Das Mädchen und die Wasserhexe

Die Wasserhexe, die im Bergsee wohnt, erfüllt den Verzweifelten einen Wunsch, sagen die Alten. Und so macht sich das Mädchen, das bald Braut sein soll, auf den Weg zu ihr. Lange vor Sonnenaufgang bricht es auf, seine Eltern schlummern noch. Die Warnungen der Alten vor der Hinterlist der Hexe begleiten das Mädchen. Trotzdem ist sein Schritt entschlossen.

Nebel liegt über dem See, als das Mädchen ankommt. Die ersten Sonnenstrahlen spenden Licht.

Mit dem magischen Spruch, den es von der Großmutter gehört hat, ruft das Mädchen die Hexe an. Ein Strudel tut sich nahe des Ufers auf. Daraus erwächst eine Fontäne und in deren Mitte erscheint die Wasserhexe. Von einem Leuchten umgeben schwebt die Hexe über dem klaren Wasser. Wie eine sanfte Sonne kommt sie dem Mädchen vor. Der Nebel ist verschwunden. Die Warnungen der Alten sind vergessen.

Was ist dein Begehr? fragt die Hexe und ihre Stimme ist glockenhell.

Allen Mut nimmt das Mädchen zusammen und spricht: Den ältesten Sohn des Schlachters soll ich heiraten. Aber mir graut vor ihm. Grob ist er und seine Zähne faulig. Ich liebe den jungen Schäfer. Sein Haar ist golden und seine Hände zart, obschon er tüchtig arbeitet. Bei ihm will ich sein, bis zu dem Tag, an dem ich sterbe.

Die Wasserhexe nickt und da verwandelt sich das Mädchen in ein Lämmchen mit strahlend weißer Wolle und vor Erstaunen geweiteten Augen.

Die Wasserhexe kichert und bevor sie wieder in das eisige Wasser eintaucht, ruft sie dem Mädchen zu: Gib nur Acht, dass du nicht den Schlachter vor dem Schäfer triffst!

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