Monatsarchiv: September 2022

Malerei der Woche (38/2022)

Mit der „Wahrsagerin“ (um 1595) führt Caravaggio die Genremalerei in die italienische Kunst ein, die nördlich der Alpen bereits deutlich früher zu finden war. Ähnlich wie in der Schachpartie (um 1508) von letzter Woche wird auch hier vor weiblicher List und Tücke gewarnt. Die Wahrsagerin schaut dem offensichtlich recht jungen fein gekleideten Herrn tief in die Augen, während sie nicht nur seine Handlinien liest, sondern ihm auch unbemerkt einen Ring vom Finger zieht.

Malerei der Woche (37/2022)

Von Engeln zum Spiel der Könige. „Die Schachpartie“ (um 1508) von Lucas van Leyden ist eines der frühesten Genrebilder. Ein Mann und eine Frau spielen gegeneinander, die umstehenden Personen verfolgen das Geschehen mehr oder weniger aufmerksam. Es scheint, als würde die Frau ihren Mitspieler mit dem nächsten Zug in Bedrängnis bringen – dieser hat seine Mütze abgenommen und führt die Hand mit nachdenklicher Geste zum Kopf. Da das Schachspiel als Metapher für Liebe und Liebesspiel galt, kann das Gemälde durchaus als Warnung vor der „List“ der Frauen gedeutet werden.

Malerei der Woche (36/2022)

Nach drei Hochzeiten kommt nun kein Todesfall, sondern ein Engelsturz. 1587 erhielt Christoph Schwarz den Auftrag für das Hochaltarbild der Jesuitenkirche St. Michael in München, die als eines der Hauptwerke der süddeutschen Gegenreformation gilt. Im Zentrum des Gemäldes sehen wir den Erzengel Michael, wie er den abtrünnigen Luzifer in die Tiefe stürzt. Die weit ausgebreiteten Flügel, der das Haupt umrahmende Mantelschwung und der helle Hintergrund verleihen Michael die Anmutung einer leuchtenden Siegesgöttin. Luzifer hingegen, der ehemals schönste aller Engel, befindet sich bereits im Dunkel. Ihm sind Hörner gewachsen, Schlangen züngeln aus seinem Haar, an den Fingern wachsen ihm Krallen und die Flammen des Höllenfeuers haben das prächtige Pfauengefieder seiner Flügel erreicht. Ein Sinnbild für den ewigen Kampf zwischen Licht und Finsternis.

Bild entnommen von: https://www.rdklabor.de/wiki/Datei:Superbia_35.jpg
Christoph Schwarz und Alessandro Paduano, Sieg des Erzengels Michael über Luzifer. 1588–1590. Öl auf Leinwand, ca. 500 x 300 cm. München, St. Michael, Hochaltar.
Nach: Rom in Bayern. Kunst und Spiritualität der ersten Jesuiten, Ausstellungskatalog München 1997, S. 116.

Malerei der Woche (35/2022)

Fast zur gleichen Zeit wie Veronese hielt auch Tintoretto die Hochzeit zu Kana in einem Gemälde fest. Im Vergleich der Werke wird die Unterschiedlichkeit der beiden Künstler deutlich. Tintorettos Festgesellschaft feiert in einem zeitgenössisch ausgestatteten Innenraum mit typisch venezianischer Kassettendecke. Auf Prunk und anekdotische Details verzichtet Tintoretto im Gegensatz zu Veronese. Durch die Wahl, die Tafel von der Schmalseite aus darzustellen und Jesus und Maria ans andere Kopfende zu platzieren, rücken die beiden in eine große Entfernung. Im Vordergrund rechts füllen Dienerinnen das verwandelte Wasser aus großen Tonkrügen in Weinkaraffen, bestaunt von einer dahinter sitzenden Frau. Auch die Gruppe links bespricht angeregt das überraschende Ereignis. Der Fokus des Bildes liegt dadurch auf dem Wunder, das Jesus gewirkt hat.