Unglaublich, aber wahr

 

Anfang September haben in meiner Firma zwei neue Azubis angefangen. Die beiden sind zusammen so alt wie ich.  

 

Hätte diese Tatsache eine depressive Stimmung ausgelöst – niemand hätte es mir übel genommen. Aber: ich kann daran nichts Deprimierendes finden. Na klar, erstaunlich ist es schon, dass Menschen, die in den Neunzigern geboren wurden, auf dem deutschen Arbeitsmarkt legal agieren dürfen – aber nicht deprimierend.

 

Was schützt mich vor der potenziellen Niederschmetterung?

 

Zum einen ganz sicher: Kein Mensch glaubt, dass ich so alt bin wie ich bin. Die glückliche Situation mit ungläubigen Augen gemustert zu werden, wenn das Geburtsjahr genannt wird, ist ein starker Schutzschild gegen Altersverzweiflung.

 

Das ist es aber nicht alleine. Die bislang wundersam konservierte jugendliche Ausstrahlung ist nicht von Dauer. Früher oder später finden die Falten ihren Weg auch in mein Gesicht.

 

Viel stabiler schützt die Erkenntnis, dass man mit seinem bisherigen Leben etwas Gutes angestellt hat. Wenn ich an mich selbst mit 17 zurückdenke – wo ich mich in meiner Entwicklung befand, was ich geleistet und erlebt hatte – dann war das nicht übel. Aber wenn ich es mit meinem Stand heute vergleiche, kann ich ehrlich sagen, dass sich einiges getan hat. Allein was ich in den letzten Jahren erfahren habe – beruflich und privat – ist eine ganze Menge.

 

Und das ist, worauf es ankommt. Gefühltes Alter ist Lebenszeit geteilt durch Erfahrungen.

 

Je mehr Erfahrungen du sammelst, umso jünger fühlst du dich im Verhältnis zu deiner Lebenszeit. Und klar, wenn du den ganzen Tag nur vor der Glotze sitzt und nichts erlebst, dann fürchtest du das älter Werden, denn du schreitest nur im Lebensalter fort und nicht in den Erfahrungen.

 

In diesem Sinne: Man musst nicht deprimiert sein, wenn die Kollegen plötzlich halb so alt sind wie man selbst, sondern erst, wenn man feststellt, dass man keinen angemessenen Erfahrungsvorsprung hat. Aber selbst dann: Es ist nie zu spät, um mit dem Training zu beginnen.

Eine Antwort zu “Unglaublich, aber wahr

  1. Dazu passt ein schöner Spruch meines Schwiegervaters: „Es kommt nicht auf’s Alter sondern auf den Kilometerstand an.“ Ich schau jetzt aber trotzdem mal ins Intranet, wie alt du wirklich bist 🙂

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