Archiv der Kategorie: Lyrik der Woche

Lyrik der Woche (32/2019)

Diese und nächste Woche führt uns die Lyrik der Woche in den Wald. Zuerst finden wir uns mit Theodor Storm „Im Walde“.

Im Walde

Hier an der Bergeshalde
Verstummet ganz der Wind;
Die Zweige hängen nieder,
Darunter sitzt das Kind.

Sie sitzt in Thymiane,
Sie sitzt in lauter Duft;
Die blauen Fliegen summen
Und blitzen durch die Luft.

Es steht der Wald so schweigend,
Sie schaut so klug darein;
Um ihre braunen Locken
Hinfließt der Sonnenschein.

Der Kuckuck lacht von ferne,
Es geht mir durch den Sinn:
Sie hat die goldnen Augen
Der Waldeskönigin.

Lyrik der Woche (31/2019)

Erich Kästner hat für jeden Monat des Jahres ein Gedicht geschrieben. Die letzte Strophe des „August“ ist die Lyrik der Woche.

Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Lyrik der Woche (30/2019)

Es ist wieder heiß. So auch in Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht „Sommer“. Hier die zweite Strophe.

Kein Vogel zirpt, es bellt kein Hund;
Allein die bunte Fliegenbrut
Summt auf und nieder über’n Rain
Und lässt sich rösten in der Glut.

Lyrik der Woche (29/2019)

1956 veröffentlichte Ingeborg Bachmann ihr Gedicht „Reklame“, wohl beeinflusst von einem Aufenthalt in den USA. Die Traumwäscherei ist heutzutage voller denn je…

Reklame

Wohin aber gehen wir
ohne sorge sei ohne sorge
wenn es dunkel und wenn es kalt wird
sei ohne sorge
aber
mit musik
was sollen wir tun
heiter und mit musik
und denken
heiter
angesichts eines Endes
mit musik
und wohin tragen wir
am besten
unsre Fragen und den Schauer aller Jahre
in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge
was aber geschieht
am besten
wenn Totenstille

eintritt

Lyrik der Woche (28/2019)

Gestern Abend lief auf Arte eine spannende Dokumentation über George Michael (bis zum 16.08.2019 in der Arte Mediathek). Anfang der 1990er wollte er zwar Songs veröffentlichen, sich aber vom Medienrummel fernhalten. Auf dem Cover seines Albums „Listen Without Prejudice“ steht weder sein Name noch ist er selbst darauf abgebildet. George Michael wollte sich befreien und hat die dazu passende Hymne geschrieben: Freedom! ´90.

I won’t let you down
I will not give you up
Gotta have some faith in the sound
It’s the one good thing that I’ve got
I won’t let you down
So please don’t give me up
´Cause I would really, really love to stick around

All we have to see
Is that I don’t belong to you
And you don’t belong to me

You’ve gotta give for what you take

Konsequenterweise ist George Michael im Video zu Freedom! ´90 nicht zu sehen – dafür die fünf Topmodels der damaligen Zeit.

Lyrik der Woche (27/2019)

In Gottfried Kellers Gedicht „Die Zeit geht nicht“ steckt Nachdenkenswertes. Die 3. Strophe:

Es blitzt ein Tropfen Morgentau
Im Strahl des Sonnenlichts;
Ein Tag kann eine Perle sein
Und ein Jahrhundert nichts!

Und eine Rezitation von Fritz Stavenhagen:

Lyrik der Woche (26/2019)

Diese Woche kann es nur eine Lyrik geben: 36 Grad von 2raumwohnung, der Refrain.

36 Grad und es wird noch heißer
mach den Beat nie wieder leiser
36 Grad kein Ventilator
das Leben kommt mir gar nicht hart vor
36 Grad
36 Grad

Lyrik der Woche (25/2019)

Heute ist Weltflüchtlingstag. Die Lyrik der Woche kommt von Mahdi Hashemi. Seine Stimme wurde durch The Poetry Project hörbar.

Wie ein Pfeil

Einen Monat lang ging die Reise,
die keine Reise war,
sondern ein Schrecken,
in das Land der Hoffnung.

Jetzt warte ich auf ein Papier,
das vielleicht Bitterkeit enthält und Trauer.
Und fühle mich wie ein Pfeil.
Verschossen.
Der zurückkehren soll
zu seinem Bogen.

Lyrik der Woche (24/2019)

Sonnenschein bringt gute Laune! Die Stimmung ist spitze, alle sind froh! Wir kennen weder Traurigkeit noch Sorge! Uns geht’s immer gut!
Immer gut? Nein. Ricarda Huch hat den tiefen Schmerz in berührende Verse gefasst.

Nicht alle Schmerzen sind heilbar

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.

Lyrik der Woche (23/2019)

Heute vor einer Woche verbrachten wir einen legeren letzten Urlaubstag in Rennes. Unter anderem flanierten wir im Parc du Thabor, dem weitläufigen und sehr schön angelegten Stadtpark. Ein üppiger Rosengarten lud ein zum Lustwandeln und Fotografieren.

Ohne Warum

Die Ros‘ ist ohn‘ Warum: sie blühet, weil sie blühet!
Sie acht’t nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.

Angelus Silesius (Johannes Scheffler)