Postkarte der Woche (33/2020)

Die deutsche Hauptstadt ist die nächste Station auf unserer Postkartenreise. Berlinbesuchende können leicht überwältigt werden von der Fülle der Sehenswürdigkeiten. Wir konzentrieren uns auf einige wenige Gebäude mit Kuppeln.

First stop: der Berliner Dom, auf der Museumsinsel direkt an der Spree gelegen. Auf der Postkarte auch zu sehen: der Palast der Republik; in den 1970er Jahren erbaut, Sitz der Volkskammer der DDR und Örtlichkeit für große Veranstaltungen, ab 1990 wegen Asbest geschlossen, zwischen 2006 und 2008 abgerissen. Seit 2013 wird an der Stelle das Berliner Schloss als Herberge für das Humboldt-Forum wiederaufgebaut. Und das hat auch eine Kuppel.

Postkarte der Woche (32/2020)

Wir beenden unsere Reise durch Dürers Tierleben mit possierlichen Tierchen: Eichhörnchen. Wikipedia schreibt, dass ihr wissenschaftlicher Name, Sciurus, sich aus zwei altgriechischen Wörtern zusammensetzt: skia ‚Schatten‘ und oura ‚Schwanz‘. In der Antike war man der Ansicht, dass sich Eichhörnchen mit ihrem Schwanz selber Schatten geben könnten. Bei der Hitze ein echter Vorteil!

Summer of ´91

Ich wache auf, räkle mich. Der Radiowecker auf meinem Nachtkästchen zeigt 11.18. Die Sonne heizt mein Dachzimmer nach einer milden Nacht schon wieder auf. Es ist Samstag und die Sommerferien haben letzte Woche begonnen. Im Herbst komme ich in die Kollegstufe, aber das ist noch weit, weit weg. Gemächlich stehe ich auf und lasse die Jalousien der beiden kleinen Fenster in meinem Zimmer weit herunter. Das leicht dämmrige Licht ist gleich viel angenehmer. Auf dem Plattenteller meiner Stereoanlage liegt Like a Prayer von Madonna. Sanft setze ich den Tonarm auf und Madonna singt: Life is a mystery, everyone must stand alone. Ich stimme mit ein.

Kurz lege ich mich zurück ins Bett. Was steht heute an? Eine Nachmittagsschicht in der Eisdiele. Bei dem schönen Wetter ist bestimmt viel los und ich kann drei Stunden arbeiten, das sind 30 Mark. Davon kann ich mir heute Abend locker eine Pizza leisten, wenn ich mich mit den Jungs in unserem Stammlokal treffe. Jens ist ja leider nicht da, der ist mit seinen Eltern in Österreich bei den Großeltern. Aber Tobi, Matthias und Stefan kommen auf jeden Fall.

Soll ich mir für heute Abend die Haare auf Papilloten drehen? Ich stehe auf und begutachte meine Haare vor der Spiegeltür meines Kleiderschranks. Ich verschiebe die Entscheidung auf später. Was ziehe ich heute Abend an? Jeans und … ja, das schwarze Shirt mit dem U-Boot-Ausschnitt. Neben meinem linken Nasenflügel entdecke ich einen Pickel. Oh nein! Ich trage eine dreifache Schicht Clearasil-Creme auf und hoffe, dass es wirkt.

Madonna singt inzwischen Second best is never enough, you’ll do much better, baby, on your own… Express yourself. Ich fange an zu tanzen, tue so, als würde ich auf einer großen Bühne vor einem begeisterten Publikum auftreten. Als das Lied zu Ende ist, ziehe ich mir eine kurze Hose über, mein Schlaf-T-Shirt lasse ich einfach an. Ich stelle die Musik ab und gehe summend hinunter ins Erdgeschoss, um zu sehen, was meine Eltern so machen und was es zum Mittagessen gibt.

Postkarte der Woche (31/2020)

Im vorletzten Teil von Dürers Tierleben treffen wir auf das Rhinocerus von 1515. Dürer fertigte den Holzschnitt eines Panzernashorns, ohne es gesehen zu haben, basierend auf einer Beschreibung und einer Skizze. Das Tier war von Indien nach Lissabon gebracht worden und fand sein Ende bei einem Schiffbruch auf der Weiterfahrt nach Rom. Dürers Darstellung galt bis ins 18. Jahrhundert hinein als naturgetreue Wiedergabe.

Postkarte der Woche (30/2020)

Zwar wohnen wir am Waldrand, aber ein Käuzchen habe ich noch nie rufen hören. Zu Dürers Zeiten könnte es noch deutlich mehr Eulenvögel gegeben haben… Sein Aquarell von 1508 zeigt jedenfalls ein sehr hübsches Exemplar.

Postkarte der Woche (29/2020)

Im dritten Teil von Dürers Tierleben treffen wir einen Lindwurm, eine nicht datierte Zeichnung in einem von Dürers Skizzenbüchern. Akut bedrohlich sieht er nicht aus, finde ich, eher ein wenig erschöpft.

Freundinnen-Wochenende

Reden, reden, reden: über Schule, Jungs und Michael Jackson
Nutella-Toast abends um elf
Reden, reden, reden: über die Bravo, Klamotten und die Scheidung ihrer Eltern
Mau-Mau und Yahtzee die halbe Nacht
Reden, reden, reden: über Pickel, die andren Mädchen und die ersten Küsse
Musik hören, bis es wieder hell wird
Reden, reden, reden: über Filme, Liebeskummer und wie es sein wird, wenn wir erwachsen sind

Postkarte der Woche (28/2020)

Heute: Dürers Tierleben, Teil 2. Der Hirschkäfer, wunderbar detailreich, Aquarell und Gouache, von 1505. Im Römischen Reich wurden die Larven des Hirschkäfers wohl als Delikatesse gegessen und die „Geweihe“ der männlichen Käfer als Amulett getragen. In Deutschland steht der Hirschkäfer heute auf der Roten Liste als „stark gefährdet“. Daran sind jedoch nicht die alten Römer schuld, sondern die Zerstörung von für den Käfer geeigneten Lebensräumen…

Postkarte der Woche (27/2020)

Willkommen bei Dürers Tierleben! Albrecht Dürer (1471-1528) zählt zu den wichtigsten Renaissance-Künstlern. Viele seiner Werke zeigen Tiere – heimische und exotische – und in den kommenden Wochen lernen wir einige von ihnen kennen. Wir starten mit dem Walross, einer aquarellierten Federzeichnung von 1521… mit immensen Stoßzähnen und leicht irrem Blick.

Als Extra zum Start von Dürers Tierleben eine Radierung des Albrecht-Dürer-Hauses in Nürnberg, ab 1509 seine Wohn- und Arbeitsstätte, heute Dürer-Museum (Radierung von Lorenz Richter).

Ausgehabend

Helen stand nackt vor ihrem Kleiderschrank. Das schwarze Glitzerkleid oder lieber die ärmellose rote Bluse mit dem neuen Wildlederrock? Sie verschob die Entscheidung und ging zur Kommode, in der sie ihre Strümpfe und Unterwäsche aufbewahrte. Sie griff nach einem schwarzen BH und dem zugehörigen Slip. Unter dem Slip entdeckte sie eine Männersocke; dunkelblau, schon etwas ausgeleiert. Wohl ein Überbleibsel von Thomas. Sie wühlte kurz nach der zweiten Socke, fand sie nicht, nahm dann die eine und warf sie in den Mülleimer im Bad. Adieu, Thomas‘ Socke, murmelte Helen. Thomas hatte sich schon wieder getrennt von seiner Neuen, das wusste Helen von Nadja. Nadja hatte Thomas neulich zufällig im Fitness-Studio getroffen. Sie solle Helen „ganz lieb“ von Thomas grüßen. Nadja war sich sicher, dass Thomas Helen zurückwolle. Das habe sie ihm deutlich angemerkt. Und wenn schon, dachte Helen, ich will ihn nicht zurück.

Helen hatte sich die Unterwäsche angezogen und schlüpfte nun in das schwarze Glitzerkleid, mühte sich kurz mit dem Reißverschluss am Rücken und betrachtete sich dann in der Spiegeltür des Kleiderschranks. So schlank wie vor 15 Jahren war sie nicht mehr, aber das Kleid umschmeichelte ihre Kurven. Die meisten Leute waren erstaunt, wenn sie Helens wahres Alter erfuhren, meist ging sie für Ende 20 durch. Sie stemmte die Hände in die Hüften, kokettierte mit ihrem Spiegelbild und sagte laut: Was soll ich mit Thomas, wenn ich sie alle haben kann? Ihr kesses Lächeln dazu überzeugte sie jedoch noch nicht einmal selbst. Thomas und sie hatten eine schöne Zeit gehabt, zumindest im ersten Jahr. Ob Thomas heute Abend vielleicht auch im Purple Monkey sein würde? Zu Beginn ihrer Beziehung waren sie manchmal gemeinsam dorthin zum Tanzen gegangen.

Helen wollte nicht weiter an Thomas denken. Sie ging ins Bad und begann, ihr Make-up aufzutragen. Lieber kein Mann als der falsche, sagte sie sich. Lieber alleine allein als in der Beziehung allein. Pärchen sind nicht automatisch glücklich… Schlechte Beziehungen im Bekanntenkreis gab es genug. Aber manchmal wäre es einfach schön, wenn sie jemand in den Arm nehmen würde. Wenn jemand beim Fernsehen neben ihr auf der Couch sitzen würde. Wenn sie jemandem von den Erlebnissen im Job erzählen könnte, wenn sie abends nach Hause kam. Helen trug losen Puder auf und tuschte dann die Wimpern nochmal nach.

Aber wie war es denn zum Schluss mit Thomas gewesen? Er hatte zwar neben ihr auf der Couch gesessen, war aber schon sauer gewesen, wenn er einmal nicht das Programm bestimmen konnte. Und meist hatte er geredet und Helen zugehört. Wirklich interessiert hatte er sich am Ende nicht mehr für Helens Sorgen, Wünsche und Träume. Hatte er das jemals?
Helen knipste das Licht im Bad aus. Sie zog die hochhackigen roten Sandalen an, prüfte ihr Spiegelbild ein letztes Mal, versuchte sich wieder an einem Lächeln, diesmal gelang es viel besser. Es wird sicher ein toller Abend, mit der Clique ist es doch immer lustig. Im Flur griff Helen nach ihrem Ausgehtäschchen und dem Autoschlüssel. Als sie die Wohnungstür hinter sich zuzog, dachte sie: Wer weiß, vielleicht lerne ich heute Abend jemanden kennen.