Monatsarchiv: Juni 2009

Top 3: Warum Essen (gehen) in Frankreich so toll ist

Ich esse auch Zuhause gern. In Frankreich allerdings… da esse ich noch viel lieber. 🙂 Warum?

1: Die Lebensmittel selbst. Der durchschnittliche französische Supermarkt schlägt den deutschen um Längen. Vor allem bei der Vielfalt an Käse-, Wurst- und Fischtheke, aber auch beim Angebot von frischem Brot und Gebäck. Und selbst die Produkte, die an sich das Gleiche sind wie hier, wirken ein bisschen exotisch, weil die Packung vielleicht eine andere Form hat oder anders geöffnet wird und natürlich weil sie mit ganz anderen Worten bedruckt sind. Da ist es nicht verwunderlich, wenn einen gegen Ende des Urlaubs ausgerechnet im Supermarkt eine Wehmutswelle überspült.

2: Das Konzept „Menü“. Bei uns wenig verbreitet, in Frankreich so gut wie überall und sowohl mittags als auch abends zu haben: das Menü zum Festpreis. Meist drei Gänge, die man sich aus einer kleinen Auswahl an Vor-, Haupt- und Nachspeise kombinieren kann. Das ist nicht nur reizvoll durch die Abwechslung von verschiedenen Gerichten, das ist auch noch gesund, weil man sich automatisch mehr Zeit zum Essen nimmt. Und zur Abrundung ein café. Formidable!  

3: Das Bezahlen. Selbst den Pflichtteil kann man elegant gestalten: komplette Rechnung auf dem Tellerchen oder kreativen Varianten, Geld hin, Wechselgeld zurück, Trinkgeld liegen gelassen. Zugegeben, früher mochte ich das nicht. Da wollte ich vor allem in der Gruppe bitteschön genau abrechnen. Damals war ich aber auch noch eine bettelarme Studentin. Inzwischen kann ich glücklicherweise deutlich gelassener mit Geld umgehen – und das drückt diese Art des Bezahlens auch aus: Gelassenheit. Und so kann es nach dem Essen weiter gehen.

Ach, ich sag’s euch: Ich freu mich schon aufs nächste Mal!

Blick auf Bonifacio

Reise in die Vergangenheit

Bei der Hochzeit eines engen Freundes aus Schulzeiten letzten Freitag habe ich einige liebe Leute nach vielen Jahren wiedergesehen. Darauf hatte ich mich richtig gefreut – und es war genau so schön, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es ist spannend, Menschen zu treffen, die einem vor Langem nahe gestanden haben und die man aus den Augen verloren hatte.

Dadurch, dass alte Geschichten und Situationen erzählt werden, leben versunkene Bilder und Gefühlswelten wieder auf. Das ist ein bisschen so, wie sich selbst zu treffen, wie man früher einmal war.

Ähnlich ging es mir, als ich für den Urlaub die Musikauswahl auf meinem mp3-Player aktualisiert habe. Ich habe ein paar uralte CDs in die Hand genommen und Lieder kopiert, die ich Mitte der Neunziger oder noch früher gehört habe. Und auch hier der Effekt: die eigene Vergangenheit lebt auf und wirkt ein zartes Band in die Gegenwart.

Das hat nichts mit Früher-war-alles-besser-Nostalgik zu tun. Vielmehr mit der Würdigung des eigenen Lebensweges. Einer der Vorteile am Älterwerden ist ja, dass man eine eigene Vergangenheit hat, aus der man für die Gegenwart und Zukunft schöpfen kann.

Ich erinnere mich an Dinge, die mir früher wichtig waren, für die ich mich eingesetzt habe, über die ich mich selbst und andere definiert habe. Über einige kann und muss ich heute lächeln – aber andere schätze ich immer noch wert, sie sind nur ins Hintertreffen geraten im Strudel der zunehmenden Alltagsverpflichtungen.

Doch gerade in Zeiten der Veränderung ist es wertvoll, sich an ganz Altes zu erinnern. Es hilft, sich auf den Kern der eigenen Werte rückzubesinnen und gibt ein Stück von dem Halt und dem Urvertrauen ins Leben, die man braucht und nach denen man sich sehnt.