Monatsarchiv: Juni 2017

Kalenderspruch der Woche (24/2017) – Nachtrag

Eine Reise ist ein Trunk aus der Quelle des Lebens.
Christian Friedrich Hebbel (1813 – 1863)

In den letzten drei Wochen habe ich einen ordentlichen Schluck genommen, daher der Nachtrag.

Kalenderspruch der Woche (23/2017)

Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist.
Jean Paul (1763 – 1825)

Happy Birthday, Fahrrad!

Am 12. Juni 1817 unternahm Karl von Drais die erste Probefahrt mit der von ihm entwickelten Laufmaschine: 14 Kilometer in einer knappen Stunde. Komplett aus Holz und noch ohne Pedale kam sein Zweirad daher. 1866 erhielt Pierre Lallement ein US-Patent auf Tretkurbeln am Vorderrad. 1878 wurde der einseitige Kettenantrieb des Hinterrads eingeführt, durch den das Fahren wesentlich einfacher und sicherer wurde.

Frauen waren Ende des 19. Jahrhunderts nicht gerne auf dem Zweirad gesehen. Die Entblößung der Knöchel galt als unsittlich und körperliche Betätigung war ohnehin nichts für Damen. Kutscher schlugen schon mal mit der Peitsche nach Radfahrerinnen oder drängten sie in den Straßengraben. Kinder bewarfen sie mit schmutzigen Lumpen. Ärzte warnten vor dem entstellenden „Bicycle-Gesicht“ und dem Verlust der Gebärfähigkeit, ganz zu schweigen von der ins Unermessliche steigenden weiblichen Libido – durch die intensive Durchblutung des Genitalbereichs und die frische Luft.

Doch es half alles nichts. Immer mehr Frauen verließen ihre angestammte Sphäre, das Haus, um Rad zu fahren. Pionierinnen wie Amalie Rother und Clara Beyer trauten sich erst nur auf stillen Waldchausseen außerhalb Berlins zu radeln. Später fuhren sie in der Morgendämmerung durch die Stadt und endlich auch am belebten Nachmittag. Den Beschimpfungen der Straßenjungen fuhren sie davon.

Die amerikanische Frauenrechtlerin Susan B. Anthony (1820 – 1906) sagte über das Radfahren:
“Let me tell you what I think of bicycling. I think it has done more to emancipate women than anything else in the world. It gives women a feeling of freedom and self-reliance. I stand and rejoice every time I see a woman ride by on a wheel…the picture of free, untrammeled womanhood.”

Und falls es morgen früh, wenn ich auf mein Rad steige, um zur Arbeit zu fahren, regnen sollte, was mich üblicherweise wenig begeistert, dann werde ich an diese Worte denken und lächelnd in die nassen Pedale treten.

Übrigens: In Saudi-Arabien hat die Religionspolizei Frauen und Mädchen im April 2013 das Fahrradfahren überhaupt erst erlaubt. Aber nur in Erholungsgebieten, in Begleitung eines männlichen Verwandten und unter der Abaya.

Auch daran werde ich denken, wenn ich morgen losfahre.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_von_Drais
https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrrad
https://de.wikipedia.org/wiki/Susan_B._Anthony
http://www.goodreads.com/quotes/10789-let-me-tell-you-what-i-think-of-bicycling-i
https://www.welt.de/vermischtes/article114924623/Religionspolizei-erlaubt-Frauen-das-Radfahren.html
Die radelnde Revolution, in: EMMA (Ausgabe 332, 3/2017), Seite 94 ff. (http://www.emma.de/artikel/die-radelnde-revolution-334417)

Schwestern im Schwimmbad

Inspiriert von Petr Lovigin: The friends hula hoop on the banks of the Volga, from the series Planet Lovigin

Frauen-mit-Krokodilen

Die gereiften Zwillingsschwestern Gerda und Ludmilla besuchen im Sommer oft zusammen das Schwimmbad. Nicht immer verläuft die gemeinsame Zeit harmonisch. Wir können von Glück sprechen, dass die Damen keine anderen Waffen besitzen als ihre aufblasbaren Schwimmtiere. Auch heute hat sich ein Streit entzündet. Von unserem Platz aus haben wir gute Sicht auf die beiden. So wie der Wind steht, hören wir nur Ludmillas Rede…

Ludmilla: Ein für alle Mal wird das jetzt entschieden, Gerda. Ich meine das ernst! Nie lässt du mich ans Steuer. Das ist einfach nicht fair! Dabei bin ich viel fitter. Ich sehe besser, meine Reaktionen sind schneller. Das werde ich dir beweisen!

[…]

L: Wir fechten das aus. Jetzt und hier! Mein Krokodil schlägt deinen Delfin mit Leichtigkeit. Dein Delfin mag intelligent sein, aber mein Krokodil hat Biss! Und wer Biss hat, ist der bessere Fahrer!

[…]

L: Nun komm schon, Gerda, hau zu! Mach schon! Sonst bist du doch auch nicht so schüchtern. Warst du ja noch nie. In der Schule nicht und auch nicht beim Tanzkurs. Bei den Eltern hast du dich auch immer in den Vordergrund gedrängelt. Wolltest immer das Lieblingskind sein. Und jetzt willst du immer fahren. Ich hab auch den Führerschein!

[Augenrollen und kräftiger Schlag von Gerda]

L: Aua, Gerda, jetzt hast du mir auf die Hand gehauen! Das ist gemein! Das tut weh! Jetzt kann ich nur noch mit einer Hand, das ist nicht fair! Warte einen Moment, ich muss mich kurz erholen. Hast du nicht gehört? Mir tut die Hand weh! Du blöde Ziege! Dir zeig ich’s! Ich gewinne auch mit einer Hand!

[Mittelkräftiger Schlag von Gerda. Ludmillas Luftkrokodil fällt zu Boden.]

L: Oh, nein! Nein, Gerda, das zählt nicht! Das gilt nicht! Ich hebe mein Krokodil schnell wieder auf, dann zählt es erst wieder.

[…]

L: Was? Nein? Du doofe Kuh. Immer musst du gewinnen. Schon immer!

[Kopfschütteln von Gerda. Sie lässt die Luft aus ihrem Gummidelfin und fängt an, die Badesachen in ihre Tasche zu packen. Ludmilla macht mit.]

L: Du, Gerda, meinst du, dass heute vielleicht ich mal ans Steuer kann, wenn wir nach Hause fahren?

[Gerda schüttelt noch immer den Kopf, nimmt die gepackte Badetasche und geht schnellen Schrittes davon. Ludmilla stapft hinterher.]