Monatsarchiv: Dezember 2017

Kalenderspruch der Woche (52/2017)

Lesen ist ein großes Wunder.
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Denn Lesen ist nicht nur Informationsverarbeitung. Lesen ist Bangen & Hoffen, Fürchten & Freuen, Grollen & Jubeln, Staunen & Verstehen. Lesen ist Erleben.

Ein amüsanter Abend

Ein Vater gibt der Tochter einen Kuss
Ein Nackter stürzt kreischend in den Fluss

Eine glatt geföhnte Frau spricht über 13 Tote
Vor karger Bergkulisse jault einsam ein Kojote

Ein Koch rührt hastig in drei Pfannen
Napoleon auf dem Pferd spricht zu seinen Mannen

Ein Typ schlägt einem andern ins Gesicht
Flamingos fliegen auf im Dämmerlicht

Junge Paare lachen laut bei einem Fest
Im Norden gibt es Regen und Sonne für den Rest

Die Fernbedienung gleitet aus der Hand
Was war der Abend wieder amüsant!

Kalenderspruch der Woche (51/2017)

Wir sollten nicht nur leben, als ob wir morgen sterben, sondern auch, als ob wir noch hundert Jahre leben könnten.
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Kalenderspruch der Woche (50/2017)

Ein schwerer Beutel macht leicht eitel.
Abraham a Santa Clara (1644 – 1709)

In Liebe, ewiglich

Der Erste starb schon nach vier Wochen. Der Zweite hielt sich nur wenig länger. Den Dritten kauften wir dann nicht mehr in der Zoohandlung, sondern beim Züchter.

Alle hatten denselben Namen, der einzige Name, der für mich damals in Frage kam, denn der Wellensittich meiner Großeltern hieß ebenso: Jocki. Mein Jocki hatte allerdings blaues Gefieder, der meiner Großeltern war grün.

Ich liebte Jocki und Jocki liebte mich.

Wenn meine Mutter und ich um die Mittagszeit nach Hause kamen, erkannte Jocki das Motorengeräusch unseres Autos und wir konnten ihn auf dem Weg von der Garage zur Haustür durch das geschlossene Fenster freudig aufgeregt pfeifen hören. Jocki schaute interessiert zu, wie ich meine Grundschulhausaufgaben am Küchentisch erledigte und freute sich, wenn ich zwischendurch mit ihm redete und ihm meinen Zeigefinger zum Knabbern an die Gitterstäbe seines Käfigs hielt.

Als ich in der sechsten Klasse ins Schullandheim fuhr, verfiel Jocki anscheinend in Trauer. Er sang nicht und er fraß nicht. Meine Eltern waren in Sorge. Als ich nach einer Woche zurückkam, dauerte es mehrere Tage, bis Jocki sich erholte. Vielleicht war er beleidigt, vielleicht fürchtete er, dass ich wieder weggehen könnte, wer weiß, aber bald war er wieder der Alte.

Neben dem üblichen Vogelfutter mochte Jocki Salatblätter, Gurkenscheiben und Apfelstücke, aber am tollsten fand er Bananen. Sobald mein Vater eine Banane nur in die Hand nahm, wurde das Vögelchen ganz wild. Hüpfte im Käfig herum, pfiff schrill und noch lauter als sonst. Jocki wurde erst wieder ruhig, wenn ein Stückchen Banane zwischen die Gitterstäbe gequetscht wurde. Gefressen hat er die Bananen nicht, am nächsten Tag konnten wir das vertrocknete Stück wegnehmen, ohne dass es Jocki sonderlich interessiert hätte. Tja, auch Wellensittiche können seltsam sein.

Als ich älter wurde und mehr Zeit bei Freunden oder allein in meinem Zimmer verbrachte, blieb die Liebe ungebrochen, aber Jocki und ich gewannen etwas Abstand.

Kurz nach meinem Abitur, ich wohnte noch zu Hause, da merkten wir, dass Jocki alt wurde. Er sang weniger, er flog nur noch kurz und hüpfte kaum mehr im Käfig herum. An seinem letzten Abend saß er still am Boden seines Käfigs und schaute mich müde an. Am nächsten Morgen fanden wir ihn tot. Ich weinte, meine Mutter auch; aber wir waren auch glücklich, dass unser kleiner Jocki über 13 Jahre mit uns verbracht hatte.

Zusammen mit seinem Lieblingsspielzeug, einem runden Spiegel mit Bimmelglöckchen und seiner Vogelschaukel, legte ich ihn vorsichtig in einen Schuhkarton und wir begruben ihn im Garten. Auf sein kleines Grab legten wir ein paar Blümchen.

Und noch heute, wenn ich meine Eltern besuche, glaube ich manchmal, Jockis Pfeifen zu hören, das mich fröhlich begrüßt.

Kalenderspruch der Woche (49/2017)

Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle Unrecht haben.
Bertrand Russell (1872-1970)

Kalenderspruch der Woche (48/2017)

Niemand ist so beflissen, immer neue Eindrücke zu sammeln, wie der, der die alten nicht zu verarbeiten versteht.
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Drei Kurzurlaube im Herbst – Dritter Streich: Leogang

Die Gemeinde Leogang liegt im Salzburger Land und ist Teil des Skigebiets Saalbach-Hinterglemm-Leogang. Die Wintersaison ist Mitte Oktober jedoch noch nicht eröffnet und ohnehin sind wir keine Skifahrer. Bei unserer Ankunft am Freitagmittag empfangen uns strahlender Sonnenschein und eine hausgemachte Kräuterlimonade auf der Terrasse unseres Hotels. Am Nachmittag bewundern wir bei einem Spaziergang die Leoganger Steinberge, wie sie im Sonnenlicht leuchten.

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Tags darauf fahren wir mit der Asitzbahn auf 1.750 Meter Seehöhe. Eine kleine Rundwanderung führt uns über die Asitzmulde auf den Scharbergkogel (1.888 m) und den Großen Asitz (1.914 m), vorbei an einem Speicherteich und schließlich wieder zur Bergstation der Asitzbahn. Die Sonne zeigt sich nicht, beeindruckende Blicke auf die Bergwelt haben wir trotzdem.

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Sonntagvormittag regnet es unten in Leogang und oben am Asitz liegt eine dünne Schicht Schnee. Staunend über den Schnee, den uns ein Monitor in der Hotellounge zeigt, der das Bild einer Webcam überträgt, gehen wir gemütlich frühstücken. Und danach geht’s wieder nach Haus.