ein Löwe“ wünschen dürfen, sondern vielleicht einfach „ich möchte sehr stark sein“ oder so. Nun ist es zu spät. Der andere ist offensichtlich auch nicht zufrieden. Angelkönig beim nächsten Regenbogenforellen-Fischen wollte der werden. Er hat extra gefragt, ob auch Wunscherfüllung für zukünftige Ereignisse ginge. Felicitas hat versichert, das sei gar kein Problem. Tja, und jetzt hat er schwarze Engelsflügel…
Hoffentlich kommt Felicitas schnell wieder mit dem Zauberstaub fürs Wünsche Rückgängigmachen. Das war ihr ziemlich peinlich, dass sie den nicht schon dabei hatte… zu Recht! Ihr Studio ist ganz nah, hat sie gesagt, aber sie wolle die Kraft der endenden Nacht und des fließenden Wassers für die Wunscherfüllung nutzen, deswegen der Treffpunkt hier auf der Brücke…
Ah, da vorne kommt sie! Ich kann nur hoffen, dass das Rückgängigmachen klappt… Dann werde ich gleich mit dem Hanteltraining weitermachen, wenn ich zu Hause bin. Das ist zwar mühsam, aber da weiß man, was man hat!
What lies behind us and what lies before us are small matters compared to what lies within us. And when we bring what is within us out into the world, miracles happen. Henry Stanley Haskins *
Ein Zitat, das uns aufmuntert, auf die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu vertrauen und durch sie Gutes in die Welt zu bringen.
* Der Verfasser bleibt nach Recherche im Internet etwas unklar. Henry Stanley Haskins, aber auch Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau werden genannt.