Der grüne Kobold

„Komm mit mir zum verwunschenen Turm!“ sagte der grüne Kobold. Dabei hüpfte er von einem Bein aufs andere und strahlte bis über beide Ohren. Wie sollte ich da Nein sagen? Langsam folgte ich ihm, als er auf dem weichen Waldboden vor mir her stolzierte. Der Duft der Tannen beruhigte mich. Durch die Baumkronen fiel Sonnenlicht, das mich blinzeln ließ. Beinahe hätte ich die Ameisenstraße übersehen,  die unseren Weg kreuzte. Im letzten Moment warnte mich mein kleiner grüner Freund und ich machte einen respektvoll großen Schritt über die unzähligen Insekten hinweg.

 „Die können ziemlich ungemütlich werden, wenn man nicht Acht gibt“, gab der Kobold sein fachmännisches Urteil ab. Beschwingt ging er weiter vor mir her. „Wie weit ist der Weg zum Turm?“ hörte ich mich fragen. „Dauert es noch lange?“
Der Kobold blieb stehen und drehte sich zu mir um. Sein Lächeln ließ mein Blut in den Adern stocken. „Solange eine Wanderung in der Parallelwelt eben dauert.“

In diesem Moment ging das Licht aus, wie bei einer Stromabschaltung. Dunkelheit und Stille. Dann ein fahles weißes Licht. Ich öffnete die Augen und sah zwei Frauen in weißen Kleidern. Sie standen mit dem Rücken zu mir und unterhielten sich, während sie mit den Händen irgendetwas ordneten.  Die eine sagte: „Und sie hier, weiß sie schon, dass keiner aus ihrer Familie überlebt hat?“ „Nein“, antwortete die andere. „Sie war bisher noch nicht lange genug bei Bewusstsein.“ „Die Ärmste. Ich weiß ja nicht, wie ich so was verkraften würde.“

Ich schloss die Augen wieder und hoffte inständig, dass der Kobold auf mich gewartet hatte.

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