Monatsarchiv: Oktober 2006

Die Affenpfote

Zu Halloween eine unheimliche Geschichte. Die Kernhandlung ist nicht von mir. Einer meiner Lehrer hat sie uns damals im Schullandheim erzählt. Das ist etwa 20 Jahre her… ich finde sie immer noch gruselig. J 

Leseprobe:

Magda war noch sehr jung, als Herbert bei den Eltern um ihre Hand anhielt. Zu jener Zeit war dies so üblich und Herbert konnte als einziger Sohn des reichsten Bauern der Gegend seiner Zukünftigen ein sicheres Auskommen bieten. So stimmten Magdas Eltern der Ehe zu, zumal Magdas Herz ehrlich für Herbert schlug. Bald nach der Hochzeit wurde ihr Sohn Friedrich geboren. Der Hof warf guten Gewinn ab, die Eheleute arbeiteten gern und wünschten sich noch mehr Kinder.

Doch bald sollte das Glück sie verlassen. Nach zwei Fehlgeburten meinte der Arzt, Magda könne keine Kinder mehr bekommen. Im gleichen Jahr zerstörte ein verheerender Sturm im Frühsommer den Großteil der Ernte. Die Grippe tötete nur wenige Monate später fast alles Vieh. Magda hielt in Liebe treu zu ihrem Mann, als dieser den Hof weit unter Preis verkaufte, eine Arbeit in der großen Fabrik annahm und sie in eine ärmliche Gegend der Stadt zogen.

Das PDF enthält die komplette Geschichte. Die Affenpfote

Es scheint nicht jeden Tag die Sonne

Ein Bekannter, den ich sehr schätze, hat mich auf den Beitrag „Eine der kleinen Antworten“ (siehe unten, vom 11.09.2006) angesprochen. Er meinte, er wisse nicht so recht, was er damit anfangen solle, es sei doch einfach nicht immer alles positiv im Leben. Ich stimmte ihm zu, nein, natürlich nicht. Und ich wollte mit dem Text auch nicht sagen, dass mein Leben aus andauerndem Glück und einer ununterbrochenen Aneinanderreihung schöner Ereignisse besteht. 

So ist es keineswegs. Es scheint nicht jeden Tag die Sonne. 

Es gibt Tage, an denen bin ich furchtbar gelaunt und latent aggressiv, ohne offensichtlichen Grund. An so einem Tag komme ich morgens ins Büro und alle, die meinen Weg kreuzen, haben verloren. Egal, was sie sagen oder tun. Am schlimmsten, sie sind nett und fröhlich. 

Dem Kollegen, der mir im Treppenhaus auf dem Weg zu meinem ersten Kaffee (an allen Tagen eine sensible Zeit) einen schönen guten Morgen wünscht, möchte ich antworten: Du Familiennutznießer, du hast leicht reden! Zu Hause warten jeden Abend deine nette Frau und die süßen Kleinen auf dich, die dich umsorgen und verhätscheln. Könntest du allein überhaupt überleben? 

Der Neuen, die immer so motiviert und lerneifrig ist, würde ich am liebsten schon von weitem auf dem Flur entgegen rufen: Hey, du Dauerbegeisterte! Kannst du nicht einmal etwas einfach schlecht finden, kannst du wirklich aus jedem Schrott etwas für deine Entwicklung mitnehmen? Dass ich nicht lache! 

Und die Kollegin, die gerade aus ihrem Urlaub zurück ist, und mich gut erholt und gebräunt fragt wie es mir geht, möchte ich am Kragen packen und ihr ins Ohr flüstern: Mir ginge es besser, wenn ich die letzten zwei Wochen faul am Strand herumgelegen hätte, so wie du, anstatt hier jeden Tag bis spät zu ackern. Und jetzt hau bloß schnell ab, du machst mich krank. 

Ja, es gibt auch solche Tage. Da spüre ich nichts von der Freude am Alltäglichen, dem Glück des Einfachen und all dem Quatsch. Da fühle ich mich einfach einsam und verloren. Gäbe es solche Tage nicht, würde ich mir echte Sorgen um mich machen. 

Alles, was man an einem solchen Tag tun kann, ist versuchen, sich die gemeinen Sachen tatsächlich nur zu denken und nicht zu sagen. Denn meistens können die anderen ja nichts dafür.