Monatsarchiv: April 2009

Alles Käse? Eben nicht…


Neulich beim Zappen: ein Bericht im ZDF. Thema: Analog-Käse. Analog-Käse?  Ein „preiswertes Gemisch aus Pflanzenfett, Milchpulver und Geschmacksverstärkern“ (Heise). Was fehlt, ist das Milchfett, also die frische Milch.

 

Bei Lebensmittelherstellern ist dieses Käse-Imitat sehr beliebt: Zum einen ist es deutlich billiger als echter Käse, weil Pflanzenfett viel weniger kostet als Milchfett. Zum anderen ist das Zeug auch noch besser verarbeitbar, weil es doppelt so hohe Temperaturen aushält, bevor es anbrennt. So kann Tiefkühlpizza doppelt so schnell gebacken werden, mit einer entsprechenden Steigerung der Produktionszahlen.

 

Käse-Imitat muss nicht gekennzeichnet werden, aber man darf es auch nicht „Käse“ nennen, sagen die deutsche Käse-Verordnung und eine EU-Verordnung. Da nimmt es der Handel aber nicht so genau…

 

Resultat: Es ist nicht alles Käse, was gelb ist und sich in die Länge zieht… Wer weiß, wie oft ich schon den Kühen gedachte, die für mein Käsebrötchen gemolken werden mussten – und dann war die Kuh in Wirklichkeit ein Korn…

 

Ich bin nicht ganz schlüssig, was ich von der Sache halten soll… Ist auf jeden Fall einmal mehr eine schräge Geldmacherei mit Lebensmitteln…

 

Vielleicht ist es vom Prinzip her aber gar nicht so schlecht. In meiner Vegetarier-Zeit war ich stets angetan, wenn ich ein tierisches Produkt durch ein gleichwertiges pflanzliches ersetzen konnte. Kann der Pflanzen-Käse Tiere vor Massenhaltung retten? Wird dadurch gar die CO2-Bilanz verbessert und die globale Erwärmung gestoppt? 

 

Jedenfalls möchte ich gerne wissen, was ich zu mir nehme. Das ist offensichtlich durch die Gesetzgebung nicht sichergestellt. Was kann man tun? Bewusst und hochwertig einkaufen und möglichst auf Fertigkram verzichten.

 

Damit steigt zumindest die Chance, dass man tatsächlich das isst, was man glaubt zu essen. Und vielleicht sollte man bei der nächsten Bestellung beim Italiener auch einfach nachfragen, ob denn echter Käse verwendet wird. Das garantiert natürlich keine ehrliche Antwort, aber schaden kann es auch nicht.

 

Weitere Info:

http://www.heise.de/tp/blogs/6/136527

 

http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/10/0,1872,7552586,00.html

Von turbulenten Zeiten, überschrittenen Grenzen und wie man überlebt


Mein Leben besteht im Moment nahezu ausschließlich aus Veränderung und Stress – sowohl arbeitstechnisch als auch privat.

 

Die Liste ist lang; fangen wir im Job an: Viele wichtige Kollegen verlassen die Firma; mein eigenes Arbeitspensum und der Leistungsdruck sind dadurch so hoch wie nie; anderen Kollegen geht es ganz genauso; gleichzeitig müssen wir unsere Arbeitsabläufe grundsätzlich an die neue Lage anpassen; und selbstverständlich ist es auch ein persönlicher Verlust, der emotional verarbeitet werden will, wenn jemand nach Jahren enger Zusammenarbeit geht.

 

Privat geht es auch rund: Meine Mitbewohnerin zieht aus; diverser Orga-Kram, Entrümpeln und Möbel-Tragen stehen also an. Im Sommer zieht dann mein Freund ein. Das ist natürlich klasse; wir können die Wohnung neu gestalten und es uns richtig schön machen, aber auch dadurch entsteht Stress, wenn auch positiver.

 

In Summe führt die Situation zu schlechtem Schlaf, schwankender Stimmung und der Unfähigkeit zu entspannen. Der Job hat sich in meinem Kopf so breit gemacht, dass für andere Dinge kaum Platz ist; meine Kreativität ist gelähmt; meine Zuversicht weitgehend ausgeschöpft. Manchmal würde ich am liebsten weglaufen und nie mehr wiederkommen.

 

Aber ich bleibe und gebe mein Bestes. Warum? Sicher auch aus Pflichtbewusstsein und persönlichem Ehrgeiz. Das ist aber nicht alles. Zwei weitere Dinge kommen dazu.

 

Erstens: die Menschen, mit denen ich arbeite. Es ist immer wieder eine Freude, gemeinsam im Team ein hervorragendes Ergebnis zu schaffen. Und zu merken, dass diese Ergebnisse im Lauf der Zeit immer besser und einzigartiger werden. Das klingt vielleicht hochtrabend – aber ich empfinde das tatsächlich so. Es tut auch gut, wenn Kollegen, die nicht direkt mit mir im Team arbeiten, ein offenes Ohr für meine Sorgen und Nöte haben. Auch ganz wichtig: sich der Unterstützung der Chefs sicher sein zu können. Glücklicherweise ist auch das gegeben. Zu den tollen Leuten im Job gesellen sich sehr liebe Menschen im Privatleben, die mir Geborgenheit und Stärke und Ablenkung geben – ohne sie wäre ich aufgeschmissen.

 

Zweitens: die Einsicht, dass die Situation Gelegenheit zur Weiterentwicklung bietet. Veränderung birgt immer die Chance zur Verbesserung. Eingefahrene Handlungsweisen können hinterfragt und neu ausgerichtet werden. Und auf einer persönlichen Ebene: An die eigenen Grenzen zu gehen und auch einmal darüber hinaus, macht bewusst, wo man steht und was man kann. Frei nach dem Motto „was mich nicht umbringt, macht mich stärker“, wächst man daran auch. Ich weiß aber, dass ich die Grenzen gerade zu dauerhaft überschreite und werde mir Mühe geben, einen Gang zurück zu schalten.

 

Mein Fazit, frei nach Alanis Morissette (… was würde ich nur ohne sie tun): Eine harte Zeit grade, und da muss ich durch, aber letzten Endes ist alles fein.