Tagesarchiv: 16. Juni 2010

Wenn der Tod eine Geschichte erzählt

Liesel Meminger ist neun Jahre alt, als ihre Mutter sie zu Pflegeeltern gibt. In Nazi-Deutschland 1939 fürchtet Liesels Mutter, ins Konzentrationslager deportiert zu werden. Liesel lebt fortan bei den Hubermanns in Molching nahe München. Dort erwarten sie harte Arbeit, viele Watschen und dünne Erbsensuppe; aber auch liebevolle Fürsorge, nächtliche Unterrichtsstunden im Lesen und ein schicksalhaftes Akkordeon. Ebenso treten auf: ein Jude im Keller, ein verliebter bester Freund  und diverse Bücher, die den Besitzer wechseln.

In seinem Buch „The Book Thief“ lässt Markus Zusak den Tod höchstpersönlich die Geschichte der Bücherdiebin Liesel erzählen. Das Beeindruckende an diesem Buch ist nicht, dass man Liesel liebgewinnt und mit ihr hofft und bangt.  Und auch nicht, dass man – einmal mehr – die Verbrechen der Nazis und Mitläufer aus ganzem Herzen verabscheut. Mich hat an diesem Buch am meisten der Tod als erzählende Person beeindruckt.

Der Tod kommt und holt die Seelen – wenn ihre Zeit gekommen ist. Er ist unausweichlich, aber nicht hinterhältig. Den Krieg bezeichnet er als ungnädigen Chef, der ihm immer noch mehr Leistung abverlangt. Und diese Leistung erbringt der Tod, aber ohne Freude oder Genugtuung.

Zu mir nach Haus zum Tee hätte ich den Tod nun nicht gleich einladen wollen, aber gerne hätte ich mich mit ihm unterhalten. Hätte seine Meinung zu einigen Dingen erfahren wollen. Ich bin neugierig auf ihn geworden.

Sterben will ich natürlich noch lange nicht. Aber vielleicht wird es so sein, dass meine Seele dem Tod eines Tages aufrecht und unerschrocken begegnet – so wie auch einige der Seelen im Buch.