Monatsarchiv: Februar 2011

Der Apfel ist gefallen

Und tatsächlich nicht allzu weit vom Stamm. Vor gut zwei Wochen habe ich die Tochter von Sting kennen gelernt. Nicht persönlich, ich habe einen Bericht über sie in der Sendung „aspekte“ im ZDF gesehen.

Coco Sumner macht Musik unter dem Namen „I Blame Coco“, ihr Debut-Album heißt „The Constant“. Ich hab mir die CD zwei Tage später bestellt, ohne vorher reinzuhören, ganz ehrlich, weil Coco die Tochter von Sting ist.

Was ist drauf auf dem Album? Popmusik, mit vielen Elektro- und Synthie-Sounds, bei vielen Songs fühle ich mich an die 80er erinnert, aber es gibt auch rockigere Töne. Nach dem ersten Hören war ich noch nicht richtig überzeugt, die Songs fühlen sich erst nach mehrmaligem Hören richtig gut an – dafür dann aber umso besser.

Im Stil der Songs finde ich kaum Ähnlichkeit zum Papa, jedoch erinnert Cocos Stimme oft an Sting. Nicht nur durch die ähnliche Grundfärbung der Stimmen, sondern auch durch Cocos Satzmelodie und die häufig leicht abgehackten Wortenden. Vor allem in Police-Stücken und frühen Solo-Songs klingt Sting ebenso.

Fazit: Mit meinen Ikonen kann Coco es (noch) nicht aufnehmen, ich freue mich aber jetzt schon auf weitere Werke.

In der ZDF-Mediathek ist der Beitrag aus „aspekte“ zu finden.

Das Gegenteil von Hollywood: „A fine balance“ von Rohinton Mistry

Der Roman „A fine balance“ spielt im Bombay der 1970er Jahre. Er erzählt die Geschichte von vier sehr unterschiedlichen Menschen, die nach Zufriedenheit und ein bisschen Glück im Leben streben. Die verwitwete Dina Dalal nimmt den Studenten Maneck Kohlah, den Schneider Ishvar Darji und dessen Neffen Omprakash bei sich auf – um genug Geld einzunehmen, damit sie nicht wieder heiraten muss. Zunächst sind sich die vier fremd, mit der Zeit lernen sie sich kennen und achten und werden so zu weit mehr als einer Zweckgemeinschaft. Von Dauer ist ihr kleines Glück allerdings nicht.

Der Roman zeichnet das detailreiche Bild eines Landes, das von unumstößlichen gesellschaftlichen Schranken und einer Regierung voller Willkür und Skrupellosigkeit gegeißelt wird.

Vor diesem Hintergrund entwickelt Rohinton Mistry einen Gegenentwurf zur gängigen Hollywood-Moral „Du kannst alles erreichen und wirst ewiges Glück finden, wenn du dich nur genug anstrengst und immer gut bist“. In „A fine balance“ ist es anders. Da werden diejenigen erfolgreich und wohlhabend, die lügen und betrügen. Diejenigen, die ehrlich und mutig für ihre Überzeugungen eintreten, werden bestraft und zerstört. Und auch am Ende werden die vielen Ungerechtigkeiten nicht gesühnt. Das Buch hat kein Happy End.

Also nichts für Leute, die schon an unserer Welt hier verzweifeln. Trotzdem ermutigt der Roman, für sein Glück zu arbeiten und zu kämpfen. Nur darf man nicht mit einem immerwährenden Schlaraffenland als Belohnung rechnen. Vielleicht muss man sich mit einigen Portionen wohlschmeckendem indischen Dal zufrieden geben.

Verspukt gute Musik – „Haunted“ von Poe

Vor ein paar Monaten bin ich bei YouTube zufällig über einen Clip der amerikanischen Sängerin Poe gestolpert. Wenig später lag das Album „Haunted“ aus dem Jahr 2000 in meinem Amazon-Einkaufskorb und bald darauf im CD-ROM Laufwerk meines Rechners.

Die CD beeindruckt mich musikalisch und emotional. Auf wundersame Art und Weise ist das Album ein außergewöhnliches Gesamtwerk, das man am besten am Stück hört und bietet zur gleichen Zeit sehr viele starke Einzelsongs, die sich so schön hartnäckig in Ohr und Kopf festsetzen.

Auf Amazon war zu lesen, dass Poe mit dem Album den Tod ihres Vaters, dem Film-Regisseur Tad Danielewski, verarbeiten würde – und das stimmt. Auf der CD finden sich Samples von Tonbandaufnahmen ihres Vaters, die Poe und ihr Bruder einige Jahre nach dessen Tod entdeckt haben.

Aber es geht noch weiter in die Gruselecke… Poes Bruder, Mark Danielewski, hat im Jahr 2000 seinen Debütroman „House of Leaves“ veröffentlicht. Ein monumentales Werk, das allein schon durch äußerst unübliche Layout-Ideen auffällt und polarisiert. Die Handlung dreht sich um ein Spukhaus, das House of Leaves. Und eben jenes ist wiederum in verschiedenen Songs auf „Haunted“ referenziert.

Das Buch hab ich mir nun auch gekauft. Ich bin schon sehr gespannt darauf – und ich werde berichten.  

Hier ein längerer live-Mitschnitt von Poe mit drei Songs: