Monatsarchiv: Januar 2008

The hardest thing

Selbstdisziplin war noch nie meine Stärke. Es fällt mir deutlich leichter kontinuierliche Leistung zu bringen, wenn Druck von außen kommt. Im Job ist das kein Thema, da gibt es genug Leute, die freundlich nachfragen, wie die Dinge stehen.  

Schwieriger wird es bei privaten Vorhaben. Wie zum Beispiel: ich schreibe jetzt mal ein Buch! Das hat niemand bei mir bestellt und so wird es an mir ganz allein liegen, die Sache voranzutreiben. Neben Kreativität, Vorstellungskraft und einem guten Händchen bei der Wortwahl werde ich eine sehr große Portion Selbstdisziplin brauchen…das kann heiter werden!  

Glücklicherweise habe ich bereits ein paar Strategien zur Unterstützung meiner schwächlichen Selbstdisziplin entwickelt: 

1. Ich erzähle möglichst vielen Leuten von meinem Vorhaben. Zum einen kommt es ziemlich kreativ-cool, wenn man sagt, man schreibe ein Buch. Zum anderen hoffe ich, dass der eine oder andere in Zukunft mal nachfragen wird, wie’s denn so aussieht. Ich sag auch immer gleich dazu, dass ich mir wünsche, dass ab und an nachgefragt wird, um den Eindruck zu vermeiden, ich würde es erzählen, um kreativ-cool zu wirken. 

2. Ich werde zum Monatsbeginn einen kurzen Statusbericht hier ins Blog schreiben. Regelmäßige Berichterstattung als Grundlage für regelmäßige Arbeit. Motivator: Vermeiden der Scham, jeden Monat schreiben zu müssen, dass nichts vorangegangen ist. De Luxe Variante: Nennen eines konkreten Ziels bis zum nächsten Monat. Ich freue mich über Kommentare oder sogar Forderungen danach, falls ich sie nicht liefere, denn, herrje, auch für die Berichte braucht es schon Selbstdisziplin. 

3. Gestern hat mir ein Freund noch den Rat gegeben, möglichst jeden Tag an dem Buch zu arbeiten, auch wenn es nur wenige Minuten sind. Um das Schreiben besser in den Alltag einzugliedern. Plan ist, die Zeiten dann soweit wie möglich zu steigern.  

Und da aller guten Dinge 3 sind, gehe ich mit diesen Strategien erst mal an den Start. Ihr seid herzlich eingeladen, weitere Anregungen zu liefern.

Das Gegenteil von eingeladen: Uninvited. Hab das Video hier verlinkt, weil es eines meiner wichtigsten Lieder von Alanis Morissette ist und weil ich mir von meinem Buch ähnliche Dramatik erhoffe.

Alt und ein bisschen weise?

Landläufig herrscht die Meinung, man würde mit zunehmendem Alter und Erfahrung immer besser wissen, wie’s im Leben läuft und wohin man so will. Und ja, für einige Lebensbereiche kann ich das bestätigen, z.B. beruflich. Ich habe das Gefühl, mich weiterzuentwickeln. Ich kann mehr, weiß mehr, schaffe mehr, bekomme mehr als vor ein paar Jahren. 

Auf dem Gebiet meiner Liebesbeziehungen kann ich eine solche Entwicklungstendenz allerdings nicht feststellen. Im Gegenteil – je älter ich werde umso weniger weiß ich, was ich will, woran ich bin und was das alles überhaupt soll. Während ich vor 10 Jahren Jeden mit ehrlichem Blick in die Augen angestrahlt habe, dass ich längst meinen Mann fürs Leben gefunden habe, kann ich heute noch nicht einmal mehr sagen, ob ich einen Mann fürs Leben haben will. 

Gerade ruft eine Stimme in mir: Natürlich willst du das und der Richtige wird auch kommen, du musst nur dran glauben und dich auch endlich mal entsprechend aufführen! Ja, diese Stimme ist beizeiten kräftig und laut. Doch spätestens wenn ich mich in einer Bar oder Diskothek aufhalte oder wenn sich ein schon fast in Vergessenheit geratener Flirt unerwartet meldet, hat diese Stimme Sendepause. Nichts Besseres als Single zu sein, tun zu können was man will, keine Rücksicht nehmen zu müssen. Mein Jagdinstinkt killt alle Geborgenheitsbedürfnisse. So lange sich noch die gut aussehenden Typen Mitte 20 für mich interessieren, warum sollte ich mich jetzt schon festlegen? 

Ich habe diesen Zwischendrin-Status in den letzten Jahren beinahe zur Kunstform erhoben: laufe denen hinterher, die fliehen werden. Renn vor denen weg, die bleiben würden. Funktioniert immer wieder. Und an 98 von 100 Tagen geht es mir damit auch gut. An den anderen beiden kommt Panik in mir auf. Oberflächlich gesehen ist es die Panik, keinen mehr abzubekommen, die letzte Single-Frau auf Erden zu sein. Eine Ebene tiefer ist es die Angst der verpassten Gefühle. Wenn man sich nie auf eine Beziehung einlässt, sondern immer bereit zum Absprung bleibt, müssen die Emotionen unter Kontrolle bleiben. Ich kann mich deshalb so schwer auf eine Beziehung einlassen, weil ich Angst davor habe, verletzt und zurückgewiesen zu werden, wenn ich echte Gefühle investiere. 

So dachte ich bisher. Vielleicht stimmt das aber gar nicht. Vielleicht ist es genau umgekehrt. Vielleicht habe ich viel mehr Angst davor, dass in einer Beziehung auch nicht mehr Gefühl aufkommen würde als in den fakultativen Veranstaltungen. Vielleicht kann ich bei den vielen Wechseln sogar mehr fühlen als in einer stetigen Beziehung. 

Die wahre Angst ist die, in einer Beziehung still zu stehen. Meine Offenheit, meine Energie und meine Kreativität im harmonischen Beisammensein zu verlieren. Deshalb fühle ich mich auch hauptsächlich von Männern angezogen, die nicht die Aura des Bausparers haben. Und das sind eben genau die, die keine feste Beziehung wollen. Einige vielleicht auch genau aus diesem Grund. Die „Seriösen“ machen mir Angst. Da fühle ich mich schon versteinert, wenn ich nur in einen Umkreis von 5 Metern gerate. Ich fürchte um die Kraft meines „state of emergency“, so wie ich ihn in Jóga, einem meiner Lieblingslieder von Björk, verstehe. Ich glaube, das ist es in Wirklichkeit. 

Na, schau an, dann bin ich ja doch einen Schritt weiter gekommen. Ich suche also einen Mann, der mir alle Freiheiten lässt, der abenteuerlustig und outgoing ist und der auch mal sein eigenes Ding macht. Der mich aber gleichzeitig unaufhaltsam liebt, mein Wesen schätzt und mir zusätzliche Stärke gibt, dadurch dass ich mich fallen lassen kann und er mich auffängt. Der da ist, wenn ich ihn brauche, und der mir Raum gibt, wenn ich diesen brauche. Und der weiß, wann was der Fall ist. Und für den ich im Gegenzug genau das Gleiche sein und tun kann. 

Fantastisch. Jetzt wo ich weiß, was ich will, kann’s ja nicht mehr so schwer sein! Dumm wäre nur, wenn in der Liebe die gleichen Regeln wie beim Shoppen gelten. Dann werde ich in spätestens drei Monaten mit einem 45jährigen Beamten verheiratet sein, der mich sofort schwängern und hinter den Herd verweisen wird – und es wird mir auch noch gefallen. Prost Mahlzeit! J  

 

Keine Angst vor ungelebtem Leben

In der Persönlichkeitspsychologie gibt es den Begriff des „ungelebten Lebens“. Damit ist grob gesagt all das gemeint, was man eben nicht erlebt, weil man etwas anderes erlebt. In jedem Augenblick wird massenweise ungelebtes Leben produziert, indem man eben genau eine Sache tut und die tausend anderen möglichen nicht. Wer kinderlos bleibt, verpasst die Elternschaft. Wer sich früh bindet und treu bleibt, wird kein wilder Vamp. Wer als Kinderärztin arbeitet, kann nicht das Leben einer Atomphysikerin führen. Eigentlich ganz einfach. 

Es gibt Menschen, die sich sehr viele Gedanken über ihr ungelebtes Leben machen. Hätte ich doch nur… Wäre es nicht besser gewesen… Sollte ich nicht vielleicht doch… Diese Menschen zaudern und quälen sich damit, dass sie sich etwas verbaut haben. Dass sie alles falsch gemacht haben. Dass sie etwas verpassen. Sie haben enorme Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen und sich festzulegen. 

Nun, es macht sicher Sinn, ab und an zu überdenken, welchen Weg man im Leben gerade geht und zu prüfen, ob man sich auf diesem wohl fühlt und er noch der richtige ist. Tragisch wird es, wenn die Gedanken an das ungelebte Leben das tatsächliche Leben überdecken. Wenn man sich gar nicht mehr mit dem auseinandersetzt, was man gerade tut, sondern nur noch Energie für das Ungelebte hat. Dann hat man genau genommen gar kein Leben mehr. Wie schade! 

Es macht keinen Sinn, ständig zu grübeln, was man denn so vieles andere hätte tun können. Macht euch lieber Gedanken über das, was ihr tatsächlich tut. Und versucht zu ändern, was euch nicht gefällt. Aber immer von dem Punkt aus, an dem ihr euch gerade befindet. Weint nicht vergangenen Chancen hinterher, ihr erkennt durch den Tränendunst nicht mehr die Möglichkeiten, die sich jetzt bieten!  

Habt keine Angst vor ungelebtem Leben, ihr produziert es immer, egal was ihr tut. Freut euch lieber an dem Leben, das ihr wirklich lebt. Und nutzt es gut.

All is quiet…

„New Year’s Day“ von U2 ist eines meiner liebsten Lieder für eben diesen Tag. Für mich steht es für die „Unbeflecktheit“ des ersten Tages des Jahres. Die Zähler sind auf Null gestellt. Die Bilanz ist ausgeglichen.  

Das stimmt natürlich nicht wirklich, denn es ist schließlich nur ein Tag später als gestern und alles bleibt beim Alten. Nothing changes on New Year’s Day, wie es auch im Song heißt. 

Trotzdem, das Gefühl, dass etwas Neues begonnen hat, auch wenn es recht willkürlich an einem Datum festgemacht wird, ist erfrischend und befreiend. Dieser erste Tag ist das Tor zu neuen Erfahrungen und Erlebnissen, gut wie schlecht. Mach dich bereit.