Traue nicht dem Reitlehrer

Klaus konnte es noch immer nicht fassen, obwohl Judith nun schon seit zwei Wochen weg war. Mit diesem Grünschnabel von Reitlehrer war sie durchgebrannt; fast 20 Jahre jünger als sie selbst.

Beherzt hatte Judith die Affäre gestanden; ehrlich war sie, das musste Klaus ihr zugestehen. Gekocht vor Wut hatte er trotzdem. Er hatte sie angeschrien: „Dann pack doch deinen Plunder, wenn du glaubst, dieser schiefmäulige Aushilfs-Cowboy macht dich glücklicher als ich!“

Und genau das hatte Judith getan. Hatte all ihre Sachen abgeholt, tagsüber, während Klaus im Büro saß. Ein wahrer Kahlschlag.

Klaus fühlte sich seitdem wie ein Käuzchen im Sturmtief: ständig in Furcht, haltlos weggeweht zu werden. Auf junggeselliges Lotterleben hatte er keinen Appetit. Schrumpfen wollte er, bis er so klein war, sich in den Ritzen der alten Holzdielen zu verkriechen.

Die letzten Worte, die er mit Judith gewechselt hatte, hallten in seinem Kopf wider: „Vergiss die Reitpeitsche nicht, um deinen jungen Hengst zu zähmen!“

Verletzen wollte er sie; und wütend machen. Doch er sah in Judiths Augen nur Traurigkeit und noch schlimmer: Mitleid. Ihre Stimme war ruhig, fast zärtlich: „Ich hätte mir auch ein anderes Ende gewünscht. Aber wir beide wissen, dass es in Wahrheit schon lange vorbei ist.“

Darauf hatte Klaus keine Antwort gehabt. Stumm hatte er zugesehen, wie Judith sanft die Haustür hinter sich zuzog. Vor zwei Wochen… Seitdem schielte Klaus bei jeder Gelegenheit hinüber zur Tür – doch sie blieb geschlossen.

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