Monatsarchiv: August 2009

Das Detail macht den Unterschied

Es gibt viele Menschen, die kennt man, ohne sie wirklich zu kennen. Die Nachbarin, mit der man ein paar Worte im Treppenhaus wechselt. Den Kollegen, dem man in der Kaffeeküche begegnet. Die Bekannten von Freunden, die man bei deren Geburtstagsfeiern trifft.

Obwohl man diese Menschen nur von der Ferne aus sieht, macht man sich doch ein Bild von ihnen. Man verpasst ihnen Labels wie: Redselig oder schüchtern. Höflich oder rücksichtslos. Aufdringlich oder hilfsbereit. Und man entscheidet auf dieser Basis, ob man jemanden sympathisch findet oder nicht.

Manchmal kommt es vor, dass man über solche Menschen ein Detail erfährt, das nicht ins Bild passt, das einen überrascht. Zum Beispiel, dass jemand ehrenamtlich im Tierheim arbeitet. Oder dreimal geschieden ist. Oder Theater spielt. Oder den Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren hat. Oder sich in einer bestimmten Situation hinterhältig verhalten hat. Oder, oder, oder.

Und dieses eine Detail kann das komplette Bild verändern, sogar ins Gegenteil kehren. Je weniger kongruent mit dem bisherigen Bild das neue Detail ist, umso mehr Gewicht erhält es und umso mehr wird es das eigene Verhalten diesem Menschen gegenüber beeinflussen.

Das gleiche kann auch bei Menschen passieren, die man sehr viel besser kennt. Doch hier ist der Erfahrungsschatz größer. Die neue Information kann harmonischer integriert werden, so dass ein facettenreicheres Bild entsteht und meist kein komplett anderes.

Aber letztendlich muss man einfach akzeptieren, dass man nie alles über einen anderen Menschen wissen kann. Und wie sollte man? Man weiß ja noch nicht einmal alles über sich selbst.

Unter der Oberfläche

Ich denke gerne von mir als „guter Mensch“. Offen, freundlich, tolerant. Besonnen, hilfsbereit, kooperativ. Wer meine Freunde oder Kollegen fragt, ob ich diese Eigenschaften aufweise, wird überwiegend Zustimmung ernten. Das ist gut so, denn ich will nicht nur selbst so über mich denken, ich will auch, dass andere dieses Bild von mir haben.

Doch es gibt Momente, da will ich Leute anpöbeln, weil sie an zu lahm an einem Fitnessgerät trainieren oder zu langsam vor mir auf der Straße gehen. Da will ich Leute schlagen, weil sie ihren Motor unnötig laufen lassen oder sich an der Kreuzung rücksichtslos an mir und meinem Rad vorbei drängeln. Da will ich Leute von der Klippe stoßen, weil ich sie verdächtige, meine Leistung nicht vollauf zu würdigen oder mich zu unterschätzen.

Sollten die Menschen in meinem Umfeld also lieber das Weite suchen, weil in mir eine Bestie schlummert, die jeden Augenblick erwachen und Verderben bringen kann?

Nein. Ich bin ziemlich sicher tatsächlich ein guter Mensch, auch unter der Oberfläche. Dazu gehören eben manchmal auch zerstörerische Gedanken. So lange nicht ein wirklicher Drang besteht, sie auszuleben, sind solche Gedanken gesund, denn sie kanalisieren die Aggressivität, die in gewissem Maß jeder Mensch in sich trägt.

Viel gefährlicher ist es, solche Gedanken nicht zuzulassen oder sie zu verleugnen…Ich jedenfalls würde niemandem trauen, der immer nur lieb ist…

Es bewegt sich wieder

Seit einem knappen Monat nimmt das Arbeit-Freizeit-Verhältnis vertretbare Werte an. Das gibt mir endlich wieder Raum, Dinge zu bewegen: meine Muskeln beim Sport und meine Schreibfeder!

„Kamron und der Schattenmagier“ steht in Rohform. Teils noch in Stichworten, teils schon in erstem Wurf formuliert; die Storyline ist da. Ab Mitte September möchte ich mit der Veröffentlichung beginnen. Freue mich schon auf Leser und Kommentare!

 

Detail

Jetzt hab ich’s doch getan…

… Michael Jackson CDs bei Amazon bestellt. Als großer Fan in den 80ern habe ich natürlich die Alben dieser Zeit auf Vinyl (und so gut wie alle Maxi-Singles von „Bad“ obendrein). In den 90ern trennten sich Michaels und meine Wege jedoch aus musikalischen Gründen…

Sein Tod hat mich dennoch getroffen; einige Tage trug ich Trauer; um einen herausragenden Musiker und Entertainer, einen verlorenen Menschen und ehrlicherweise auch um meine eigene Jugend.

Dass die Verkaufszahlen nun in die Höhe schießen würden, war klar. Ich wollte bewusst nicht zu denen gehören, die sich CDs deswegen ins Regal stellen, weil der Typ, der vorne drauf ist, tot und in den Medien ist. Doch so ist es ja nicht – ich mochte, liebte die Musik ja schon vorher. Deswegen ist mein Gewissen rein.

Gekauft habe ich „Off the Wall“ und „Thriller“, also die älteren Werke, die noch vor meiner echten Fanzeit geschaffen wurden. Aus meiner jetzigen Betrachtung ist das einfach die „natürlichere“ Musik, die mich deutlich mehr anspricht. Und Michael selbst sah zu jenen Zeiten auch noch natürlicher aus. Vielleicht hängt das zusammen…

Was ich jedenfalls nicht tun werde, ist schlau über Michael Jackson daher zu philosophieren, als hätte ich irgendeine Ahnung, wie sein Leben wirklich war oder als könnte ich mir ein Urteil über ihn erlauben. Ich freue mich einfach auf das Päckchen mit der guten Musik drin und würdige den Künstler, der sie geschaffen hat.