Monatsarchiv: August 2024

Zwei Wochen am Iseosee: Iseo (Teil 3 von 9)

Das Städtchen Iseo am südlichen Ende des Sees gibt ihm seinen Namen. Eine gelungene Uferpromenade und ein hübscher Ortskern laden zum Flanieren ein. Augenscheinlich mögen die Lombarden große Tiere, die an Gurten schweben. In Iseo trifft man auf ein Rhinozeros (wie in Brescia) und einen Elefanten. An der Piazza del Sagrato finden sich gleich drei Kirchenbauten. In der einen Kirche zeigen Fresken Szenen eines Totentanzes. Direkt vor dem Eingang noch ein Rhinozeros: diesmal metallisch verhüllt. Kurz vor der Heimfahrt mit der Iseobahn noch ein Eis in der Waffel: Waldbeere und Schokolade.

An einem anderen Tag erkunden wir die Torbiere del Sebino, ein großes Naturschutzgebiet, das direkt am südwestlichen Ende von Iseo beginnt. Die Torfmoore sind Heimat für viele, teils seltene Wasservögel. Von drei Haupteingängen aus, die an verschiedenen Enden der Moorlandschaft liegen, kann man auf Entdeckungsreise gehen. Zu Beginn unserer Tour verläuft der Weg leider in unmittelbarer Nähe der vielbefahrenen Straße. Der Lärm mindert das Naturerlebnis, die Blicke sind trotzdem schön. Später rückt die Straße zum Glück in etwas weitere Entfernung. Besonders reizvoll finde ich den südlichen Teil, der am Monastero di San Pietro in Lamosa beginnt. Der Weg ist gesäumt von Olivenbäumen und Schilf. Gegen Ende des Rundgangs begegnen uns zwei junge Kaninchen, die sich bei ihrem Nachmittagssnack kaum stören lassen.

Aufmunterung der Woche (31/2024)

Latein habe ich nie gelernt, aber seit ich als Teenager Der Club der toten Dichter gesehen habe, kenne ich zumindest einen lateinischen Sinnspruch: Carpe diem. Als Übersetzung war mir „Nutze den Tag“ (bzw. englisch „seize the day“) geläufig. Das Verb „carpere“ kann jedoch auch mit „pflücken“ übersetzt werden. So wird aus „nutzen“ „pflücken“:

Pflücke den Tag.

Wikipedia nennt „Pflücke den Tag“ als wörtliche Übersetzung von Horaz‘ „Carpe diem“ und schreibt weiter:
„Nutze den Tag“ oder „Genieße den Tag“ trifft den eigentlichen Kern der Redewendung nur unzulänglich. Die der natürlichen Welt entlehnte Metapher ruft ein Bild des Pflückens von Blumen oder Früchten wach, als eines im sinnlichen Erleben der Natur wurzelnden Augenblicks.

Genau das empfinde ich letztes Wochenende, als eine Teilnehmerin der Schreibwerkstatt, die ich besuche, „Pflücke den Tag“ in ihrem Text verwendet. Eine saftige reife Frucht, eine Nektarine, erscheint vor meinem inneren Auge, ich pflücke sie, die Nektarine ist der Tag, ich atme den süßen Duft und beiße hinein.

reife Nektarinen an einem Baum, frühmorgens
Bild: fir0002 flagstaffotos [at] gmail.com Canon 20D + Tamron 28-75mm f/2.8, GFDL 1.2, via Wikimedia Commons

Zwei Wochen am Iseosee: Passegiata Vello – Toline (Teil 2 von 9)

Unsere wunderbare Ferienwohnung liegt in Vello, einem Ortsteil von Marone. Am nördlichen Ende von Vello beginnt die sogenannte Passegiata Vello – Toline. Die frühere Küstenstraße wurde vor einigen Jahren für den Autoverkehr gesperrt und ist nun Radfahrern und Spaziergängern vorbehalten.

Seeuferspaziergang Vello – Toline
Autostraße,
früher einmal
Felsen ragen auf
Grüne Hügel, sanfte Wellen
Häuser an den Hang geklebt
Feigenbäume, Eidechsen beim Sonnenbad
Frischer Wind, Gewitterwolken
Schnell nach
Haus!