Zwei Wochen am Iseosee: das Schönste für jeden Sinn (Teil 9 von 9)

Am Ende des Urlaubs fragen wir uns, was uns besten gefallen hat, was die eine schönste Sache war. Die Antwort ist schnell klar: die eine schönste Sache gab es nicht. Es gab viele schönste Sachen! Mindestens eine schönste Sache für jeden Sinn.

Fürs Auge: die Aussicht auf den See
Der unverstellte Blick aufs Wasser von unserer Wohnung beruhigt und entspannt. So betrachte ich oft die Spiegelung der grünen Hügel und das strahlende Blau bei Sonnenschein, beobachte die sanften Wellen und die leichte Strömung oder folge einem Boot für ein paar Augenblicke, bevor ich wieder in mein Buch versinke…

Fürs Ohr: das Glockenläuten von Santa Eufemia
In Sicht- und Hörweite unserer Wohnung befindet sich die Kirche von Vello. Der Glockenschlag zur vollen und halben Stunde gibt zeitliche Orientierung; nachts wird geruht. Jeden Abend um halb acht läuten die Glocken eine Melodie. Oft ist es das Finale aus Beethovens 9. Sinfonie, die Ode an die Freude, die Europahymne. Manchmal singe ich leise mit: Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium. Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum…

Für die Nase: der betörende Duft des Sternjasmin
Zum ersten Mal fällt mir der Geruch in Marone auf. Er kommt von einem üppigen Kletterbusch, der eine Steinmauer bedeckt. Ich stecke meine Nase in die kleinen sternförmigen weißen Blüten. Der warme, süße Duft lässt mich lächeln. Ich mache ein Foto, um später herauszufinden, was das für eine Pflanze ist. Wir finden Sternjasmin an vielen Stellen, vor allem in Ortschaften. Sternjasmin wird als leicht giftig eingestuft und kann Kopfschmerzen verursachen. Das passiert bei mir nicht, mich macht der Duft einfach nur glücklich.

Für den Gaumen: Eisessen im Strandcafé Barbar in Marone
Eiscreme gehört einfach zu einem Urlaub in Italien. Gleich zu Beginn entdecken wir die Barbar direkt am Seeufer am Ortsende von Marone. Wir bestellen Eis und Cappuccino. Beides schmeckt exzellent und so wird die Barbar für zwei Wochen unser Stammcafé.

Für die Hände: Kaffeezubereitung mit dem Espressokocher
Urlaub tut auch deshalb gut, weil man andere Handgriffe erledigt als üblich, auch für gewohnte Tätigkeiten wie z.B. das Zubereiten von Kaffee. In unserer Ferienwohnung gibt es einen typisch italienischen Espressokocher für den Herd. Zu Hause haben wir so etwas nicht. Und auch keinen Gasherd. Die Kaffeezubereitung wird so zu etwas Besonderem, einem Urlaubssouvenir.

Am 04. Juni fahren wir nach Hause. Glücklich, entspannt, aufgetankt. Und darauf vorbereitet, dass wir möglicherweise nicht reibungslos nach Hause kommen. Der Starkregen Ende Mai hat in Süddeutschland schwere Schäden angerichtet und die Bahnverbindungen weitgehend lahm gelegt. Wir haben aber Glück. Der Eurocity von Verona holt seine Verspätung fast wieder ein, bis wir in München einfahren. Der gebuchte ICE nach Nürnberg steht am Abfahrtsgleis bereit. Und steht und steht… aber wir sitzen bequem und sind geduldig. Schließlich fahren wir los und kommen nach langer Fahrt erschöpft und zufrieden zu Hause an.

Grazie per la meravigliosa vacanza, bellissima Italia!

Zwei Wochen am Iseosee: Heimatgefühle (Teil 8 von 9)

Nach gut einer Woche in Vello passiert, was in jedem tollen Urlaub passiert: Wir fühlen uns zu Hause und scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten sind der Quell für Glücksmomente und Zufriedenheit.

Vello
Ferienzuhause
Seeblick entspannt
Schwalbenzwitschern, Spatzentschilpen, Entenschnattern
Zitronenbaum vor der Tür
Kirche untertunnelt für die Iseobahn
Glocken läuten Beethovens Neunte
Olivenblütenregen am Gartentor
Süßes Leben
Urlaubsglück

Zwei Wochen am Iseosee: noch drei Wanderungen (Teil 7 von 9)

Von Bossico zur Fonte Fredda
Vom Bergdorf Bossico im Norden des Sees bei strahlendem Sonnenschein zur Ortschaft Ceratello. Wunderbare Blicke auf den See nach Süden hin, im Norden entdeckt man ferne schneebedeckte Gipfel. Wir gelangen in den Wald, die Route führt nun stetig bergauf. Unser Ziel: die Fonte Fredda, eine kalte Quelle. Nun ja, eher ein Wasserhahn… das Wasser ist jedenfalls erfrischend. Weiter durch grün leuchtenden Wald, immer wieder weite Blicke, eine Bergalm, später Wiesen und schließlich wieder Bossico.

Zur Panchina Gigante bei Riva di Solto
Vom hübschen Küstenort Riva di Solto aus bergan zum Weiler Zangolo und weiter zum idyllisch gelegenen Ort Fonteno. Von dort führt ein breiter schattiger Weg zur Panchina Gigante, einer überdimensional großen Parkbank, von der aus man Blicke über Riva di Solto und den nördlichen Teil des Sees genießen kann. Durch Wald, Wiesen und die Ausläufer von Riva di Solto wieder zurück ans Seeufer, wo diesmal kein Eis, sondern eine kalte Cola erfrischt.

Von Nistisino zur Santa Maria del Giogo
Abenteuerliche Autofahrt auf engen steilen Straßen in den Ort Nistisino. Leicht bergan durch lichten Wald zur Santuario del Santa Maria del Giogo. Das Kirchengebäude ist leider abgeschlossen, der Kirchplatz lädt jedoch zur Rast ein. Der Rückweg verläuft über den Sentiero degli Elfi. Elfen sehen wir keine, dafür den See und die Monte Isola aus neuem Blickwinkel, Bäume und Blümchen, weidende Kühe und ganz zum Schluss, zurück in Nistisino, sehr viele Wanderwegweiser.

Es ist unser letzter Urlaubstag und nachdem wir die Rückfahrt auf einer etwas längeren und nervenschonenderen Route gemeistert haben, genießen wir einen letzten großen Eisbecher in unserem Lieblingscafé in Marone. Hach!

Aufmunterung der Woche (33/2024)

Eine Mission im Leben zu haben, kann vorteilhaft sein. Die von Maya Angelou spricht mich sehr an.

My mission in life is not merely to survive, but to thrive; and to do so with some passion, some compassion, some humor and some style.
Maya Angelou

Zwei Wochen am Iseosee: Corna Trentapassi (Teil 6 von 9)

Hinter unserem Ferienhaus in Vello ragt einer der schönsten Aussichtsberge des Iseosees auf: die Corna Trentapassi. Der Aufstieg zum 1.248 m hohen Gipfel ist direkt von Vello aus möglich, wir wählen jedoch Zone, einen höher gelegenen Ortsteil von Marone, als Ausgangspunkt. Das sind immer noch knapp 600 Höhenmeter – für mich herausfordernd genug.

Corna Trentapassi
Start
in Zone
Hinauf durch Wald
Steile Rampen und Kehren
Wald endet, du trittst heraus:
Herrliche Blicke auf Täler und See
Weiter über den steilen Bergrücken
Verdiente Rast am Gipfelkreuz
Schmetterling und Sonnenschein
Vorsichtiger Abstieg
Geschafft!

Zwei Wochen am Iseosee: Monte Isola (Teil 5 von 9)

Die Monte Isola misst knapp 5 km2 und ist damit die größte Binnenseeinsel Südeuropas. Von der Ostseite des Iseosees ist sie ganz leicht mit Shuttle-Booten zu erreichen. Der höchste Punkt der Insel ist die Kirche Santuario della Madonna della Ceriola. Ein beliebtes Wanderziel – auch für uns.

Monte Isola
Bootsfahrt,
fünf Minuten
Pescheria Maraglio pittoresk
Kurzer Bummel, dann hinauf
Waldweg, Weiler, drei Tropfen Regen
Am Kreuzweg entlang das letzte Stück
zum Ziel Santuario della Madonna della Ceriola
Ruhemoment: am Marienbildnis ein Licht entzünden
Rundumblick auf Insel und See
Hinab durch Olivenhaine, Blumenwiesen,
Steinhäuser im Sonnenschein
Ausklang in
Carzano

Aufmunterung der Woche (32/2024)

Seit letzter Woche ist es veröffentlicht, das Programm des 44. Erlanger Poet*innenfestes. Bei der „Revue der Neuerscheinungen“ kenne ich diesmal kaum einen Namen. Viel Potenzial also für spannende Entdeckungen. Ich freu mich!

Jenny Erpenbeck 2021 bei ihrer Lesung aus „Kairos“, für das sie dieses Jahr als erste Deutsche den International Booker Prize erhalten hat. Am 31.08. gibt es einen Autorinnenabend mit ihr im Markgrafentheater.

Zwei Wochen am Iseosee: Marone (Teil 4 von 9)

Marone liegt wunderschön unterhalb eines Bergmassivs, das den Süden des Sees vom Norden trennt. Der ruhige Ortskern von Marone ist 2 km von unserer Ferienwohnung entfernt und wir gehen dorthin häufig zu Fuß: zum Einkaufen, zum Wandern und zum Eisessen.

Marone
Sternjasminduft
Ruhige Gassen
Uferpromenade zum Flanieren
Olivenbäume begleiten den Aufstieg
zur Eremo di San Pietro
Weite Blicke und Glockengeläut
Rückweg im Sonnenschein
Eisbecher im
Strandcafé

Zwei Wochen am Iseosee: Iseo (Teil 3 von 9)

Das Städtchen Iseo am südlichen Ende des Sees gibt ihm seinen Namen. Eine gelungene Uferpromenade und ein hübscher Ortskern laden zum Flanieren ein. Augenscheinlich mögen die Lombarden große Tiere, die an Gurten schweben. In Iseo trifft man auf ein Rhinozeros (wie in Brescia) und einen Elefanten. An der Piazza del Sagrato finden sich gleich drei Kirchenbauten. In der einen Kirche zeigen Fresken Szenen eines Totentanzes. Direkt vor dem Eingang noch ein Rhinozeros: diesmal metallisch verhüllt. Kurz vor der Heimfahrt mit der Iseobahn noch ein Eis in der Waffel: Waldbeere und Schokolade.

An einem anderen Tag erkunden wir die Torbiere del Sebino, ein großes Naturschutzgebiet, das direkt am südwestlichen Ende von Iseo beginnt. Die Torfmoore sind Heimat für viele, teils seltene Wasservögel. Von drei Haupteingängen aus, die an verschiedenen Enden der Moorlandschaft liegen, kann man auf Entdeckungsreise gehen. Zu Beginn unserer Tour verläuft der Weg leider in unmittelbarer Nähe der vielbefahrenen Straße. Der Lärm mindert das Naturerlebnis, die Blicke sind trotzdem schön. Später rückt die Straße zum Glück in etwas weitere Entfernung. Besonders reizvoll finde ich den südlichen Teil, der am Monastero di San Pietro in Lamosa beginnt. Der Weg ist gesäumt von Olivenbäumen und Schilf. Gegen Ende des Rundgangs begegnen uns zwei junge Kaninchen, die sich bei ihrem Nachmittagssnack kaum stören lassen.

Aufmunterung der Woche (31/2024)

Latein habe ich nie gelernt, aber seit ich als Teenager Der Club der toten Dichter gesehen habe, kenne ich zumindest einen lateinischen Sinnspruch: Carpe diem. Als Übersetzung war mir „Nutze den Tag“ (bzw. englisch „seize the day“) geläufig. Das Verb „carpere“ kann jedoch auch mit „pflücken“ übersetzt werden. So wird aus „nutzen“ „pflücken“:

Pflücke den Tag.

Wikipedia nennt „Pflücke den Tag“ als wörtliche Übersetzung von Horaz‘ „Carpe diem“ und schreibt weiter:
„Nutze den Tag“ oder „Genieße den Tag“ trifft den eigentlichen Kern der Redewendung nur unzulänglich. Die der natürlichen Welt entlehnte Metapher ruft ein Bild des Pflückens von Blumen oder Früchten wach, als eines im sinnlichen Erleben der Natur wurzelnden Augenblicks.

Genau das empfinde ich letztes Wochenende, als eine Teilnehmerin der Schreibwerkstatt, die ich besuche, „Pflücke den Tag“ in ihrem Text verwendet. Eine saftige reife Frucht, eine Nektarine, erscheint vor meinem inneren Auge, ich pflücke sie, die Nektarine ist der Tag, ich atme den süßen Duft und beiße hinein.

reife Nektarinen an einem Baum, frühmorgens
Bild: fir0002 flagstaffotos [at] gmail.com Canon 20D + Tamron 28-75mm f/2.8, GFDL 1.2, via Wikimedia Commons