Poetenfest in Erlangen dieses Wochenende. Eine fehlt. Obwohl – Ich denke, sie schaut von oben zu.

Poetenfest in Erlangen dieses Wochenende. Eine fehlt. Obwohl – Ich denke, sie schaut von oben zu.

Veröffentlicht unter Verknappung der Woche
Es gibt nichts Gutes,
außer: Man tut es.
Erich Kästner
Eins meiner liebsten Zitate überhaupt. Und es stimmt: Nicht warten (oder erwarten), dass jemand anderes sich kümmert und tut – selber loslegen!
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In „Der Bademeister ohne Himmel“ erzählt Petra Pellini zärtlich und mit feinem Humor von der Kostbarkeit von Freundschaft und den Schwierigkeiten, sich in der Welt zurechtzufinden. Ein Zitat von Hugo von Hofmannsthal, das mich sehr berührt, kehrt im Roman immer wieder.
Wir gleichzeitig Lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung.
Hugo von Hofmannsthal
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Mitte des Sommers
Der Augenblick,
wenn ich leise erschrecke
über die Handvoll
Ewigkeit:
Das Land fließt über
von Sommerfülle.
Mit leichter Hand
mischt die Luft überm See
die Farben von Lilien und Rosen
und der Wind,
der mich zärtlich streift,
streift auch das schattige Blattwerk
und die Früchte
voll feuchter Süße,
die dichter hängen denn je.
Diese Stunde:
nichts anderes zählt.
Elke Oertgen (1936-20212)
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Laut dem UN Global Risk Report 2024 sind die größten globalen Risiken: Untätigkeit gegenüber dem Klimawandel, großflächige Umweltverschmutzung, Fehlinformationen, Naturkatastrophen und zunehmende Ungleichheiten. Diese Risiken sind stark miteinander verknüpft und könnten bestehende Systeme überfordern.
Erstaunlich, dass es der Veggie Day nicht unter die 28 größten globalen Risiken geschafft hat… Verzeihung, das musste sein. Selbstverständlich weiß ich, dass Sarkasmus nicht helfen wird angesichts der Herausforderungen. Was auch nicht helfen wird: apotropäische Handlungen. Ebenso nicht: militärische Aufrüstung und Kriege.
Was also tun? Wer (so wie ich) nicht bereit ist, in die Politik zu gehen, um aktiv mitzuwirken, kann im Kleinen handeln. Bewusst leben. Den Kopf einschalten, Dinge hinterfragen. Und wann immer möglich: Freundlichkeit und Liebe in die Welt senden.
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Im Südtirol-Urlaub habe ich ein neues Wort gelernt: apotropäisch – altgriechisch: abwendend, abwehrend. Der Völser Morgenbote, das tägliche Infoblättchen des örtlichen Tourismusvereins, erklärte unter der Rubrik „Wussten Sie, dass …“: Wetterläuten oder Sturmläuten war eine apotropäische Handlung, die dazu diente, Unwetter von Ortschaften wegzutreiben. Der Aberglaube ergab sich aus der Ansicht, dass die Glocken eine Kirche geweiht seien und daher das Unwetter durch Läuten vertrieben werden konnte.
Das fand ich sehr interessant; hatte ich doch bis dahin angenommen, dass das Glockengeläut Bauern auf dem Feld vor einem heranziehenden Unwetter warnen sollte, damit sie Unterschlupf finden konnten. Ich dachte: Wie konnten die Leute nur so einem quatschigen Aberglauben anhängen?
Dann fiel mir ein: Wenn in Unterhaltungen die Sprache auf bisher gute Gesundheit kommt (z.B.: „Ich bin nur sehr selten krank.“) oder es darum geht, dass man von Unglück verschont geblieben ist („Ich hatte noch nie einen Verkehrsunfall.“), dann sage ich schnell „Klopf auf Holz“ und klopfe mir dabei dreimal leicht auf den Kopf. Ich mache das immer. Immer. Ich habe das sogar gerade eben beim Schreiben dieser Worte gemacht! Wenn das mal keine apotropäische Handlung ist…
Die verknappte Lektion für mich: Fälle nicht vorschnell ein Urteil über die Handlungen anderer.
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Niemand wird alt, weil er eine Anzahl von Jahren hinter sich gebracht hat. Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt. Mit den Jahren runzelt die Haut mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele … Du bist so jung, wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel, so jung wie deine Hoffnung, so alt wie deine Verzagtheit. Solange die Botschaften der Schönheit, Freude, Kühnheit, Größe und Macht von der Erde, den Menschen und dem Unendlichen dein Herz erreichen, so lang bist du jung.
nach Albert Schweitzer
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Eine Hymne an die Lebensfreude von Mascha Kaléko. Es ginge vielleicht noch knapper, aber dann sicher nicht so schön. 🙂
Sozusagen grundlos vergnügt
Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen.
Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
Dass Amseln flöten und dass Immen summen,
Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen.
Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.
Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht.
Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steht ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.
In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.
Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freu mich, dass ich … dass ich mich freu.
Mascha Kaléko, In meinen Träumen läutet es Sturm
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In ihrem einzigen Roman „Die Glasglocke“ begleitet Sylvia Plath ihre Protagonistin Esther Greenwood durch den Sommer 1953. Nach einem Volontariat bei einem New Yorker Modemagazin fällt Esther in eine schwere Depression und nach einem Suizidversuch wird sie in einer psychiatrischen Klinik behandelt. Die Geschichte zeigt die Zerrissenheit der Protagonistin im Spannungsfeld der gesellschaftlichen Anforderungen und wurde in den 1970er Jahren zu einem Kultbuch, das die Stimmungslage vieler Frauen traf und Sylvia Plath postum zu einer Ikone der Frauenbewegung machte.
Auf Seite 85f. (suhrkamp taschenbuch 3676) beschreibt Plath treffend knapp Esthers Konflikt; und dieser hat nichts an Aktualität verloren:
Gut war ich nur in einem, im Erringen von Stipendien und Preisen, aber diese Ära neigte sich ihrem Ende zu.
Ich kam mir vor wie ein Rennpferd in einer Welt ohne Rennbahnen oder wie ein College-Meister im Football, der es plötzlich mit der Wall Street und mit Anzug und Krawatte zu tun bekommt, während seine ruhmreichen Tage zu einem kleinen goldenen Pokal auf dem Kaminsims schrumpfen, mit eingraviertem Datum wie auf einem Grabstein.
Ich sah, wie sich mein Leben vor mir verzweigte, ähnlich dem grünen Feigenbaum in der Geschichte.
Gleich dicken purpurroten Feigen winkte und lockte von jeder Zweigspitze eine herrliche Zukunft. Eine der Feigen war ein Ehemann, ein glückliches Zuhause und Kinder, eine andere Feige war eine berühmte Dichterin, wieder eine andere war eine brillante Professorin, die nächste war Ee Gee, die tolle Redakteurin, die übernächste war Europa und Afrika und Südamerika, eine andere Feige war Constantin und Sokrates und Attila und ein Rudel weiterer Liebhaber mit seltsamen Namen und ausgefallenen Berufen, eine weitere Feige war eine olympische Mannschaftsmeisterin, und hinter und über all diesen Feigen hingen noch viele andere, die ich nicht genau erkennen konnte.
Ich sah mich in der Gabel dieses Feigenbaumes sitzen und verhungern, bloß weil ich mich nicht entscheiden konnte, welche Feige ich nehmen sollte. Ich wollte sie alle, aber eine von ihnen nehmen bedeutete, alle anderen verlieren, und während ich dasaß, unfähig, mich zu entscheiden, begannen die Feigen zu schrumpfen und schwarz zu werden und plumpsten eine nach der anderen auf den Boden unter mir.
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