Monatsarchiv: Januar 2009

Die schönsten Liebesgeschichten …


… sind doch die, bei denen sich die Liebenden am Ende nicht kriegen. In der Tragödie liegt einfach mehr Poesie als in der Schnulze. Und am meisten berühren mich Geschichten, in denen die Liebe erwidert wird, aber äußere Umstände das Glück der Protagonisten verhindern.

 

Ein wunderschönes Beispiel ist die aktuelle Verfilmung einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald. „The Curious Case of Benjamin Button“ erzählt das Leben des Benjamin Button, der als alter Mann zur Welt kommt und mit den Jahren jünger wird. Der Vater – hilflos entsetzt – überlässt den greisen Säugling auf einer Treppenstiege seinem Schicksal. Dieses meint es gut mit Benjamin – er findet ein fürsorgliches und unvoreingenommenes Zuhause. Seiner großen Liebe Daisy begegnet er im Kindesalter bei Kerzenschein unter einem Tisch. Viele Jahre und Erfahrungen später treffen sich die beiden endlich „in der Mitte“ ihrer Leben. Doch ihr Glück kann nicht von Dauer sein, denn Benjamin wird unausweichlich zum Kind werden.

 

David Fincher erzählt diese Geschichte von der Vergänglichkeit mit  Brad Pitt und Cate Blanchett in den Hauptrollen auf wunderbare Weise. Ich nehme mir zwei Dinge aus dem Film mit. Erstens: Freue dich an allen glücklichen Momenten und bewahre sie dir im Herzen, denn du kannst sie nicht festhalten. Und zweitens: Oh mein Gott, Brad Pitt sieht tatsächlich aus wie Mitte 20! 😉

 

Obamania


Jetzt ist es also soweit: Barack Obama ist Präsident. Der Freudentaumel muss sich der Realität stellen, dem Hype müssen Taten folgen. Dass Obama keine Wunder wirken kann, ist klar. Trotzdem stimmt mich die Amtseinführung froh. Denn: Obama beweist, dass Veränderung möglich ist. Allein durch seine Wahl.

 

Veränderung steht bei ihm für etwas, aus dem Gutes erwächst und deshalb anzustreben ist. Das ist für einen Kandidaten, der eine unbeliebte Regierung ablösen will, sicher eine naheliegende Wahlkampfstrategie. Dennoch bemerkenswert – weil in der deutschen Politiklandschaft Veränderung viel häufiger etwas bedeutet, das man fürchten sollte, weil dadurch alles nur noch viel schlimmer wird als es vorher schon war.

 

Nicht so bei Obama. Voller Enthusiasmus spricht er davon, welche Zukunft er sich vorstellt und bleibt dabei authentisch, weil er nicht verschweigt, dass es nicht leicht sein wird. Damit legt er die Messlatte für die spätere Beurteilung seiner Integrität und Ausdauer natürlich hoch, aber was viel wichtiger ist: Er setzt Energie frei, er begeistert, inspiriert und er gibt Raum für Hoffnung und Glauben. Und schafft so den Geist, der Veränderung überhaupt erst möglich macht.

 

Dadurch hat er schon Besseres geleistet als manch anderer nach Jahren im Amt… Gestern hab ich außerdem noch bemerkt, dass er Linkshänder ist – wie ich. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. 😉

 

In times of His Majesty King Henry VIII


Freunden der englischen Geschichte und spannender Romane möchte ich wärmstens die „Shardlake-Reihe“ von C.J. Sansom empfehlen. Vier Bände sind erschienen: Dissolution, Dark Fire, Sovereign und Revelation.

Alle spielen im England von Henry VIII. Der Rechtsanwalt Matthew Shardlake ist stets mit einer Mission von oberster Stelle beauftragt. Sei es die Klärung mörderischer Vorkommnisse in einem Kloster im Süden des Landes oder die Beobachtung aufständischer Untertanen in York.

Die Hauptfigur weicht vom typischen Schema des Helden ab. Zwar ist Shardlake mit Cleverness und Macht ausgestattet, aber physische Attraktivität fehlt ihm: ein Buckel schränkt ihn körperlich ein und lässt ihn ab und an auch im Verhalten unsicher werden, vor allem in Kontakt zu jungen Frauen. Der Held ist also kein strahlender Alleshaber, sondern eine glaubwürdige Figur mit menschlichen Mängeln.

Shardlake versucht seinen eigenen Idealen gerecht zu werden, doch manchmal kann er daran nur scheitern. Und auch wenn er die Motive und Handlungen seiner Auftraggeber nicht immer billigt, ist er doch Zwängen ausgesetzt, denen er nicht entkommen kann. Mitgefühl für die Gebrandmarkten kennt er gut und doch folgt er dem Gesetz.

So zeichnet Sansom einen komplexen und interessanten Charakter, der den Leser durch ein England im Umbruch führt. Und ja, der Leser lässt sich sehr bereitwillig führen. Gerade bei den Dialogen gerät man leicht in einen Lesefluss, der auch von fortschreitender Müdigkeit nur schwer gestoppt wird. Und das ist ein Hauptqualitätsmerkmal bei Romanen: Du bist mitten in der Geschichte drin und willst gar nicht mehr raus.

So, ich geh jetzt ins Bett und schau noch bei Master Shardlake vorbei. Gute Nacht allerseits.

„Cerca trova“ oder „Ist sie da, die Schlacht von Anghiari?“ – und was wird sonst noch 2009 passieren?


Glücklich im neuen Jahr angekommen, stellt man sich natürlich die Frage: Was wird wohl alles passieren? Gute Vorsätze sind gefasst, diverse Pläne in der Schmiede, so manche Ereignisse bereits bekannt … und der Rest ist ungewiss.

 

Mein Buch liegt immer noch auf Eis; im Dezember habe ich nicht daran gearbeitet. Leider war ich auch ansonsten schreibtechnisch nicht besonders kreativ… Vor ein paar Tagen hatte ich aber eine Idee zu einer Fortsetzung der Geschichte von Kamron, dem Wolf. Kamron kehrt nach Jahren in den magischen Wald zurück. Alles ist verändert. Ein böser Zauberer hat die Macht erlangt. Was kann Kamron ausrichten? – Das wird meine nächste Geschichte.

 

Eine vollkommen andere Geschichte, auf die ich vorhin gestoßen bin, ist die der verschollenen „Schlacht von Anghiari“, ein Gemälde Leonardo da Vincis, das der italienische Kunstwissenschaftler Maurizio Seracini seit 30 Jahren hinter einem Fresko von Vasari im Palazzo Vecchio von Florenz vermutet. So wie es aussieht, könnte er demnächst in der Lage sein, die Existenz von Leonardos Werk beweisen zu können. Das wäre – zumindest für Kunstgeneigte – eines der ganz großen Ereignisse 2009.

 

Schlacht von Anghiari

 

http://www.cbsnews.com/stories/2008/04/17/60minutes/main4023449.shtml

 

http://www.daserste.de/ttt/beitrag.asp?uid=ykn395irpr1h2gzl&cm.asp