Monatsarchiv: August 2010

Im Treppenhaus

Als sie die alten Holzstufen hochstieg, hörte Eva, wie von außen eine Wohnungstür zugesperrt wurde. Brigitte aus dem zweiten Stock. Eva erkannte alle Nachbarn an den Geräuschen, die sie machten. Brigitte steckte gerade den Schlüsselbund in ihre Jutetasche, als Eva auf dem Treppenabsatz ankam.

„Hallo, Brigitte, wie geht es dir?“

„Eva, hallo! Na, es geht so. Und dir?“

„Gut, danke.“

„Heute ohne Gepäck unterwegs?“

Eva wusste inzwischen, dass Brigitte damit die Vierlinge meinte. „Die Jungs sind beim Fußball und die Mädchen beim Flötenunterricht. Ich hab sie gerade alle hingebracht. Ums Abholen muss ich mich zum Glück nicht kümmern, da nehmen Frau Koch und Frau Hopfengärtner sie mit.“

„Ach, Eva, da hätte ich mir aber mehr von dir erwartet!“

Eva überlegte ehrlich angestrengt, was Brigitte ihr damit sagen wollte, aber ihr fiel nichts ein.

„Du hast keine Ahnung, was ich meine, oder?“

Eva schüttelte den Kopf.

„Die Mädchen beim Flöten, die Jungs beim Fußball! Du presst deine Kinder in ausgediente Rollenklischees, die unsere Gesellschaft schleunigst überwinden muss, wenn sie eine Zukunft haben will!“

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Das hässliche Entlein

Nach einem Märchen von Hans Christian Andersen

„Wie lange muss ich denn noch sitzen?“ dachte die Ente. „Es ist beschwerlich und wird mir lästig. Immer nur still auf einer Stelle, das hält doch keiner aus!“ Da hörte sie ein leises Knacksen, und da, noch eines! Aufgeregt stand sie auf und besah sich die Eier, die sie nun schon so lange bebrütet hatte. Eins nach dem anderen brach auf und heraus kamen lauter Küken, die sogleich begannen zu piepsen. Da war die Freude groß!
Nur ein Ei, das größte von allen, blieb fest verschlossen. Glücklich über ihren hübschen Nachwuchs setzte sich die Entenmutter geduldig auf das letzte Ei. „Sicher wird auch dieses Küken bald schlüpfen und meine Mühe hat ein Ende.“  Weiterlesen