Brockhaus der Woche (02/2018)

Was sagt der Brockhaus über Brockhaus?

Brockhaus, Verlegerfamilie. Friedrich Arnold B. *Dortmund 4.5.1772, † Leipzig 20.8.1823; gründete 1805 in Amsterdam eine Verlagsbuchhandlung und kaufte 1808 das von R. G. Löbel und C. W. Franke begonnene Konversationslexikon. 1811 siedelte er mit seiner Firma nach Altenburg, 1817/18 nach Leipzig über (ab 1814 F. A. Brockhaus); dort erschienen die weiteren Auflagen des Lexikons, Reihen- und Sammelwerke, später auch populärwiss. und Reisebücher. Nachschlagewerke blieben Hauptarbeitsgebiet des Verlags: „Großer Brockhaus“ (1928-35, 20 Bde., Atlas und Ergänzungsband). 1945 setzte in Wiesbaden der Verlag Eberhard B. die Überlieferung fort und firmierte seit 1953 nach Enteignung des Leipziger Stammhauses (dort 1953-90 als VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig, 1992 reprivatisiert) wieder als F. A. Brockhaus. […]; seit 1996 erscheint die 20. Aufl. als „Brockhaus, Die Enzyklopädie“. 1984 Fusion mit Bibliographisches Institut AG zur Firma Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG.

Die Firma Bibliographisches Institut wurde 1826 von Joseph Meyer in Gotha gegründet und wurde bekannt durch Meyers Konversationslexika und Atlanten, Brehms Tierleben und den Duden.

Wie erwähnt, meine Brockhaus-Ausgabe erschien 2001. Was ist seitdem geschehen?

Die Firma Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG wurde 2009 aufgelöst. Das Bibliographische Institut ist heute eine GmbH und gehört zur Cornelsen-Gruppe. Der Duden erscheint dort.

Und was ist mit Brockhaus? Die Brockhaus Website* sagt folgendes:
2002 startete Brockhaus mit der Veröffentlichung seiner ersten digitalen Enzyklopädie in ein neues Zeitalter. 2008 wurde das Unternehmen an die Bertelsmann Gruppe verkauft, im Jahr 2015 dann von der schwedischen NE Nationalencyklopedin AB übernommen, mithilfe deren digitaler Services bereits 75 % aller schwedischen Schulen unterrichten.

Unter der Firmierung NE GmbH | Brockhaus vollzieht das Unternehmen eine Wandlung vom Wissens- zum Bildungsanbieter. Ab Herbst 2016 bietet Brockhaus Online-Lehrwerke für Gymnasien und Grundschulen an, die auf neue Art und Weise gegebene Lehrpläne, das klassische Lehrwerksmodell und ausgewählte, medienpädagogisch sinnvolle Möglichkeiten der Nutzung digitaler Medien für ein besseres Lernen und Lehren vereinen.

Anscheinend erscheint der Brockhaus gedruckt überhaupt nicht mehr und für Privatpersonen* gibt es folgende Information:
Aktuell können wir Ihnen die Brockhaus Online-Enzyklopädie sowie unsere Junior-Nachschlagewerke nicht zum privaten Erwerb anbieten. Zugang zu unseren Produkten erhalten Sie über Bibliotheken, Schulen, Institutionen sowie Unternehmen.

Wer hätte das gedacht?

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* aufgerufen im Januar 2018

Zweiwortgedichte

Oft braucht es nicht viele Worte, um viel zu sagen. Das wusste Ernst Jandl, wie auch andere experimentelle Lyriker. Hier einige meiner Zweiwortgedichte.

Im Himmel
Halleluja!
Gähn…

In der Hölle
Wirklich?
Aua!

Bürotag
Update
Helpdesk

Weihnachtsgedicht
Höflichkeiten
Völlegefühl

Waldgedicht
Wispern
Klopfen

Liebesende
Hau
ab

Brockhaus der Woche (01/2018)

Zur Jahreswende sind Horoskope groß in Mode. Was sagt der Brockhaus über Astrologie?

Astrologie [grch.] die, (Sterndeutung), der Versuch, Wesen und Schicksal der Menschen aus Gestirnstellungen zu deuten und vorherzusagen. Die A. behauptet eine erfassbare geregelte Beziehung zw. Gestirnwelt und ird. Vorgängen, bes. der menschl. Existenz. Dabei wird den 12 Abschnitten des Tierkreises (Tierkreiszeichen) eine besondere Wirkung zugeschrieben. Da rationale Beweise dafür fehlen, wird die A. zu einer Glaubensfrage. In der Gewinnung rechner. Anhaltspunkte hingegen, in der Aufstellung der Konstellation, war die A. mit der Entwicklung der Mathematik und Astronomie verknüpft. – Die Anfänge der A. liegen in Babylonien, Assyrien und Ägypten. Davon zeugen die Keilinschriften aus der Bibliothek Assurbanipals (um 640 v. Chr.) und der noch heute verwendete Tetrabiblos („Werk in vier Büchern“). Bis in die Neuzeit beherrschte die A. in christl. Gewand das gesamte abendländ. Denken, alle Astronomen bis ins 17. Jh. waren auch Astrologen. Mit dem kopernikanischen Weltbild und der Aufklärung (18. Jh.) verlor die A. ihre Grundlage, hielt sich jedoch im Volksglauben (Aberglaube) trotz Kritik bis heute, z.B. als (Zeitungs-)Horoskop.

Gewisse Parallelen gibt es zu einer anderen alten Kunst:

Alchimie (Alchemie, Alchymie) [von arab. al-kīmiyāʾ „Chemie“] die, entstand im 2./3. Jh. im alexandrin. Ägypten und war im MA. bis zum Beginn der Neuzeit die wiss. Beschäftigung mit chem. Stoffen. Die Erneuerung der A. durch Paracelsus leitete im 17. Jh. zur antialchimist., empir. Chemie über; die A. stand seither als „geheime Kunst“ mit ihren Bemühungen, Gold zu machen, den „Stein der Weisen“, das Universallösungsmittel „Alkahest“ und lebensverlängernde Elixiere zu finden, außerhalb der Naturwissenschaften. Die chem. Kenntnisse des Altertums, großenteils durch die Araber überliefert, bildeten ihre Grundlage. Der A. gelang eine Fülle von chem. Entdeckungen (z.B. Alkohol, Porzellan, Phosphor), eine Erweiterung des Arzneischatzes und eine Verfeinerung der chem. Arbeitstechnik, worauf die spätere Chemie aufbauen konnte. Bekannte Alchimisten des MA. waren Albertus Magnus, Geber, Arnaldus von Villanova, Roger Bacon, Basilius Valentinus.

(Aber-)Glaube und strenge Wissenschaft haben sich also gegenseitig befruchtet. Unter dem Stichwort Aberglaube steht im Brockhaus folgendes Zitat von Johann Wolfgang von Goethe:

Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens; deswegen schadet’s dem Dichter nicht, abergläubisch zu sein.

Alles Gute für 2018!

Brockhaus der Woche: Auftakt

In meinem Bücherschrank steht der Brockhaus. 15 schwere Bände, in gediegenem Dunkelblau, aus dem Jahr 2001. Selbstverständlich damals schon ein Anachronismus ([grch.] der, falsche zeitliche Einordnung; nicht mehr zeitgemäße Einrichtung), jedoch mein Herzenswunsch zu der Zeit.

Im Lauf der Jahre zunehmend mit Ambivalenz ([lat.] die, das gleichzeitige Auftreten von einander widersprechenden Vorstellungen und Gefühlen) besetzt und mehrfach akut ([lat. „spitz“], plötzlich auftretend, vordringlich) vom Abschied bedroht, weil die Anwendung doch hinter den Erwartungen zurückblieb, hat er seinen Platz im Bücherschrank behauptet, der Brockhaus in 15 Bänden.

Und nun, im Jahr 2018 kommt er zu Ehren: Der „Brockhaus der Woche“ ist der neue „Kalenderspruch der Woche“. Ein oder mehrere Begriffe aus meinem Brockhaus, zitiert und/oder kommentiert in einem Beitrag, in 52 Wochen zweimal durchs Alphabet.

Geneigte Leserinnen und Leser mögen es bemerkt haben: das „A“ prägt diesen Auftakt; und so auch den ersten offiziellen Post.

Kalenderspruch der Woche (52/2017)

Lesen ist ein großes Wunder.
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Denn Lesen ist nicht nur Informationsverarbeitung. Lesen ist Bangen & Hoffen, Fürchten & Freuen, Grollen & Jubeln, Staunen & Verstehen. Lesen ist Erleben.

Ein amüsanter Abend

Ein Vater gibt der Tochter einen Kuss
Ein Nackter stürzt kreischend in den Fluss

Eine glatt geföhnte Frau spricht über 13 Tote
Vor karger Bergkulisse jault einsam ein Kojote

Ein Koch rührt hastig in drei Pfannen
Napoleon auf dem Pferd spricht zu seinen Mannen

Ein Typ schlägt einem andern ins Gesicht
Flamingos fliegen auf im Dämmerlicht

Junge Paare lachen laut bei einem Fest
Im Norden gibt es Regen und Sonne für den Rest

Die Fernbedienung gleitet aus der Hand
Was war der Abend wieder amüsant!

Kalenderspruch der Woche (51/2017)

Wir sollten nicht nur leben, als ob wir morgen sterben, sondern auch, als ob wir noch hundert Jahre leben könnten.
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Kalenderspruch der Woche (50/2017)

Ein schwerer Beutel macht leicht eitel.
Abraham a Santa Clara (1644 – 1709)

In Liebe, ewiglich

Der Erste starb schon nach vier Wochen. Der Zweite hielt sich nur wenig länger. Den Dritten kauften wir dann nicht mehr in der Zoohandlung, sondern beim Züchter.

Alle hatten denselben Namen, der einzige Name, der für mich damals in Frage kam, denn der Wellensittich meiner Großeltern hieß ebenso: Jocki. Mein Jocki hatte allerdings blaues Gefieder, der meiner Großeltern war grün.

Ich liebte Jocki und Jocki liebte mich.

Wenn meine Mutter und ich um die Mittagszeit nach Hause kamen, erkannte Jocki das Motorengeräusch unseres Autos und wir konnten ihn auf dem Weg von der Garage zur Haustür durch das geschlossene Fenster freudig aufgeregt pfeifen hören. Jocki schaute interessiert zu, wie ich meine Grundschulhausaufgaben am Küchentisch erledigte und freute sich, wenn ich zwischendurch mit ihm redete und ihm meinen Zeigefinger zum Knabbern an die Gitterstäbe seines Käfigs hielt.

Als ich in der sechsten Klasse ins Schullandheim fuhr, verfiel Jocki anscheinend in Trauer. Er sang nicht und er fraß nicht. Meine Eltern waren in Sorge. Als ich nach einer Woche zurückkam, dauerte es mehrere Tage, bis Jocki sich erholte. Vielleicht war er beleidigt, vielleicht fürchtete er, dass ich wieder weggehen könnte, wer weiß, aber bald war er wieder der Alte.

Neben dem üblichen Vogelfutter mochte Jocki Salatblätter, Gurkenscheiben und Apfelstücke, aber am tollsten fand er Bananen. Sobald mein Vater eine Banane nur in die Hand nahm, wurde das Vögelchen ganz wild. Hüpfte im Käfig herum, pfiff schrill und noch lauter als sonst. Jocki wurde erst wieder ruhig, wenn ein Stückchen Banane zwischen die Gitterstäbe gequetscht wurde. Gefressen hat er die Bananen nicht, am nächsten Tag konnten wir das vertrocknete Stück wegnehmen, ohne dass es Jocki sonderlich interessiert hätte. Tja, auch Wellensittiche können seltsam sein.

Als ich älter wurde und mehr Zeit bei Freunden oder allein in meinem Zimmer verbrachte, blieb die Liebe ungebrochen, aber Jocki und ich gewannen etwas Abstand.

Kurz nach meinem Abitur, ich wohnte noch zu Hause, da merkten wir, dass Jocki alt wurde. Er sang weniger, er flog nur noch kurz und hüpfte kaum mehr im Käfig herum. An seinem letzten Abend saß er still am Boden seines Käfigs und schaute mich müde an. Am nächsten Morgen fanden wir ihn tot. Ich weinte, meine Mutter auch; aber wir waren auch glücklich, dass unser kleiner Jocki über 13 Jahre mit uns verbracht hatte.

Zusammen mit seinem Lieblingsspielzeug, einem runden Spiegel mit Bimmelglöckchen und seiner Vogelschaukel, legte ich ihn vorsichtig in einen Schuhkarton und wir begruben ihn im Garten. Auf sein kleines Grab legten wir ein paar Blümchen.

Und noch heute, wenn ich meine Eltern besuche, glaube ich manchmal, Jockis Pfeifen zu hören, das mich fröhlich begrüßt.

Kalenderspruch der Woche (49/2017)

Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle Unrecht haben.
Bertrand Russell (1872-1970)