Happy Birthday, Fahrrad!

Am 12. Juni 1817 unternahm Karl von Drais die erste Probefahrt mit der von ihm entwickelten Laufmaschine: 14 Kilometer in einer knappen Stunde. Komplett aus Holz und noch ohne Pedale kam sein Zweirad daher. 1866 erhielt Pierre Lallement ein US-Patent auf Tretkurbeln am Vorderrad. 1878 wurde der einseitige Kettenantrieb des Hinterrads eingeführt, durch den das Fahren wesentlich einfacher und sicherer wurde.

Frauen waren Ende des 19. Jahrhunderts nicht gerne auf dem Zweirad gesehen. Die Entblößung der Knöchel galt als unsittlich und körperliche Betätigung war ohnehin nichts für Damen. Kutscher schlugen schon mal mit der Peitsche nach Radfahrerinnen oder drängten sie in den Straßengraben. Kinder bewarfen sie mit schmutzigen Lumpen. Ärzte warnten vor dem entstellenden „Bicycle-Gesicht“ und dem Verlust der Gebärfähigkeit, ganz zu schweigen von der ins Unermessliche steigenden weiblichen Libido – durch die intensive Durchblutung des Genitalbereichs und die frische Luft.

Doch es half alles nichts. Immer mehr Frauen verließen ihre angestammte Sphäre, das Haus, um Rad zu fahren. Pionierinnen wie Amalie Rother und Clara Beyer trauten sich erst nur auf stillen Waldchausseen außerhalb Berlins zu radeln. Später fuhren sie in der Morgendämmerung durch die Stadt und endlich auch am belebten Nachmittag. Den Beschimpfungen der Straßenjungen fuhren sie davon.

Die amerikanische Frauenrechtlerin Susan B. Anthony (1820 – 1906) sagte über das Radfahren:
“Let me tell you what I think of bicycling. I think it has done more to emancipate women than anything else in the world. It gives women a feeling of freedom and self-reliance. I stand and rejoice every time I see a woman ride by on a wheel…the picture of free, untrammeled womanhood.”

Und falls es morgen früh, wenn ich auf mein Rad steige, um zur Arbeit zu fahren, regnen sollte, was mich üblicherweise wenig begeistert, dann werde ich an diese Worte denken und lächelnd in die nassen Pedale treten.

Übrigens: In Saudi-Arabien hat die Religionspolizei Frauen und Mädchen im April 2013 das Fahrradfahren überhaupt erst erlaubt. Aber nur in Erholungsgebieten, in Begleitung eines männlichen Verwandten und unter der Abaya.

Auch daran werde ich denken, wenn ich morgen losfahre.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_von_Drais
https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrrad
https://de.wikipedia.org/wiki/Susan_B._Anthony
http://www.goodreads.com/quotes/10789-let-me-tell-you-what-i-think-of-bicycling-i
https://www.welt.de/vermischtes/article114924623/Religionspolizei-erlaubt-Frauen-das-Radfahren.html
Die radelnde Revolution, in: EMMA (Ausgabe 332, 3/2017), Seite 94 ff. (http://www.emma.de/artikel/die-radelnde-revolution-334417)

Eine Antwort zu “Happy Birthday, Fahrrad!

  1. hanna.stoecker@gmx.net

    dem schließe ich mich an, happy birthday, 🙂
    LG Hanna

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