Monatsarchiv: März 2011

Entenfrust

Vergnügtes Quaken ist schon von draußen aus der Bar zu hören. Fast zögerlich betritt der Zwergschwan das Lokal. Obwohl ein wenig klein geraten, wäre er eine ganz stattliche Erscheinung – bliebe nur nicht seine Wohlgestalt hinter seiner Schüchternheit verborgen.

Da sieht er sie: Eine junge Stockente. Die Federn ein wenig zerrupft, der Schnabel etwas schief. Doch für ihn ist sie die Schönste im Raum. Lebhaft schwatzt sie mit der Ente, die ihr gegenüber sitzt.

All seinem Mut nimmt er zusammen und geht zu ihrem Tisch. Geduldig wartet er auf eine Pause im Geschnatter und spricht sie dann vorsichtig an: „Guten Tag, meine Dame. Darf ich Sie zu einem Getränk einladen?“

Mit gequältem Blick mustert sie ihn und erwidert: „Nein, ich trinke nicht mit Jedermann.“ Und zu ihrer Freundin gewandt: „Anscheinend glaubt auch wirklich ein jeder dahergewatschelte Federkerl, dass er mich ansprechen kann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist!“

Und als wäre nichts gewesen, setzen die Entendamen ihr Gequake lautstark fort.

Katerjammer

Mit glänzendem Fell, hingebungsvoll geleckt, betritt der Kater die Bar. Sein Gang ist geschmeidig, der Blick geübt. Seine Augen bleiben ruhen auf der jungen Katze am Tisch neben dem Tresen. Auf ihrem entzückenden Gesicht, den wohlgeformten Ohren, dem zarten rosa Näschen. Zielstrebig nähert sich der Kater und platziert sich für seinen Auftritt.

„Nun, meine Verehrteste, ganz allein? Wäre ich Ihr Herzbube, so ließe ich Sie niemals warten. Vorzüglich würde ich für Sie sorgen und es Ihnen an nichts fehlen lassen. All Ihre Mühen wären vorbei. Und Sie müssten nicht mehr tun, als mich nur immer schön zum Schnurren zu bringen.“ Als hätte er gerade einen köstlichen Happen verspeist, fährt er sich mit der Zunge über die Schnauze.

Die Katzendame erwidert: „Mein Herr, welch aufschlussreiches Angebot. Es ist nur so, dass ich meine Mäuse sehr gerne selbst verdiene und – um Sie zu beruhigen – es sind ausreichend viele. Sie sehen also: Bei mir schnurrt es schon genug.“

Das Ende der Welt

Für Hunderttausende von Menschen in Japan, vor 10 Tagen. Das Ende der Welt. Und es wird dauern, bis die Überlebenden beginnen können, sich eine neue aufzubauen.

Bisher unbekannte oder sonst eher seltene Begriffe begleiten uns seitdem täglich: Fukushima, Super-GAU, Kernschmelze, Restrisiko, Moratorium. Zur Sicherheit wird die Sicherheit unserer sicheren AKWs überprüft – erneut oder überhaupt? Da bin ich mir jetzt nicht ganz sicher…  Auf jeden Fall steht die Sicherheit der Bevölkerung bei den deutschen Politikern an erster Stelle. Prima, dass das so deutlich gesagt wurde… Ich hätte sonst beinahe geglaubt, Lobbyismus zum Zwecke des Machterhalts hätte diese Position fest in Beschlag.

Na gut, man kann sich ja mal irren. Irren ist schließlich menschlich. Und Atomkraftwerke sind von Menschen gebaut und werden von Menschen betrieben. Das allein macht die Sache für mich schon klar – ganz ohne Moratorium.

Ohne Wirklichkeit stirbt die Phantasie

Ohne Wirklichkeit stirbt die Phantasie. Den Satz hab ich gestern Abend gelesen, im Roman „Das verborgene Wort“ von Ulla Hahn. Ein feiner Satz aus einem tollen Buch, über das noch berichtet wird.

Der Satz fiel mir heute wieder ein, als ich mit zwei Packungen Rispentomaten, einem Topf Basilikum und den ersten Erdbeeren des Jahres die Stufen zu meiner Wohnung hochging. Mir stieg der Duft der Erdbeeren, des Basilikums und der Tomaten in die Nase…

Wunderbare Wirklichkeit.