Monatsarchiv: Februar 2008

Ein Glaubensbekenntnis

Jeder Mensch hat bestimmte Ansichten, Vorstellungen, Werte. Dinge, die ihm wichtig sind und an die er glaubt. Bei manchen ist es die große Liebe oder vielleicht Gott, bei anderen eine bestimmte Technologie, Dieter Bohlen oder ihr neuer Job.  

Ich habe viele Dinge, an die ich glaube und die zu mir gehören. Zum Beispiel: Ich glaube daran, dass eine einzelne Person die Welt verändern kann.

Komischerweise glauben viele Menschen das nicht: Was macht es schon für einen Unterschied, wie ich mich verhalte? Ob ich mit dem Auto überall hinfahre oder zu Fuß gehe? Ob ich darauf achte, dass mein Spiegelei von einem freilaufenden Huhn kommt? Ob ich jetzt meinen Müll auf die Straße werfe oder nicht?   

Zugegeben, global betrachtet macht es nur einen sehr kleinen Unterschied. Aber es macht eben einen. Jede Veränderung beginnt bei dir selbst. Und persönlich gesehen macht es den vollkommenen Unterschied: Dein Verhalten macht aus, wer du bist.  

Betrachtet man ein Land sieht es ähnlich aus: Was hilft es schon, wenn Deutschland Vorreiter beim Klimaschutz ist, wenn die anderen nicht richtig mitmachen? Warum soll sich die deutsche Wirtschaft an moralischen Werten messen lassen, die andere Länder genauso wenig beachten? Na herrlich, schlechtes Verhalten von anderen als Rechtfertigung für eigenes schlechtes Verhalten. Wenn es die anderen machen, dürfen wir auch. Die Konsequenzen scheren uns einen Dreck. – Wenn keiner als gutes Beispiel voran geht, wird auch keiner folgen. Ich glaube daran, dass auch Länder und Nationen Zeichen setzen können. 

Für solche Ansichten wird man schon mal gerne belächelt. Als gut aussehende Frau zumeist von tumben Männern: Ach, ist sie nicht süß, die Kleine? Mit der würde ich auch gerne mal… Fuck you, bloody ignorants!  

Ich will hier wahrlich nicht den moralischen Zeigefinger schwingen. Ich hab auch schon mit diversen Flugreisen das Klima versaut und meine Salami kam nicht immer von lachenden Schweinen. Es geht nicht um die absolute Askese, es geht um mehr Bewusstheit beim Handeln. Man muss kein Gandhi sein und sein normales Leben aufgeben, um ständig immer nur Gutes zu tun.  

Beginne mit den kleinen Dingen im Alltag. Mach dir Gedanken darüber, was dir wichtig ist und wofür du als Person stehen willst. Und dann handle danach. Und freue dich, wenn du merkst, dass du tatsächlich einen Unterschied machen kannst! 

Und hier noch ein besonders herausragendes Beispiel: Dr. Martin Luther King mit einer seiner berühmtesten Reden, gehalten am 28. August 1963 in Washington. Er hat sicher einen Unterschied gemacht.

Keiner wie der andere? – José Saramago: Der Doppelgänger

Der portugiesische Schriftsteller José Saramago wurde 1922 geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. 1998 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Ich habe bisher zwei Bücher von ihm gelesen: „Das Zentrum“ und „Der Doppelgänger“.

José Saramago kommt wundersamerweise nur mit Punkt und Komma aus, er verwendet keine weiteren Satzzeichen, auch nicht für Dialoge. Absätze sind ihm ebenso weitgehend fremd. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – empfinde ich seine Schreibweise als fließend und kontinuierlich. Man sollte allerdings aufmerksam und entspannt sein beim Lesen, um nicht den Faden zu verlieren.

Die Hauptfigur in „Der Doppelgänger“ ist Tertuliano Máximo Afonso, ein freudloser Lehrer Ende Dreißig, vor Jahren geschieden, seit einigen Monaten in einer belanglosen Affäre, die er hauptsächlich aus Bequemlichkeit aufrechterhält, frustriert von Schülern, Schulsystem und dem Leben im Allgemeinen. Ein Kollege rät ihm, sich zur Unterhaltung doch einmal einen Film aus der Videothek zu leihen, „Wer Streitet, Tötet, Jagt“ könne er durchaus empfehlen. Als Tertuliano Máximo Afonso in diesem Film in einer kleinen Nebenrolle einen Schauspieler entdeckt, der ihm zum Verwechseln ähnelt, beginnt eine schleichende Obsession. Tertuliano Máximo Afonso will diesen Mann aufspüren, der aussieht wie er selbst. Und als er ihn findet, stellen sie fest, dass sie sich bis aufs Letzte gleichen. Wer hat das Vorrecht auf Originalität? Ist Platz für zweimal denselben Menschen?

Auch wenn es nicht jeder zugibt: fast alle Menschen freuen sich an ihrer Individualität, an ihrer Einmaligkeit. Ja, vielleicht hat jemand anderes eine ähnliche Stimme wie ich. Vielleicht hat ein anderer die gleiche Frisur oder eine ebenso entzückende Nase. Aber niemand ist genau wie ich. Was würde passieren, wenn man dieses Privileg plötzlich verlöre? Verliert man dadurch auch seine Persönlichkeit, sich selbst? Als minutiöser Beobachter des Tertuliano Máximo Afonso erhält der Leser eine der vielen möglichen Antworten auf diese Fragen. „Der Doppelgänger“ war bestimmt nicht mein letztes Buch von Saramago.

Steig doch einfach mal aufs Lehrerpult!

Habe kürzlich seit langem einmal wieder „Dead Poets Society“ (Club der toten Dichter) von Peter Weir gesehen; mit Robin Williams als charismatischem Lehrer einer Privatschule der 50er Jahre. Als der Film in die Kinos kam, war ich ungefähr so alt wie die Jungs im Film. Ideal! 

Neben der Carpe Diem-Sache (also Nutze den Tag oder freier übersetzt: Mach was aus deinem Leben) hat der Film für mich noch eine zweite sehr wertvolle Botschaft. Es geht darum, die Welt bewusst aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Williams steigt dazu im Film auf sein Lehrerpult. Er fordert die Schüler auf, dies auch zu tun. Die Message: Übernehmt nicht einfach die Sichtweise der anderen. Betrachtet die Sache aus einem anderen Blickwinkel noch einmal neu. Denkt nach, um eure eigene Meinung zu bilden. Und habt keine Angst davor, einen anderen Standpunkt zu vertreten. 

Erst zögerlich, dann zunehmend mutiger, steigen die Schüler nacheinander alle auf das Pult und liefern damit die Grundlage für die ergreifende Schlussszene (ja, ich musste auch diesmal wieder weinen). 

Für mich geht die Sache noch ein ganzes Stück weiter: Steig doch wirklich mal aufs Lehrerpult (oder ein vergleichbares Möbelstück, das zu Hand ist; vielleicht dein Schreibtisch oder dein Stuhl im Büro). Die Welt sieht tatsächlich anders aus. Das kann dir helfen, wenn du bei einer Sache nicht weiter kommst, wenn dein Denken und Handeln festgefahren sind. Ein neuer Blickwinkel kann neue Impulse bringen. Gibt es einen Aspekt, den du bisher nicht beachtet hast? Eine Möglichkeit, die du noch nicht in Betracht gezogen hast?  

Und es kann auch dazu beitragen, andere Leute besser zu verstehen. Versetze dich in die Lage der anderen. Wie sieht die Sache für sie aus? Welche Voraussetzungen und Bedingungen gelten für sie? Was sind ihre Ziele und Interessen? Sobald du ein Verhalten verstehst, kannst du auch besser damit umgehen. 

Ein Tipp für die Anwendung in der Praxis, falls du befürchtest, für völlig durchgeknallt gehalten zu werden: Perspektiven-Klettern im Büro kannst du leicht dadurch tarnen, dass du z.B. Kalender oder wichtige Ausdrucke recht weit oben an der Wand anpinnen willst oder oben auf dem Schrank etwas suchen musst. J 

In diesem Sinne: O Captain, my Captain! Ja, ich werde meinen Kopf benützen! Und da sag noch einer, man könne aus Hollywood-Filmen nichts fürs Leben lernen.

 

Und, was macht das Buch?

Ganz brav wie angekündigt hier der erste Statusbericht zu meinem privaten Hauptprojekt „Ich schreibe ein Buch“. 

Die letzten Tage waren relativ produktiv, wenn man bedenkt, dass ich auch abends häufiger arbeitstechnisch eingespannt war.  

Ich habe an der mythologischen Entstehungsgeschichte der anderen Welt gearbeitet. Als Grundlage für eine logische Handlung muss die andere Welt in relevanten Aspekten so ausgefeilt wie möglich beschrieben werden. 

Außerdem habe ich mir einige Namen ausgedacht (u. a. für die Heldin), was immer recht zeitaufwendig ist. Namen müssen gut gewählt sein; sie sollen die Figur treffend benennen und oft möchte ich auch noch eine persönliche Assoziation unterbringen. Zudem habe ich die Namensideen auch gleich gegoogelt; nicht dass meine Hauptperson denselben Namen hat wie Paris Hiltons Hündchen.  

Das mit der täglichen Arbeit habe ich nicht hingekriegt; das war ehrlich gesagt auch nicht zu erwarten… Der Vorsatz bleibt. Ich hab aber bestimmt mindestens einmal am Tag an das Buch gedacht. Ist doch auch schon was. 

Nächste Ziele: 

  •  weiter mit der Mythologie der anderen Welt voranschreiten 
  •  den Charakter und das bisherige Leben der Heldin ausarbeiten
  •  Schlüsselcharaktere der anderen Welt anlegen  

Es haben mich tatsächlich mehrere Leute nach dem Fortschreiten des Buchs gefragt. Vielen lieben Dank dafür. J