Mein Erlanger Poetenfest 2017

foto0885.jpgSchönstes Sommerwetter zum dritten Mal in Folge, die einmalig entspannte Atmosphäre im Schlossgarten und ein exzellentes Programm – was will man mehr?

Hier meine persönlichen Highlights.

Fatma Aydemir: Ellbogen
Die 17-jährige Deutsch-Türkin Hazal kämpft mit dem Erwachsenwerden, sucht nach ihrer Identität. Die Anforderungen der Eltern will sie nicht erfüllen, in der deutschen Gesellschaft fühlt sie sich nicht zugehörig. Der Erzählstil ist rau und rasant.

Theresia Enzensberger: Blaupause
Luise Schilling beginnt 1926 am Bauhaus Architektur studieren. Der Vater will sie lieber auf der Hausfrauenschule sehen und Walter Gropius schickt sie und die anderen Studentinnen an die Webstühle. Eine Emanzipations- und Zeitgeschichte.

Julia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen
Walter Nowak hält sich mit täglichem Schwimmen fit, denn dass er nicht mehr der Jüngste ist, will er nicht wahrhaben. Eines Tages jedoch bleibt Walter Nowak liegen, und zwar auf seinem eigenen Badezimmerboden, bewegungsunfähig. Sprachlich spannend, rhythmisch komponiert und sehr gut vorgetragen.

Kathrin Groß-Striffler: Eine Tasse Tee
„Eine Tasse Tee“ ist ein Erzählband. In „Die Hexe“ geht es um ein junges Mädchen, das zur Dorf-Clique gehören will, obwohl es weiß, dass das, was die anderen tun, nicht richtig ist. Ruhig und berührend erzählt.

Emilia Smechowski: Wir Strebermigranten
Perfekte Integration bis zur Verleugnung der ursprünglichen Identität. So lebt die Familie von Emilia Smechowski, die 1988 aus Polen in die Bundesrepublik migriert. Nun erzählt die Autorin in ihrem autobiografischen Roman davon.

Franzobel: Das Floß der Medusa
1816 läuft die französische Fregatte Méduse auf Grund und droht zu sinken. Weil viel zu wenige Rettungsboote an Bord sind, wird ein Floß gebaut, das 149 Menschen aufnimmt. 15 überleben. Franzobel verarbeitet die Ereignisse in einem Roman. Nichts für zarte Gemüter!

Sasha Marianna Salzmann: Außer sich
Die Geschichte einer Familie, russisch, jüdisch. Poetisch und humorvoll erzählt und wunderbar vorgetragen. Schon nach wenigen Minuten werden die Figuren lebendig und man will mehr über sie erfahren.

Ulla Hahn war leider erkrankt. Auf den vierten Teil von Hilla Palms Geschichte („Wir werden erwartet“) freue ich mich trotzdem schon sehr.

Am Sonntagabend zum krönenden Abschluss das Autorenporträt mit Michael Köhlmeier im Markgrafentheater. Ein sehr sympathischer Mensch, ein hervorragender Autor und ein begnadeter Erzähler. Es ist eine Freude, ihm zuzuhören. Meinetwegen hätte das Gespräch mit Verena Auffermann auch drei Stunden länger dauern dürfen.

Danach beseelt vom großen Glück der Literatur entspannt nach Hause geradelt. Was will man mehr?

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