Tagesarchiv: 13. Juni 2021

Autorin der Woche (23/2021)

In einem Brief an ihre Freundin Vita Sackville-West schreibt Virginia Woolf:

“Style is a very simple matter; it is all rhythm. Once you get that, you can’t use the wrong words. But on the other hand here am I sitting after half the morning, crammed with ideas, and visions, and so on, and can’t dislodge them, for lack of the right rhythm. Now this is very profound, what rhythm is, and goes far deeper than any words. A sight, an emotion, creates this wave in the mind, long before it makes words to fit it.”

Rhythmus als Prinzip des Schreibens anstatt einer durchstrukturierte Handlung mit detailbeschriebenen Charakteren und Landschaften. In ihrem Roman Mrs. Dalloway (1925) hat Woolf diesen Rhythmus gefunden. Sie kontrastiert den Bewusstseinsstrom einer Dame der feinen Londoner Gesellschaft mit dem eines mental kranken jungen Mannes – ein Tageslauf, zwei Leben; auf faszinierende Weise verwebt.

Das Zitat zeigt jedoch auch eine dunkle Seite. Oft ist Virginia Woolf ein gequälter Geist; sie erlebt depressive und psychotische Episoden. Diverse Behandlungen in verschiedenen Institutionen helfen ihr am Ende nicht. 1941 verschlechtert sich ihr Zustand rapide und sie ertränkt sich im River Ouse.