Monatsarchiv: April 2013

Drei halbe Hähnchen und eine Portion Pommes – Die eine Seite eines Dialogs. Inspiriert von „A Married Couple“ von George Grosz.

George Grosz - A Married Couple

Also, Erwin, wirklich. Was hast du dir dabei gedacht? Drei halbe Hähnchen. Und eine Portion Pommes!

Was meinst du? Ohne Ketchup? Das macht es auch nicht besser. Dabei warst du doch erst letzte Woche bei Dr. Kleinhuber. Hast du schon wieder vergessen, was der gesagt hat?

Der Dr. Kleinhuber ist ein sehr guter Arzt, auf den lass ich nichts kommen!

Doch, mit deinen Blutwerten hat er ganz genau Recht! Fettarme Kost. Gemüse. Salat. Das musst du essen!

Aber natürlich schmeckt das! Ich gebe mir alle Mühe. Ich mach alles für dich, alles.

Du? Du für mich? Na ja, das stimmt schon. Fährst mich schon öfter mal wohin.

Ja, ja, heute auch wieder zur Fußpflege… Aber hinter meinem Rücken holst du dir dann Brathähnchen. Drei halbe! Und eine Portion Pommes!

Du hattest so großen Hunger? Vor zwei Stunden gab’s doch erst zu Mittag.

Nichts Gescheites wär das gewesen? Blumenkohl-Sellerie-Pfanne mit Kräuterquark ist nichts Gescheites? Also, das ist ja wohl…

Wie? Dir hat der Magen so laut geknurrt, dass die Leute geschaut haben? Du warst doch im Auto.

Fenster offen? Ach was… Sag mal, Erwin, hast du dir etwa bei dem Imbisswagen schon öfter was geholt?

Wirklich nicht?

Wirklich nicht?

Na gut. Dann fahren wir jetzt nach Hause.

Ja, die Hähnchen nehme ich mit.

Was? Nein! Du kannst sie nicht zu Hause aufessen. Denk doch an Dr. Kleinhuber und dein Blut!

Was ich mit den Hähnchen mache? Das lass meine Sorge sein. Ich kümmere mich schon drum.

Waking the Witch

Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, erwacht die böse Hexe in mir. Wer dann meinen Zorn auf sich zieht, ist verloren.

Mehr als eine Woche hatte ich an der Präsentation gesessen, die meine Chefin heute beim Management halten musste. Ein Dutzend Leute hatte ich angerufen, um die Daten und Statistiken zu sammeln. Hatte stundenlang im Internet nach den treffendsten englischen Begriffen recherchiert. Hatte für die Grafiken die gefälligsten Farben aus der Designpalette gewählt. Hatte akribisch pixelgenau Balken und Linien gerückt.

Und jetzt kommt meine Chefin vom Präsentationstermin zurück, zitiert mich in ihr Büro, schließt die Tür und schmettert mich gegen die Wand wie einen unliebsamen Frosch. Die goldene Kugel wirft sie hinterher und verfehlt mich nur um Millimeter. Weiterlesen