Monatsarchiv: Mai 2007

Oliven-Evolution

Ich fand Oliven scheußlich. Bis zu diesem Tag vor vielen Jahren, an dem ich beim Pizza Aussuchen unglaubliche Lust auf schwarze Oliven bekam. Also habe ich eine Pizza mit schwarzen Oliven bestellt und seitdem mag ich sie. Die grünen übrigens auch. Ohne ersichtlichen Grund ist plötzlich alles anders. Du magst auf einmal, was du vorher nicht leiden konntest. Du willst das, an dem du zuvor kein besonderes Interesse hattest. Du wünschst dir Dinge, die du vorher nicht in Betracht gezogen hast. 

Es gibt noch mehr Beispiele: Diese kanadische Teenage-Göre, die in ihren Musikvideos so pseudo-erfahren arrogant daher kommt. Plötzlich kaufst du eine CD von ihr und findest dich ganz ehrlich in ihren Songs wieder. Oder auch Klamotten: helle Farben trag ich nicht, die machen mich blass! Und auf einmal kommst du vom Einkaufsbummel zurück und in deinen Tüten ist nichts anderes zu finden als Weiß und helles Lila. 

Mit Menschen kann das genauso passieren. Du kennst jemanden schon eine Weile und ihr habt auch schon einiges zusammen erlebt und es ist dir so sonnenklar, dass ihr Freunde seid, aber nicht mehr. Und dann, ganz plötzlich, siehst du ihn mit anderen Augen. Du fängst an zu denken, vielleicht, ja tatsächlich, vielleicht könnte er der Richtige sein. Überhaupt denkst du sehr viel an ihn. Oh Gott.  

Pizzabelag, Musik und Mode machen wenig Probleme. Falls du dich geirrt haben solltest, wird nichts Schlimmes passieren. Du musst höchstens die Oliven von der Pizza pulen, wenn sie doch nicht schmecken. Oder du fragst dich, wem in aller Welt du wohl diese blöde CD schenken könntest. Oder du hast ein paar Stoffleichen mehr in deinem Kleiderschrank. Aber wenn du dich mit ihm irrst, steht viel mehr auf dem Spiel. Er würde verletzt werden, wenn du nach kurzer Zeit feststellst, dass er doch nicht der Richtige ist. Wäre schließlich nicht das erste Mal, dass dir das passiert. Und wenn er kein Interesse hat, stehst du auch irgendwie blöd da. Wäre auch nicht das erste Mal. Wovor du richtig Angst hast, ist, dass eure Freundschaft solche Wirrungen nicht übersteht. 

Aber so zu tun, als wäre nichts, ist auch keine Alternative. Denn wovor du am meisten Angst hast, ist, dass du eine Chance, richtig glücklich zu werden, aus Angst vorüber gehen lässt. Das könntest du dir nie verzeihen.

Zuhause

Der Geruch nach Schmieröl und abgestandener Untergrundluft, der dir beweist, dass du wirklich wieder hier bist. Die riesigen Parks mitten in der Stadt, in denen du dich mit einem Buch unter einen Baum setzen oder auf dem Rasen einfach ein Nickerchen machen kannst. Die Starbucks Filialen an jeder zweiten Ecke, die dich zuverlässig mit Café Latte und dem smoothie of the month versorgen. Die Museen und Kunstgalerien, in denen du dich in vergangenen Welten verlieren kannst. Die herrlichen Gebäude, alt und modern, prächtig und verborgen, die es immer wieder neu zu entdecken gilt. Der Trubel in den Einkaufsstraßen, der dich an überraschende Orte bringt, wenn du dich einfach mittreiben lässt. Das Gefühl, durch die Straßen zu laufen und einfach zu wissen, dass du hier hin gehörst. 

Die Tatsache, dass du noch hundertmal herkommen oder auch den Rest deines Lebens hier verbringen könntest, in der Gewissheit, dass es immer noch etwas Neues und Großartiges zu entdecken geben wird. In welcher anderen Stadt schon könnte man in einem Moment vor einem da Vinci stehen und im nächsten beim weltgrößten Kokosnuss-Orchester mitmachen?