Postkarte der Woche (02/2020)

Gute Vorsätze zum neuen Jahr sind nach wie vor beliebt, obwohl sie meist schnell wieder gebrochen werden. Viele Menschen nehmen sich vor, weniger zu essen oder zumindest gesünder. Es gibt in Deutschland jedoch über 1,6 Millionen Menschen, die ein ganz anderes Problem haben: Sie sind auf die Hilfe der Tafeln angewiesen, um ihren Teller überhaupt vernünftig füllen zu können. Die mehr als 940 Tafeln in Deutschland helfen dabei, Lebensmittel zu retten und sie an Bedürftige zu verteilen. Seit ein paar Jahren unterstütze ich die Tafel meiner Heimatstadt durch eine regelmäßige Spende, und so habe ich die Postkarte der Woche zugeschickt bekommen. Schau über deinen Tellerrand!

Sonnenträumerei

Sonnenschein sehen wir so gut wie nie. Höchstens einmal ganz kurz, in den seltenen Momenten, wenn der Regen aufhört, bevor wir unser Ziel erreicht haben. Für Sonnenwetter sind wir nicht gedacht. Wir schützen vor Nässe und Schmutz. Das ist unsere Aufgabe, ja, unsere Bestimmung! Und die erfüllen wir. Zuverlässig, jederzeit. Schneematsch, Dauerregen, Dreck, der vom Waldboden hochspritzt: kein Problem für uns! Wir sind aus dem richtigen Stoff gemacht. Wasserfest, schmutzabweisend, schnell trocknend. Und unsere silbern reflektierenden Streifen sorgen dafür, dass uns niemand übersieht! Wir stehen für Komfort und Sicherheit.

Natürlich werden wir nicht jeden Tag gebraucht. Unsere Freizeit verbringen wir zusammengelegt in der großen Schublade der Schuhkommode. Da ist immer was los! Verschiedenste Schuhe wohnen dort mit uns. Stiefeletten, Sneakers, Ballerinas und sogar Sandalen mit feinen Riemen, zehenfrei! In der Schublade herrscht reger Austausch. Was man da für Geschichten hört! Vor allem die Sandalen sprechen viel über den Sommer, wenn es heiß ist; sie erzählen von weichem Gras oder gar feinem Sand. Und von der Sonne. Von ihrem Licht, das strahlt und wärmt, manchmal fast verbrennt. Von langen hellen Abenden schwärmen die Sandalen, von den Farben am Himmel, wenn die Sonne untergeht, sanft und mild. Das können wir uns gar nicht richtig vorstellen. Das geben wir aber nicht zu. Wir sind ganz still und träumen vom Sonnenschein.

Postkarte der Woche (01/2020)

Alles Gute fürs neue Jahr!

2019 stand im Zeichen der Lyrik und somit des Wortes. 2020 wird es bildlicher, mit einer wöchentlichen Postkarte; gesammelt unterwegs, auf Reisen, oft in Museen, als Erinnerung und Mitbringsel für mich selbst.

In der Berlinischen Galerie ist noch bis 27.01.2020 die Ausstellung „original bauhaus“ zu sehen. Dort können sich Besucher in einen Stahlrohrsessel entsprechend dem Original von Marcel Breuer setzen und eine Bühnenmaske nach Oskar Schlemmer vors Gesicht halten – Fotografieren erlaubt. Im besten Fall sieht man dann so aus wie die berühmte Unbekannte, deren Ablichtung es als Postkarte es im Museumsshop gibt.

In der Bretagne im Mai – Teil 8 (letzter)

Rennes ist die Hauptstadt der Bretagne und war die letzte Station unseres Urlaubs. Von den etwa 216.000 Einwohnern sind über 60.000 Studenten; Rennes ist entsprechend lebendig und quirlig. Wir unternahmen unseren ausgedehnten Altstadtspaziergang Sonntagvormittag – da war es angenehm ruhig.

Der Dienstwagen der chemischen Fakultät?

Nachmittags dann schlendern und lesen im Parc du Thabor…

Eine bretonische Cola zur Erfrischung…

Und zum Abschluss eine Promenade durch den Rosengarten…

Rennes unterhält einige Städtepartnerschaften, eine davon mit Erlangen, wohin uns TGV, ICE und Regionalexpress wohlbehalten zurückbrachten. Mein liebes Frankreich, es war wieder wunderbar!

Lyrik der Woche (52/2019)

Heute vor 140 Jahren, am 28.12.1879, stürzte der Schnellzug von Edinburgh nach Dundee in den Firth-of-Tay, als der Mittelteil der Firth-of-Tay-Brücke unter dem Gewicht des Zuges und der Windlast eines Orkans nachgab und zusammenbrach. 75 Menschen kamen ums Leben.

Theodor Fontane verarbeitete das Unglück in seiner Ballade „Die Brück‘ am Tay“. Drei Hexen verabreden sich zu Beginn…

„Wann treffen wir drei wieder zusamm‘?“
„Um die siebente Stund‘, am Brückendamm.“
„Am Mittelpfeiler.“
„Ich lösch die Flamm‘.“
„Ich mit.“
„Ich komme vom Norden her.“
„Und ich vom Süden.“
„Und ich vom Meer.“

„Hei, das gibt ein Ringelreihn,
und die Brücke muß in den Grund hinein.“
„Und der Zug, der in die Brücke tritt
um die siebente Stund‘?“
„Ei, der muß mit.“
„Muß mit.“
„Tand, Tand
ist das Gebilde von Menschenhand.“

In der Bretagne im Mai – Teil 7

Es war ein windiger und teils regnerischer Tag, an dem wir rund um die Île-Grande gewandert sind. Wirklich groß ist die Île-Grande nicht, etwa neun Kilometer legt man bei ihrer Umrundung zurück. Echtes Insel-Feeling kommt auch nicht auf, denn die Île-Grande ist durch eine – zumindest bei Ebbe – recht unauffällige Brücke mit dem Festland verbunden:

Aber gerade der Wind und der Regen schufen eine besondere Atmosphäre; rau, elementar, geheimnisvoll.

In der Bretagne im Mai – Teil 6

Ein Stück östlich vom Sentier des Douaniers findet man eines der meistfotografierten Motive der Bretagne: Das Haus zwischen den zwei Felsen.

Bei unserem Weg die Küste entlang war es erst noch nieselig…

… aber bald hatte der Wind die Wolken vertrieben.

Am Wegesrand immer einmal wieder Blümchen…

… und ein Artischockenfeld.

Gegen Ende des Rundwegs ein Küstenabschnitt mit Felsen, hinter denen jederzeit Winnetou und Old Shatterhand hätten hervorreiten können.

Die beiden hielten sich jedoch lieber versteckt.