Mein Erlanger Poetenfest 2016

Auch in diesem Jahr war es wieder der Höhepunkt im Erlanger Kulturkalender. Zum 36. Mal fand das Erlanger Poetenfest statt, wie gewohnt am letzten Wochenende im August.

Auftakt am Freitagabend im Markgrafentheater: „Die Lange Nacht der Ersten Erde“.
Raoul Schrott hat mit „Erste Erde“ ein Epos geschaffen. Aus dem Blickwinkel des Dichters erforscht er die Entstehung und Entwicklung des Universums, der Erde, des Lebens.

Im ersten Teil des tatsächlich langen, aber kurzweiligen Abends erzählte Raoul Schrott über seine Motivation und Herangehensweise, über die Reisen, die er unternommen hat, um das Werk zu schaffen sowie die Menschen, die er dabei getroffen hat. Leseproben gab es auch – die hätten gerne noch länger sein dürfen.

Anschließend bat Raoul Schrott vier Experten aus den Bereichen Molekularevolution, Physik, Paläontologie und Astrophysik auf die Bühne. Was wohl als Gesprächsrunde geplant war, wurde eher zu Kurzvorträgen der jeweiligen Wissenschaftler – das war zwar etwas schade, denn einen tiefergehenden fachlichen Austausch gab es dadurch nicht, spannend war es allemal. Eine außergewöhnliche Veranstaltung und ein gelungener Start!

Beide Lesenachmittage im Schlossgarten waren wunderbar: Vielfältig, abwechslungsreich, spannend.  Meine Favoriten:
Tilmann Rammstedt – Morgen mehr
Der Ich-Erzähler muss dafür sorgen, dass seine Eltern sich kennenlernen, damit sie ihn zeugen können. Seine Mutter stürzt sich allerdings 24 Stunden vor dem einzig möglichen Zeugungstermin in ein amouröses Abenteuer mit einem melancholischen Franzosen und der Vater wird mit einbetonierten Füßen in den Main geworfen. Kann das noch was werden?

Sharon Dodua Otoo – Herr Gröttrup setzt sich hin
Der Text gewann den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis. Die 1972 in London geborene Autorin ghanaischer Eltern lebt seit 10 Jahren in Berlin. Ihr Text erzählt von deutscher Pünktlichkeit, eingefahrenen Ehen und unsichtbaren Wesen.

Shida Bazyar – Nachts ist es leise in Teheran
Die Autorin mit iranischen Wurzeln wurde 1988 in Deutschland geboren. In ihrem Roman lässt sie verschiedene Personen einer Familie zu verschiedenen Zeitpunkten (von 1979 bis 2009) an verschiedenen Orten (Iran, Deutschland) zu Wort kommen.

Silke Scheuermann – Wovon wir lebten
Der Protagonist Marten scheint wenig Chancen auf ein „erfolgreiches“ Leben zu haben: die Mutter Alkoholikerin, der Vater lieblos. Dennoch schafft Marten den Aufstieg zum Fernsehkoch. Der Roman ist inspiriert von Dicken’s „Great Expectations“.

Katharina Winkler – Blauschmuck
Blauschmuck, das sind die Blutergüsse, die muslimische Frauen durch die Schläge ihrer Männer oder Väter tragen. Auch die Ich-Erzählerin Filiz, eine Kurdin aus der Osttürkei, trägt Blauschmuck. Sie träumt vom Westen und von Jeans. Doch auch nachdem sie mit ihrem brutalen Ehemann nach Wien kommt, findet sie die erhoffte Freiheit nicht. Sie muss sie sich erst erkämpfen. Erzählt nach einer wahren Begebenheit.

Abbas Khider – Ohrfeige
Es braucht eine Ohrfeige, Fesseln und einen Knebel, damit die Sachbearbeiterin im Ausländeramt dem Flüchtling Karim Mensy zuhört. Endlich hat er Gelegenheit, in Ruhe seine Geschichte zu erzählen. Vor ein paar Jahren habe ich Abbas Khider bei einer Lesung aus „Brief in die Auberginenrepublik“ gehört – und war auch damals schon beeindruckt – vom Autoren wie vom Menschen Abbas Khider gleichermaßen.

Eberhard Rathgeb – Cooper
Es fängt ganz harmlos und idyllisch an: Eine junge Familie mit zwei Töchtern fährt aufs Land, um dort ein Wochenende im neu gekauften Häuschen zu verbringen. Doch das Schicksal hat anderes vor. Es werden schreckliche Dinge geschehen. Welche das sind, kann ich demnächst berichten. Denn gestern habe ich angefangen, das Buch zu lesen.

Foto0874

2 Antworten zu “Mein Erlanger Poetenfest 2016

  1. Na dein Samstagnachmittag sieht meinem ja schon SEHR ähnlich 😉
    Den Sonntagnachmittag hab ich verbummelt bzw. ging mir dann auch die Puste aus beim Schreiben.
    Schön deine Eindrücke zu lesen.
    Und ja, die Sonnenschirme!

    Gefällt 1 Person

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