Tagesarchiv: 3. August 2024

Aufmunterung der Woche (31/2024)

Latein habe ich nie gelernt, aber seit ich als Teenager Der Club der toten Dichter gesehen habe, kenne ich zumindest einen lateinischen Sinnspruch: Carpe diem. Als Übersetzung war mir „Nutze den Tag“ (bzw. englisch „seize the day“) geläufig. Das Verb „carpere“ kann jedoch auch mit „pflücken“ übersetzt werden. So wird aus „nutzen“ „pflücken“:

Pflücke den Tag.

Wikipedia nennt „Pflücke den Tag“ als wörtliche Übersetzung von Horaz‘ „Carpe diem“ und schreibt weiter:
„Nutze den Tag“ oder „Genieße den Tag“ trifft den eigentlichen Kern der Redewendung nur unzulänglich. Die der natürlichen Welt entlehnte Metapher ruft ein Bild des Pflückens von Blumen oder Früchten wach, als eines im sinnlichen Erleben der Natur wurzelnden Augenblicks.

Genau das empfinde ich letztes Wochenende, als eine Teilnehmerin der Schreibwerkstatt, die ich besuche, „Pflücke den Tag“ in ihrem Text verwendet. Eine saftige reife Frucht, eine Nektarine, erscheint vor meinem inneren Auge, ich pflücke sie, die Nektarine ist der Tag, ich atme den süßen Duft und beiße hinein.

reife Nektarinen an einem Baum, frühmorgens
Bild: fir0002 flagstaffotos [at] gmail.com Canon 20D + Tamron 28-75mm f/2.8, GFDL 1.2, via Wikimedia Commons