Monatsarchiv: Februar 2012

Ein Tag wie jeder andere

Diese Woche ist der Ehemann einer Kollegin verstorben, nach kurzer schwerer Krankheit. Vor einem Monat noch war alles in Ordnung, alles normal. Und plötzlich ist ein Leben zu Ende und andere werden völlig aus der Bahn geschleudert.

Es gibt Leute, die sagen, man solle jeden Tag leben, als sei er der letzte. Das ist natürlich kaum alltagstauglich. Dann würde ich nie wieder zum Zahnarzt gehen, die Spülmaschine ausräumen oder meine Fahrradreifen aufpumpen…

Was man jedoch sehr leicht und jederzeit tun kann: sich über Dinge freuen, die es wert sind. Auch und gerade über die kleinen. Wenn die kalte klare Morgenluft in der Nase kitzelt. Wenn man zusammen im Büro herzlich lacht. Wenn man sich abends zur Begrüßung in die Umarmung des Partners kuschelt.

Und bei Dingen, über die man sich ärgert, sollte man prüfen, wie viel Aufmerksamkeit und Energie sie wirklich verdienen. Und dann: entweder ad acta legen oder planen, wie man sie ändern kann.

Man kann nicht jeden Tag so leben, als sei er der letzte. Aber man kann versuchen, in jedem Tag etwas Schönes und Gutes zu entdecken.

Eine Unterbrechung, ein Ende und ein Anfang

Carolas Suche, Teil 5
Was zuvor geschah…

‚Können wir uns treffen? Brauche dringend deinen Rat! Nick‘ Susanne stand vor einem Bild von Ignatz Besserberg, als Nicks SMS piepste. Besserberg wurde in der Kunstszene als der aufgehende Stern der modernen Malerei gehandelt. Sein Bild zeigte vier daumendicke waagrechte Linien in Rot. Die vierte Linie war unterbrochen.

Susanne sollte Besserberg interviewen und einen Artikel über seine Ausstellung für das Kulturmagazin ihres Verlagshauses schreiben. Zwar war sie mit ihrem Job in der Redaktion der Frauenzeitschrift mehr als ausgelastet, aber die Kollegin der Kulturredaktion lag mit Sommergrippe im Bett und da war Susanne eingesprungen.

„So ein Gekritzel“, dachte Susanne. Vielleicht war das vermessen, sie war schließlich keine Expertin. Einerlei, ihr großer Bruder bat sie um Hilfe und das war schon ungewöhnlich. ‚In einer Stunde im Café Eisberg‘ schrieb sie an Nick und ging dann hinüber zu Ignatz Besserberg, einem hageren End-Vierziger mit wirrem angegrauten Haar und einer dicken Hornbrille. Mit einem Glas Prosecco in der Hand schäkerte er mit Babette von Scheinstein, der Besitzerin der Galerie. Die Dame versank fast vollständig in einem Dutzend bunter Schals und nur die kupferfarbene Lockenpracht ließ erahnen, wo genau der Kopf saß.

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