Monatsarchiv: März 2007

Watch out!

Erinnerungen können wie Meuchelmörder sein. Sie beobachten dich aus dem Hinterhalt und in dem Moment, in dem du es am wenigsten erwartest, strecken sie dich nieder. Und wenn sie mit dir fertig sind, lassen sie dich nach Hilfe röchelnd in einer dunklen Gasse liegen. Es ist ihnen egal, ob du dich wieder aufrappelst oder zugrunde gehst. 

Das sind natürlich nicht die Erinnerungen an fröhliche Kindergeburtstage oder den Schuhkauf vom letzten Samstag. Es sind die Erinnerungen an Niederlagen, Peinlichkeiten oder am allerliebsten an unglückliche Liebesgeschichten. Je echter die Liebe und je ungewollter das Ende, umso hartnäckiger die Erinnerungen. 

Was tut man mit solchen Erinnerungen? Jeder, der es schon mal ausprobiert hat, weiß, dass vergessen nicht klappt. Je mehr man sich bemüht, umso tiefer gräbt sich die scharfe Klinge ins Fleisch. Was man tun sollte, ist versuchen, Frieden zu schließen. Nicht mit der Erinnerung, sondern mit dem Ereignis, der Person, den Umständen, die dahinter stecken. Wenn das gelingt, sind die Erinnerungen weitgehend entwaffnet und werden überwiegend harmlos. Der Friedensschluss ist manchmal leichter als erwartet, häufig kostet er viel Kraft und in einigen Fällen ist er tatsächlich unmöglich. Dann ist es ein guter Weg, sich jemandem anzuvertrauen, der einem hilft, die Wunden zu versorgen. 

Aber Achtung! Vertraue dem Frieden nicht blind! Es ist schon manch einer mit dem Dolch im Rücken neben dem Verhandlungstisch gefunden worden.

Dein Geist

Schon wieder Liebe. Inspiriert von einem Song von Michael Stipe und Kristin Hersh.  

Dein Geist

Dein Geist

Ich kann dich spüren, wenn ich nachts mit geschlossenen Augen daliege. Sobald ich die Augen öffne, bin ich allein und weiß, dass du nie wieder kommst. Manchmal gehe ich zum Telefon und fange an, deine Nummer zu wählen. Mittendrin lege ich wieder auf, denn es wird niemand abnehmen. Wenn ich tagsüber etwas Besonderes erlebe, freue ich mich darauf, dir davon zu erzählen. Doch abends bin ich stumm, denn wir sprechen uns nie wieder.

Wir dachten, unsere Welt hätte keine Grenzen. Wir dachten, unsere Armada wäre unbesiegbar. Wir. Ich war mit dir. Und jetzt weiß ich nicht mehr, wer ich selbst bin.  Die Erinnerung an dich lauert an allen unseren Orten. Sie klebt an jedem Gegenstand, den du gebraucht hast. Hat sich eingeätzt in meine Haut, mein Gesicht, meine Fingerspitzen.

Kannst du nicht deinen Geist schicken, der sich neben mich legt, wenn ich nachts nicht schlafen kann? Der den Hörer abnimmt, wenn ich anrufe. Der zuhört, wenn ich von meinem Tag erzähle. Kannst du das, mein Geliebter?