Es scheint nicht jeden Tag die Sonne

Ein Bekannter, den ich sehr schätze, hat mich auf den Beitrag „Eine der kleinen Antworten“ (siehe unten, vom 11.09.2006) angesprochen. Er meinte, er wisse nicht so recht, was er damit anfangen solle, es sei doch einfach nicht immer alles positiv im Leben. Ich stimmte ihm zu, nein, natürlich nicht. Und ich wollte mit dem Text auch nicht sagen, dass mein Leben aus andauerndem Glück und einer ununterbrochenen Aneinanderreihung schöner Ereignisse besteht. 

So ist es keineswegs. Es scheint nicht jeden Tag die Sonne. 

Es gibt Tage, an denen bin ich furchtbar gelaunt und latent aggressiv, ohne offensichtlichen Grund. An so einem Tag komme ich morgens ins Büro und alle, die meinen Weg kreuzen, haben verloren. Egal, was sie sagen oder tun. Am schlimmsten, sie sind nett und fröhlich. 

Dem Kollegen, der mir im Treppenhaus auf dem Weg zu meinem ersten Kaffee (an allen Tagen eine sensible Zeit) einen schönen guten Morgen wünscht, möchte ich antworten: Du Familiennutznießer, du hast leicht reden! Zu Hause warten jeden Abend deine nette Frau und die süßen Kleinen auf dich, die dich umsorgen und verhätscheln. Könntest du allein überhaupt überleben? 

Der Neuen, die immer so motiviert und lerneifrig ist, würde ich am liebsten schon von weitem auf dem Flur entgegen rufen: Hey, du Dauerbegeisterte! Kannst du nicht einmal etwas einfach schlecht finden, kannst du wirklich aus jedem Schrott etwas für deine Entwicklung mitnehmen? Dass ich nicht lache! 

Und die Kollegin, die gerade aus ihrem Urlaub zurück ist, und mich gut erholt und gebräunt fragt wie es mir geht, möchte ich am Kragen packen und ihr ins Ohr flüstern: Mir ginge es besser, wenn ich die letzten zwei Wochen faul am Strand herumgelegen hätte, so wie du, anstatt hier jeden Tag bis spät zu ackern. Und jetzt hau bloß schnell ab, du machst mich krank. 

Ja, es gibt auch solche Tage. Da spüre ich nichts von der Freude am Alltäglichen, dem Glück des Einfachen und all dem Quatsch. Da fühle ich mich einfach einsam und verloren. Gäbe es solche Tage nicht, würde ich mir echte Sorgen um mich machen. 

Alles, was man an einem solchen Tag tun kann, ist versuchen, sich die gemeinen Sachen tatsächlich nur zu denken und nicht zu sagen. Denn meistens können die anderen ja nichts dafür.

Gedanken aus der Besteckschublade – Der Beginn

Ich hätte es früher nicht für möglich gehalten, dass einmal eine Besteckschublade mein Leben ändern würde. Und wenn man es genau nimmt, ist es auch nicht so gewesen. Wahr ist jedoch, dass sich in den letzten Jahren mein Leben, mein Verhalten, meine Meinungen bedeutend gewandelt haben. Die Beiträge in dieser Kategorie sollen davon erzählen. Eine Besteckschublade hat dabei eine wichtige Rolle gespielt und ist mein Bild dafür geworden.

Was hat es nun mit dieser Schublade auf sich? So gut wie alle Leute haben in ihrer Küche eine Schublade für Besteck. In dieser Schublade findet sich üblicherweise ein eingebauter oder zugekaufter Kasten mit Fächern für die verschiedenen Besteckteile. Die Gabeln, Löffel, Messer, usw. werden dadurch kategorisiert und ordentlich getrennt aufbewahrt. Ich war früher eine große Anhängerin dieser Ordnung. Jedes Teil musste in das dafür vorgesehene Fach. Ich hatte mir sogar einige Sonderegeln (beispielsweise für langstielige Löffel) ausgedacht, die nur ich allein verstand.

Und dann begegnete ich dieser anderen Besteckschublade. Sie besaß keinen ordnungsgebenden Kasten, vielmehr konfrontierte sie den Betrachter mit einem großen  Durcheinander an unterschiedlichen Besteckteilen und anderen Küchengerätschaften. Beim ersten Anblick hielt ich einen Moment inne, um dieses Chaos ungläubig und leicht schockiert zu studieren. In den folgenden Wochen begegnete ich dieser Schublade häufiger. Bald hatte ich die Unordnung akzeptiert. Man findet auch in der fachlosen Schublade, was man braucht, es dauert vielleicht nur ein bisschen länger.

Und dann fing ich an, die Schublade richtig zu mögen. Mit freundlicher Gelassenheit schien sie mir zu sagen: Ja, ich bin unaufgeräumt, aber ich funktioniere trotzdem. Ich biete dir nicht die perfekte Organisation, dafür bin ich flexibel. Mach dir nicht immer so viele Gedanken, du darfst dein Besteck einfach so hineinlegen, wie es eben gerade kommt. Ich wette, der Rest deines Lebens ist so strukturiert und wohl sortiert, dass du sehr gut zumindest eine unaufgeräumte Ecke brauchen kannst. Hab ich nicht Recht?

Oh ja, sie hatte Recht. Ich hab’ auf sie gehört. Und ich finde, jeder sollte sich so eine Schublade leisten.

Bei Tagesanbruch

Diese Geschichte ist inspiriert von einem Lied von Sting. 

Das PDF enthält die komplette Geschichte. 

Leseprobe: Früh am Morgen stand Max am Fenster. Schon oft hatte er von hier aus über die Dächer der Stadt geschaut. Er mochte den Blick sehr, der Taubendreck störte ihn nicht. Zwischen den dunklen Wolken zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Er nahm das Bild ganz bewusst in sich auf, denn es würde das letzte Mal sein, dass er aus diesem Fenster hinaus sah.

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Eine der kleinen Antworten

Manche Menschen verbringen viel Zeit mit der Suche nach dem Sinn des Lebens. Die meisten erwarten sich dabei eine einzige Antwort auf all ihre Fragen. Ich glaube nicht an die eine Antwort. Ich glaube, es gibt viele kleine Antworten. Gar nicht selten findet man eine davon, ohne konkret danach gesucht zu haben, an unerwarteten Orten.

Auf dem Grabstein eines Poeten steht geschrieben: 

To see a World in a grain of Sand

And a Heaven in a Wild Flower

Hold infinity in the palm of your hand

And Eternity in an Hour

Dies ist eine der kleinen Antworten.

Sieh nicht nur das Offensichtliche. Entdecke den Reichtum im Alltäglichen. Spüre die Großartigkeit des Bekannten, den unschätzbaren Wert des Einfachen. Und lass deine Freude darüber grenzenlos sein.

Karl

Dies ist eine Geschichte, die ich für eine bestimmte Person geschrieben habe. Ich weiß nicht, ob er das beim Lesen bemerkt hat oder ob er weiß, was ich ihm damit sagen will. Sei’s drum. In der Geschichte geht es um Gelegenheiten, die sich uns im Leben bieten. Wir entscheiden, ob wir sie ergreifen oder vorüberziehen lassen.

Leseprobe:

Karl war ein komischer Kauz. Jedenfalls meinten das die Menschen, die ihn kannten. Dafür gab es einen Grund: Karl sprach in Reimen. Er redete nicht viel, aber wenn er es tat, dann in Reimen. Karl konnte sich nicht erinnern, wann er damit angefangen hatte. Und er konnte sich auch nicht an eine Zeit erinnern, in der er es nicht getan hatte. Die Menschen, die er traf, fanden seine Angewohnheit zunächst amüsant, nach kurzer Zeit jedoch zogen sie sich zurück. Das Sprechen in Reimen kam ihnen wie eine Art Krankheit vor und war ihnen unangenehm. Sie wollten Karl nicht in ihrer Nähe haben.

Das PDF enthält die komplette Geschichte. 

 Karl

Bergwelt

Hier eine Geschichte von ganz weit oben, aus einer einsamen Bergwelt. Hält sie, was sie verspricht?

Leseprobe: 

Ich habe mich oft gefragt, ob es ein Fehler gewesen ist, mein altes Leben hinter mir zu lassen und stattdessen die Einsamkeit in den Bergen zu wählen. Und immer, wenn ich so wie jetzt das Tagesende hier oben erlebe, wenn ich sehe, wie die untergehende Sonne ein Feuer auf den Steilwänden bis zu den Gipfeln hinauf entzündet, dann weiß ich, dass ich damals das Richtige getan habe. Natürlich ist es mir nicht leicht gefallen, Klara und die Kinder allein zurück zu lassen.

Das PDF enthält die ganze Geschichte.

Bergwelt

Vikas in der Unterwelt

Und hier eine Geschichte von ganz weit unten, aus der Unterwelt. Herzlichen Dank an meinen indischen Freund, der den Namen des Helden beigetragen hat.

Leseprobe:

Vikas hatte nichts zu befürchten. Er wusste, welche Aufgaben auf ihn zukamen. Die Priester hatten ihn hierauf vorbereitet. Wäre er im Leben faul gewesen, hätte er Grund, jetzt zu zittern. Doch er war stets ein eifriger und gehorsamer Schüler gewesen. Er war bereit für die neun Aufgaben, die er hier in der Unterwelt bestehen musste. Dann würde seine Seele frei sein.

Das PDF enthält die ganze Geschichte.

Vikas in der Unterwelt