Archiv der Kategorie: Lyrik der Woche

Lyrik der Woche (39/2019)

Der Herbst ist viel besungen. Auch der Schweizer Dichter Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis hat einen Beitrag geleistet. Hier die erste Strophe seines Herbstliedes.

Bunt sind schon die Wälder;
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.

Lyrik der Woche (38/2019)

Lektion für diese Woche: Wir sehen der dunklen Jahreszeit gelassen entgegen. Unsere Trainerin: Annette von Droste-Hülshoff. Kursinhalt: Strophen 2 und 3 ihres Gedichtes „Herbst“.

Wenn die Zeitlose übers Tal
Den amethystnen Teppich webt,
Auf dem der letzte Schmetterling
So schillernd wie der frühste bebt:

Dann denk ich wenig drüber nach,
Wie’s nun verkümmert Tag für Tag,
Und kann mit halbverschloßnem Blick
Vom Lenze träumen und von Glück.

Lyrik der Woche (37/2019)

Wunderbar ist er, der spätsommerliche Frühherbst!

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel

Lyrik der Woche (36/2019)

Mit Friedrich Hebbel haben wir uns letzte Woche vom Sommer verabschiedet, aber keine Furcht! Der Herbst wird in Schönheit leuchten! So wie der Septembermorgen von Eduard Mörike.

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt.
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt.
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Lyrik der Woche (35/2019)

Der meteorologische Sommer endet am Sonntag. Vom Ende des Sommers und der dazugehörigen Wehmut erzählt Friedrich Hebbels „Sommerbild“.

Sommerbild

Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,
Sie war, als ob sie bluten könne, rot;
Da sprach ich schauernd im Vorübergehn:
So weit im Leben, ist zu nah am Tod!

Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,
Nur leise strich ein weißer Schmetterling;
Doch, ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag
Bewegte, sie empfand es und verging.

Lyrik der Woche (34/2019)

Die Lyrik dieser Woche kommt nicht von verdienten Dichtern, sondern von vielen fröhlichen Kindern auf dem Spielplatz direkt vor unserer Haustür. Zu vernehmen hautsächlich vom Karussell, aber auch schon mal von der Schaukel, so wie heute am frühen Abend von einem glucksenden Jungen.

Die Lyrik der Woche lautet kurz und bündig:

Schneller
Propeller

🙂

Lyrik der Woche (33/2019)

Im Wald ist es weniger einsam als man denken könnte. Theodor Storm traf letzte Woche auf die Waldeskönigin. Auch dem Mädchen in meiner Geschichte „Die Lichtung“ steht eine Begegnung bevor. Und mit wem bekommen wir es in Joseph von Eichendorffs Gedicht „Waldgespräch“ zu tun?

Waldgespräch

Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Was reit’st du einsam durch den Wald?
Der Wald ist lang, du bist allein,
Du schöne Braut! Ich führ’ dich heim!

„Groß ist der Männer Trug und List,
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
Wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin.“

So reich geschmückt ist Roß und Weib,
So wunderschön der junge Leib,
Jetzt kenn’ ich dich – Gott steh’ mir bei!
Du bist die Hexe Lorelei.

„Du kennst mich wohl – von hohem Stein
Schaut still mein Schloß tief in den Rhein.
Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Kommst nimmermehr aus diesem Wald!“