Monatsarchiv: März 2013

Berlin, Berlin: Das Museum der Gegenwart im Hamburger Bahnhof

Vor kurzem hat sich die famose Gelegenheit ergeben, ein paar Tage in der Hauptstadt zu verbringen. Unter anderem habe ich das Museum der Gegenwart im ehemaligen Hamburger Bahnhof besucht. Das Gebäude selbst ist schon sehenswert, vor allem die elegante Historische Halle.

Mitte des 19. Jahrhunderts als Kopfbahnhof für die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin eröffnet, wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ein Museum für Verkehr und Technik umgebaut und beherbergt seit 1996 das Museum der Gegenwart der Nationalgalerie. Neben den Sammlungen mit Klassikern wie Beuys, Warhol und Lichtenstein gibt es auf rund 10.000 qm wechselnde Ausstellungen.

Am meisten beeindruckt hat mich die Sonderausstellung „Kinderkreuzzug“ von Martin Honert. Der 1953 im Ruhrgebiet geborene Honert setzt in seinen szenischen Objekten Erinnerungen aus der eigenen Biographie um. Die Werke sind nicht nur aufwändig gefertigt und ästhetisch ansprechend, sondern auch wirklich spannend und interessant. Ich habe mir viel Zeit genommen, um sie in der Historischen Halle lustwandelnd zu erkunden.

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Ebenso sehenswert: die Jubiläumsausstellung „Sehr gut / Very good“ mit Arbeiten von Martin Kippenberger. Die Bandbreite reicht von Fotografien und Gemälden über skulpturale Objekte bis zu vielteiligen Installationen. Kippenberger wäre dieses Jahr 60 geworden, wäre er nicht nach einem „exzessiven Leben“ (Zitat Info-Heft des Museums) bereits 1997 verstorben. Kippenberger war nicht nur bildender Künstler, sondern auch Schauspieler, Schriftsteller, Musiker, Tänzer und vieles mehr, kurz ein „Exhibitionist“. Hier einige Impressionen.

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Ehrlich gesagt wusste ich manchmal nicht genau, ob Dinge zur Kunst gehören oder zum Equipment des Museums… Bei den Werken von Joseph Beuys ging’s mir ähnlich. Das kommt davon, wenn man Laien ins Museum lässt! 😉

Witzig und bemerkenswert fand ich die Zeichnungen von George Widener. Widener, 1962 in Kentucky geboren, hat eine ausgeprägte Vorliebe für Zahlen, Kalender, Daten und mathematische Berechnungen. In seinen komplexen Bildern spinnt er Muster und Zusammenhänge zwischen historischen Ereignissen, Statistiken und subjektiven Wahrnehmungen. Abgefahren…

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Das Bild, in dem Widener belegt, dass sich so gut wie alle Flugzeugabstürze an einem Sonntag ereignen, habe ich absichtlich nicht fotografiert. Mein Rückflug aus Berlin ging nämlich sonntagnachmittags. Puh, zum Glück ist es nochmal gutgegangen…

Wer mehr wissen will: Hamburger Bahnhof – Museum der Gegenwart – Berlin

Und wer nach dem Museumsbesuch lecker Essen und Trinken will, sollte das Café / Restaurant von Sarah Wiener im Hamburger Bahnhof aufsuchen!

Leipziger Buchmesse 2013

Buchmesse Leipzig, letzten Samstag. In einem Wort: überwältigend. Ein paar Fakten: 2.069 Verlage, 69.000 qm Ausstellungsfläche, 2.800 Veranstaltungen, 168.000 Besucher (laut Pressemeldung Leipziger Buchmesse vom 17.03.2013).

Alle großen bekannten Verlage waren natürlich da. Und sehr viele kleine, deren Angebot ich spannend fand, weil weitgehend unbekannt. Fernsehen und Prominenz waren auch vertreten; Claus Kleber und Gregor Gysi haben wir aus dem Augenwinkel gesehen. Nicht wegzudenken sind die vielen kostümierten Menschen: vom detailverliebten Cosplayer über barocke Balldamen und hirschgeweihtragende Hünen bis zu Gandalf oder Captain Jack Sparrow – alles dabei. Das Messegelände allein ist schon sehenswert, viel Glas und Metall, luftig leicht und modern.

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Hier ein offizielles Video der Messe Leipzig mit Impressionen:


Nach sechs Stunden neugierigem Streunen war ich platt – wie meine Begleiterinnen. Rettung brachte das leckere Sushi bei Mr. Moto. Am Sonntag vor der Heimfahrt war noch Zeit für einen ausführlichen Rundgang durch die Leipziger Innenstadt. Sehr schön, ich komme gerne bald mal wieder.

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Für Freunde des pechschwarzen Humors: „Sightseers“ von Ben Wheatley

Der Film könnte romantisch sein: Das frisch verliebte Pärchen Chris und Tina verbringt seinen ersten gemeinsamen Urlaub. Der Film könnte erotisch sein: Die beiden sind scharf aufeinander und haben wenig Hemmungen. Der Film könnte kulturell lehrreich sein: Chris und Tina klappern in ihrem Caravan bedeutende englische Sehenswürdigkeiten ab.

Der Film ist pechschwarz: Die beiden bringen alle Leute um, die ihnen unterwegs unliebsam auffallen. Der Film ist komisch: Ja, warum eigentlich? … Das schaffen nur Briten, dass man über brutale Morde laut lachen kann…  Der Film ist berührend: Trotz allem sind Chris und Tina arme Würstchen, denen man wünscht, dass sie glücklich sein könnten. Und vielleicht nicht ganz so viele Leute umbrächten…