Großmutter & Großvater

Großmutter
Sie stellt den Topf mit den Essensresten in den Kühlschrank.
Sie trocknet die sauber geputzte Spüle nach.
Dann geht sie ins Schlafzimmer und legt die gebügelte Bettwäsche in den Schrank,
während sie überlegt, welches kleine Geschenk aus der oberen Schublade
sie heute ihrer Enkelin geben wird, wenn diese später zu Besuch kommt.

Großvater
Er grüßt die Fabrikarbeiter, als er die Kantine betritt.
Er zieht den Hausmeisterkittel aus und legt ihn über einen Stuhl.
Dann geht er hinter die Theke, wo der Kinderwagen steht.
Während er seine Frau begrüßt, die das Essen ausgibt,
nimmt er seine Enkelin aus dem Wagen und hebt sie sanft so hoch, dass alle sie sehen.

Formal inspiriert vom Gedicht „Alte Frau“ von Walter Helmut Fritz

Kalenderspruch der Woche (12/2016)

Ein wenig zaghaft ist er noch, der Frühling. Aber beim Osterspaziergang sieht und riecht und spürt man ihn bereits. Und im Sinne eines weit gefassten Gottesbegriffs der dazu passende Spruch für diese Woche.

Und wer im Frühling bitter ist und hart,
Vergeht sich wider Gott, der sichtbar ward.
aus dem Gedicht „Ich sage euch“ von Jean Paul

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Kalenderspruch der Woche (11/2016)

Wer zur Quelle gehen kann, der gehe nicht zum Wassertopf.
Leonardo da Vinci

Kalenderspruch der Woche (10/2016)

Zum heutigen Weltfrauentag, den wir vor der Wende im Westen der BRD gar nicht kannten. Dort gab es nur Mütter.

Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: – alle dummen Männer.
Marie von Ebner-Eschenbach

Kalenderspruch der Woche (9/2016)

Für eine Woche, in der man völlig unerwartet erfährt, dass man sehr bald woanders wohnen wird, gibt es nur ein passendes Zitat.

Well life has a funny way of sneaking up on you
When you think everything’s okay and everything’s going right
Alanis Morissette, „Ironic“

Glücklicherweise geht der Song weiter:

And life has a funny way of helping you out when
You think everything’s gone wrong and everything blows up
In your face

Kalenderspruch der Woche (8/2016)

Ein Blick in die politischen Schlagzeilen legt den Wahrheitsgehalt des folgenden Zitats offen.

Zwerge bleiben Zwerge, auch wenn sie auf den Alpen sitzen.
August von Kotzebue

Kalenderspruch der Woche (7/2016)

Marie von Ebner-Eschenbach hat uns einen umfangreichen Schatz an Aphorismen hinterlassen, der über die Zeit nichts von seiner Kostbarkeit eingebüßt hat.

Geistlose kann man nicht begeistern, aber fanatisieren kann man sie.
Marie von Ebner-Eschenbach

Es war einmal ein Jägerhut

Es war einmal ein Jägerhut, der verliebte sich in eine Zahnbürste. Eigentlich war der Jägerhut mit dem Sombrero liiert. Der Sombrero war ein waschechter Mexikaner, ein Mitbringsel aus einem weit zurückliegenden Urlaub. Zwischen dem bodenständigen Jägerhut und dem feurigen Sombrero hatte es sofort gefunkt. Und das lag nicht nur daran, dass die beiden halb übereinander lagen auf dem obersten Regalboden der Abstellkammer. Bei aller Gegensätzlichkeit spürten sie doch eine gewisse Wesensgleichheit.

Mit den Jahren hatte das Prickeln der ständigen Berührung jedoch nachgelassen. Der Jägerhut glaubte, der Sombrero würde manchmal zu dem neuen grellroten Wanderrucksack hinüberschielen, der seit ein paar Wochen in der Kammer an einem Haken gegenüber hing. Vielleicht irrte sich der Jägerhut aber auch.

Eines Tages öffnete sich die Tür, das Licht wurde eingeschaltet und der Mann stellte einen kleinen oben offenen Karton direkt neben den Jägerhut. In dem Karton waren verschiedene Gegenstände: ein Kamm mit großen Zinken, eine Schwimmbrille, ein ausgewaschenes Handtuch, ein Reisefön und sie: die Zahnbürste.

Sie ragte seitlich schräg aus dem Karton und beim Abstellen desselben fiel ihr Borstenkopf auf den Gamsbart des Jägerhuts. Ein erquickendes Zucken durchfuhr den Jägerhut! Wie elektrisiert fühlte er sich; dabei war die Zahnbürste gar nicht elektrisch. Noch bevor der Jägerhut Farbe und Form der Zahnbürste genauer erkennen konnte, wurde das Licht wieder ausgeschaltet und die Kammertür geschlossen. Durch die Berührung der kurzen kräftigen Zahnbürstenborsten richteten sich die Haare seines Gamsbarts vor Spannung straff nach oben. Welch ein Genuss!

Da öffnete sich die Tür erneut, das Licht ging an, die Frau kam herein, sah sich um, fand den Karton, schüttelte den Kopf, nahm den Karton mitsamt der Zahnbürste vom Regal und murmelte: Der Mist muss weg.

Das Licht ging aus, die Türe zu. In der Dunkelheit freute sich der Jägerhut über die vertraute Berührung des Sombreros. Aber seine Gedanken blieben bei der Zahnbürste.

 

Kalenderspruch der Woche (6/2016)

Erfolg verändert den Menschen nicht. Er entlarvt ihn.
nach Max Frisch

Kalenderspruch der Woche (5/2016)

Der Glückliche gleicht einer Semmel mit Honig
aus Russland

Zugegeben, den Spruch verstehe ich nicht wirklich. Aber wenn ich an eine Semmel denke, knusprig, frisch und rösch gebacken, mit Honig darauf, goldglänzend, sanft fließend, kräftig und süß… Ja, dann bin ich glücklich!